Die Orgel gilt als Königin der Instrumente – und bildet als solche bei Sonntagsmessen, Begräbnissen oder Hochzeiten den musikalischen Rahmen. An die 600 Orgeln stehen in den steirischen Gotteshäusern. Doch immer weniger können auf der Klaviatur spielen, so Christian Iwan, Orgelreferent der Katholischen Kirche Steiermark. In immer mehr Pfarren gibt es zeitweise Orgelmusik „aus der Konserve“, KI-basierte ist hierzulande noch Zukunftsmusik. Und dabei soll es bleiben, denn: „Das kann nur ein Kompromiss sein, das Spiel ist ja eine Mischung aus Selbst agieren und Reagieren auf die liturgischen Handlungen und die Feiergemeinde. Das kann man nicht wirklich programmieren.”

Von Graz nach Bruck

Vom Lernen hält viele Interessenten die mangelnden Übungsmöglichkeiten außerhalb von Graz ab: Vielfach kann nur in den Kirchen selbst geübt werden und diese sind meist versperrt und im Winter eiskalt. Für den Raum Bruck gibt es nun eine neue Lösung: 25 Jahre lang stand die drei Meter hohe, zwei Meter breite und ein Meter tiefe Orgel in der Kapelle der Grazer Elisabethinen. Nun wurde sie zerlegt, saniert und in der Musikschule Bruck aufgestellt.

Gut für graue Zellen

Schnell erlernbar ist das Spiel an der Orgel nicht – zwei bis drei Jahre dauert es, bevor man einen Gottesdienst musikalisch begleiten könne, schätzt Iwan, der selbst Grazer Domorganist ist. Klavierspielkenntnisse seien von Vorteil, aber keine Bedingung. Eine Altersgrenze fürs Erlernen gibt es allerdings nicht: „Mein ältester Schüler war 80 Jahre alt.“ Eine Studie der Erzdiözese Wien erhebt derzeit übrigens den Einfluss von Orgelspiel auf die geistige Leistungsfähigkeit, man vermutet, dass diese durch das komplexe Zusammenspiel von Händen und Füßen merklich gestärkt wird.

Welche Lieder gespielt werden, hängt vorrangig von der Feiergemeinde ab. Der Orgelreferent: „Jedes Lied hat auch seine Zeit. Das Faszinierende an der Orgel ist ja, dass man mit ihr so ein großes Repertoire abdecken kann, dass sie eine große Klangmaschine ist.“

Vieles geschieht im Ehrenamt

In der Steiermark gibt es nur in den großen Gotteshäusern hauptamtliche Organisten, in den meisten Pfarren spielen sie für ein kleines Honorar oder zur Gänze ehrenamtlich. Der Einsatz an Sonn- und Feiertagen ist Standard, unter der Woche, etwa bei Begräbnissen, müssen viele aufgrund ihrer Berufstätigkeit abwinken. Auch hier könnte der Nachwuchs eine Lücke füllen. Interessierte können sich bei den steirischen Musikschulen bzw. beim diözesanen Referat für Kirchenmusik informieren.

Christian Iwan ist Orgelreferent der Diözese Graz-Seckau und zugleich Organist im Grazer Dom
Christian Iwan ist Orgelreferent der Diözese Graz-Seckau und zugleich Organist im Grazer Dom © KLZ/ Pajman