Die Ferien an den steirischen Universitäten gehen zu Ende, der Semesterstart bedeutet gleichzeitig für Wohnheime in der Steiermark auch: zahlreiche Neueinzüge und Mieterwechsel. Wer in Graz in einem Studierendenwohnheim unterkommen will, muss inzwischen allerdings tief in die Tasche greifen. Durchschnittlich 424 Euro kostet österreichweit ein Zimmer in den Einrichtungen, in denen Studierenden eigentlich günstiger Wohnraum angeboten werden sollte.

In der Steiermark sind es durchschnittlich 373 Euro. Damit liegt die grüne Mark zwar unter dem österreichischen Mittel, dennoch ist die Belastung durch die Inflation für Studierende merklich spürbar. Laut einer aktuellen Statistik des Momentum Instituts sind die Kosten für Wohnheime im Vergleich zu 2015 um mehr als die Hälfte (52 Prozent) gestiegen. Im Vergleich dazu sind die Kosten für private Mieten im Vergleich zu 2015 um 49 Prozent gestiegen.

Seit 2015 sind die Preise für Wohnheime für Studierende um 52 Prozent gestiegen
Seit 2015 sind die Preise für Wohnheime für Studierende um 52 Prozent gestiegen © Momentum Institut

Gestrichene Förderungen, qualitativ schlechterer Wohnraum

Um ganze zehn Prozentpunkte mehr als im allgemeinen Inflationsbereich schlägt sich die Teuerung seit 2015 laut Paul Steinmaßl vom Momentum Institut bei den Mietpreisen nieder. „Besonders betroffen sind kleine Wohnungen, WG-Zimmer und Studierendenwohnheime – also eben gerade der Wohnungsmarkt, der junge Menschen betrifft.“ 2011 wurde die staatliche Studierendenwohnheimförderung gestrichen, ein Mitgrund, warum die Kostensteigerung bei Wohnheimen prägnanter ist als jene bei privaten Mieten.

Portrait einer jungen Frau mit dunklen Haaren und Brille in weißem T-Shirt und schwarzem Rock
Mary Weitzer, Vorsitzende ÖH Uni Graz © ÖH Uni Graz

Umso paradoxer: Während die Kosten für Wohnheimzimmer in die Höhe schnellen, sinkt gleichzeitig die Qualität der Wohnräume. „Die staatlichen Förderungen wurden vielfach in die Sanierung und Instandhaltung der Gebäude investiert. Dieses Geld ist weggefallen, das macht sich im Zustand der Heime bemerkbar“, so Steinmaßl. Im Gegensatz dazu werden neue Studierendenheime gebaut, die fast ausschließlich im Luxusbereich angesiedelt sind. „Studieren wird dadurch zum Luxusgut, meist bezahlen dort die Eltern dann die Wohnkosten, es kommt zu einer sozialen Trennung.“

373 Euro zahlen Studierende durchschnittlich in der Steiermark für ein Wohnheim, österreichweit sind es 424 Euro
373 Euro zahlen Studierende durchschnittlich in der Steiermark für ein Wohnheim, österreichweit sind es 424 Euro © Momentum Institut

Sechs von zehn Studierenden von Armut betroffen

Die prekäre Lage der Studierenden schlägt sich auch bei der ÖH zu Buche. So werden die Sozialsprechstunden, die unter anderem an der ÖH der Karl-Franzens-Universität angeboten werden, nahezu überrannt, wie Vorsitzende Mary Weitzer der Kleinen Zeitung verrät. „Die Leute leben durch steigende Kosten immer häufiger am budgetären Limit“, verrät sie. Sechs von zehn Studierenden seien von Armut betroffen, unterstreicht sie die herausfordernde Situation. Die Zahl der extremen Härtefälle, die der ÖH in den Sprechstunden gegenüber sitzen, ist erschreckend. „Die Intensität der Krisenlagen macht einem zu schaffen“, so Weitzer.

Die Armutsgefährdungsschwelle in Österreich liegt bei 1661 Euro Nettoeinkommen im Monat. Wer Studienbeihilfe bezieht, erhält im Moment 1100 Euro, so Weitzer. „Wie soll sich das mit Wohnkosten ausgehen, wenn manche Wohnheime schon die Hälfte dieses Budgets fressen“, fragt sie sich. Wie eine Studie der Arbeiterkammer Wien und der Österreichischen Hochschülerschaft aus dem Jahr 2024 zeigt, geben junge Menschen, die im Wohnheim leben, 54 Prozent ihres verfügbaren Geldes für das Wohnen aus, bei privater Miete sind es 49 Prozent. „Diese Zahl hat sich in den letzten zwei Jahren sicherlich nicht verbessert.“

Wohnkosten: Geringfügige Jobs reichen nicht mehr aus

Geringfügige Nebenjobs würden deshalb für Studierende inzwischen nicht mehr ausreichen, um sich über Wasser zu halten. Zwei Drittel gehen einer Teilzeitbeschäftigung zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche nach. Besonders betroffen: Drittstaatenangehörige, weiß Weitzer. „Zusätzlich zu den Wohnkosten kommen hier Visakosten, Studiengebühren und erschwerte Bedingungen bei der Arbeitsfindung dazu.“

Statistisch geben Studierende zwar prozentuell mehr Geld für das Leben in einem Wohnheim aus, insgesamt seien sie aber laut Steinmaßl dennoch die günstigere Option für junge Menschen. „Durchschnittlich kosten WG-Zimmer in Graz zwischen 400 und 500 Euro, die Spanne ist bei Wohnheimen viel größer. Grundsätzlich gäbe es schon Zimmer um 250 Euro, diese muss man aber erst einmal bekommen – was für viele das Wohnen in weiterer Folge trotzdem unleistbar macht“, so Steinmaßl.

Mehr Härtefälle: Sozialtöpfe werden ausgeschöpft

Für Härtefälle steht der ÖH der Uni Graz ein Sozialtopf über 60.000 Euro zur Verfügung, finanziert durch ÖH-Beiträge. In den letzten Jahren stockte die Uni selbst um weitere 10.000 Euro auf. Geld, das dringend benötigt wird, wie Weitzer sagt: „Wir werden den Topf auch heuer wieder komplett ausschöpfen müssen.“ Ähnlich sieht es auf der ÖH Joanneum aus. 10.000 Euro liegen dort im Fördertopf, über die Jahre wurde auch dort der Betrag erhöht, wie Julian Groß vom Referat für Bildungspolitische und Studienrechtliche Angelegenheiten erklärt.

Kritik übt Weitzer unterdessen an der Schließung des Wohnheimes des Landes Steiermark in der Grazer Billrothgasse. „Das war eines der letzten wirklich leistbaren Wohnheime – es ist unverständlich, warum man den Sparstift bei vulnerablen Gruppen ansetzt.“ Eine Rückkehr der Studierendenwohnheimförderung könnte das Leben von Studierenden immens erleichtern, ist Weitzer überzeugt. „Und grundsätzlich gibt es seitens der Bundesregierung das Versprechen wiederkehrender Förderungen.“

Steinmaßl befürchtet unterdessen, dass das Studieren bei weiter steigenden Preisen endgültig zum Luxusgut werden könnte. „Das sollte eigentlich nicht der Sinn der Sache sein – Bildung und der dazugehörige Wohnraum sollten für alle zugänglich sein.“