„Die Forschung wird zusehends weiblicher“ – mit diesen Worten eröffnete Gerald Schöpfer, Obmann des Josef Krainer-Steirischen Gedenkwerkes, die Verleihung des Josef Krainer-Wissenschaftspreises am Montagabend im Grazer Meerscheinschlössl, zu der er und Uni Graz-Rektor Peter Riedler geladen hatten. „In junge Menschen in der Wissenschaft zu investieren, ist immer eine gute Investition“, waren er und Riedler, der kurz seine eigene Zeit als Stipendiat anschnitt, sich einig.
Zwölf Forschende wurden an diesem Abend unter der Anwesenheit ihrer engsten Angehörigen und zahlreichen politischen Ehrengästen für ihre Leistungen ausgezeichnet. Unter anderem waren gleich drei ehemalige Landeshauptleute gekommen – Hermann Schützenhöfer, Christopher Drexler und Waltraud Klasnic. „So etwas hat man nicht alle Tage“, freute sich Schöpfer eingangs. In Vertretung von Vize-Landeshauptfrau Manuela Khom war Forschungslandesrat Willibald Ehrenhöfer erschienen, Landeshauptmann Mario Kunasek wurde durch Landtagsabgeordneten und Gemeinderat Günter Wagner vertreten.
Acht von zwölf Preisen für Frauen
Das Bild einer weiblichen Forschung zeigte sich in den Preistragenden – acht von zwölf Preisen wurden an Frauen übergeben. So holten sich Eva Krisper (Jazz- und Popularmusikforschung), Claudia Laštro (Politikwissenschaft) Johanna Dabernig-Heinz (Molekulare Mikrobiologie) und Malina Seyffertitz (Werkstoffwissenschaft) den Josef Krainer-Förderungspreis. Letztere forscht unter anderem im renommierten Cambridge.
Ebenso ausgezeichnet wurde Charlotte Cui, ebenfalls für ihre Arbeit in der Werkstoffwissenschaft: „Sie versteht Grenzen nicht als Hindernis, sondern als Einladung“, ließ Schöpfer das Publikum wissen. Den Förderungspreis gab es auch für Markus Fasching, der sein Wissen in den Technischen Wissenschaften laut Schöpfer weitergibt „wie ein gut geladener Akku“ – ein Wortwitz, hat Fasching seine Forschung schließlich der Sicherheit von Batterien bei Fahrzeugen verschrieben. Auch Stefan Purkjart wurde im Fachbereich Physik für seine Arbeit geehrt, über Andreas Joham sagte Schöpfer: „Er ist nicht nur in der Rechtswissenschaft, sondern auch Schiedsrichter im Fußball. Diese beiden Dinge haben gemeinsam, dass man schnell und unter Druck die richtigen Entscheidungen fällen muss.“
„Höhepunkt der Karriere“
Auch bei der Vergabe der Josef Krainer-Würdigungspreise dominierten die Frauen. Lisa Paleczek wurde für ihre Arbeit in der Bildungswissenschaft geehrt, Eva Gerold denkt die Metallurgie unterdessen neu. Als „Hahn im Korb“ nahm Umweltsystemwissenschafter Georg Jäger den Preis entgegen, Preisträgerin Anita Emmerstorfer-Augustin bringt mit ihrem Wissen die Molekulare Biotechnologie voran – und hielt als Letzte im Bunde eine Rede, stellvertretend für alle Geehrten: „Dieser Preis ist dafür gedacht, schöpferisches und eigenständiges Tun zu ehren. Hier stehen zu dürfen, ist deshalb ein Höhepunkt in meiner Karriere. Wir verbringen unsere Zeit meist in unseren Laboren und Büros, selten auf großen Bühnen. Deswegen ist die Freude groß.“
Emmerstorfer-Augustin nutzte den Moment auch, um auf ihren eigenen Werdegang zurückzublicken. Ihr erster Karrieretraum platzte, bevor er überhaupt begann: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal studieren werde, aber meine Tante hat die Forscherin in mir erkannt, bevor ich sie selbst sehen konnte – dafür bin ich ewig dankbar.“