Selbst Charlie kann sein Glück kaum fassen. Als ihm sein Besitzer Youseff die iranische Flagge um den Hals bindet, wedelt der Golden Retriever euphorisch mit dem Schwanz. Anlass zu Freude emfpindet aber nicht nur er. Im Grazer Augarten versammeln sich am Sonntagnachmittag knapp 60 Iranerinnen und Iraner um ebenso spontan wie ausgelassen den Tod von Irans Oberstem Führer Ali Khamenei zu feiern. „Es ist ein Tag der großen Freude, ein Tag auf den wir 47 Jahre gewartet haben“, sagt Youseff, der sich auch eine iranische und eine israelische Flagge um die Schultern bindet.
Historische Tage gehören gefeiert – das sehen alle Anwesenden im Grazer Park an diesem Nachmittag so. Bier- und Sektflaschen werden zur Seite gestellt, während aus der Sporttaschen-großen Musikbox iranische Volksmusik dröhnt und sich die Feierlustigen zu einer tanzenden Traube formen. „Es ist so, als wären wir nach all den Jahren aus dem Gefängnis frei gekommen“, sagt Sam, während er im Takt der Musik klatscht. Der Krieg sei schlimm, aber er sei notwendig, sagt er – „wie eine Chemotherapie, die schmerzt, aber letztlich doch heilt“.
Auch Angst treibt die Iraner um
Es gibt aber auch andere Geschichten, andere Gefühle. Beispielsweise jene von Yasmin, die in Wirklichkeit anders heißt, aber ihren echten Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das hat einen Grund: Die Lage im Iran ist seit Samstag noch undurchsichtiger geworden als sie davor war. Die USA und Israel haben das Regime noch stärker ins Wanken gebracht, als es die Proteste über Monate hinweg vermachten.
„Ich fahre noch öfter in den Iran, will mich und meine Verwandten vor Ort aber nun auch nicht in Schwierigkeiten bringen“, sagt Yasmin. Sie hofft inständig, dass ihr Heimatland wieder zur Ruhe kommt. Der Weg dahin ist jedoch steinig. „Es wird mit Sicherheit besser werden, aber ich hoffe einfach, dass der Preis nicht zu hoch ist – wer weiß, was die Kämpfe und Bomben in den nächsten Tagen noch anrichten und wen es trifft, wer weiß, wohin die Reise wirklich geht.“ Für sie ist klar: Nichts ist klar.
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Umso angespannter ist die Stimmung bei den Iranerinnen und Iranern in der Steiermark. „Mein ganzes Leben im Iran wurde durch Khameneis Diktatur negativ gestaltet und jetzt ist er endlich weg! Israel und die USA haben dieses verbrecherische Regime stark geschwächt, aber immer noch sind sie an der Macht und ich bin voller Angst, was nun kommen wird“, sagt Parisa, die ihren wahren Namen deshalb nicht sagen möchte.
Einige planen Rückkehr
Die Luftlinie zwischen Graz und der iranischen Hauptstadt Teheran beträgt 3.222 Kilometer. Weit genug entfernt, um nicht selbst in Gefahr zu sein, dennoch: „Ich konnte gestern vor Aufregung kein Auge zumachen. Meine Familie und viele Freundinnen und Freunde leben im Iran. Ich habe meine Mutter gestern erreicht, sie war gerade dabei, aus dem bombardierten Teheran zu flüchten“, sagt die Frau, die 2009 nach Österreich gekommen ist.
Aktuell leben in Österreich knapp 18.500 Iranerinnen und Iraner – 10.000 mehr als noch vor zehn Jahren. 1631 sind es in der Steiermark. Im Augarten erzählen Youseff, Sam aber auch Athana mit Zigarette im Mund, dass sie sofort zurückkehren würden, wenn sich ihr sehnlichster Wunsch erfüllt. Dieser ist: Ein besserer, ein friedlicher Iran.