„Jetzt hab‘ ich mehr Zeit für Lisa“, lächelte Manuel Fettner, der nach sage und schreibe 25 Jahren seine Skisprungkarriere beendet hat. „Es war cool und emotional zugleich. Ich habe mich auf den Moment gefreut, denn wenn es mich nicht freuen würde, würde ich noch weiterspringen. Es war eine extrem lässige Zeit, aber auch eine Erleichterung. Es war der spätmöglichste Zeitpunkt, um aufzuhören.“ Der 40-Jährige war allerdings nicht der Einzige, denn auch der dreifache Olympiasieger aus Polen, Kamil Stoch (38), verabschiedete sich nach einer unglaublichen Erfolgskarriere in die Sportlerpension. Und auch in Deutschland sagte einer „Pfiat eich“ – Stefan Horngacher gab das Zepter als Chefcoach ab.

An die vorzeitige Pension denkt Daniel Tschofenig (noch) nicht, wobei der Gesamtweltcupsieger der vergangenen Saison, angesprochen auf den gemeinsamen Olympiazyklus mit Freundin Alex Louttit, meint: „Vier Jahre sind so eine lange Zeit. Wer weiß, ob ich so lange weitermache und wie lange sie springt.“ Sein lockerer Spruch lässt nicht nur seine aktuelle Gelassenheit erahnen. Der 24-Jährige hat in dieser Saison eine Persönlichkeitsentwicklung durchlebt. „Es ist nicht alles glatt verlaufen, aber die Saison war trotzdem gut. Letztes Jahr war die Anspannung enorm, damit kann ich jetzt besser umgehen“, sagt der Kärntner, der sich im Gesamtweltcup mit Rang drei belohnte.

Ab in den Urlaub. Den Gedanken hatte Super-Team-Olympiasieger Stephan Embacher nach seinem letzten Saisonflug verinnerlicht. Dem 20-jährigen Tiroler waren die Strapazen der letzten Wochen ins Gesicht geschrieben, noch dazu kann der Sturz, der wild aussah, nicht ganz spurlos an ihm vorbei gegangen sein. „Mir geht‘s aber gut“, versichert Embacher, den es nach Mexiko zieht.

„Er ist immer für mich da“

Einer hatte allen Grund zu strahlen. Die Rede ist von Jonas Schuster, der heuer sein großes Potenzial aufblitzen ließ. „Wenn man das große Ganze sieht, war es eine Wahnsinnssaison, wobei man bei allem rummeckern kann. Ich glaube, dass ich die Fähigkeiten habe, um an die Weltspitze zu gelangen. Wichtig ist aber, nie die Gaude zu verlieren.“ Trotz aller Euphorie sagt der 22-jährige Drittplatzierte vom Kulm ganz offen, „dass es auch ganz anders laufen hätte können. Wenn Kraftis Baby früher oder später gekommen wäre, hätte ich meinen Einsatz gar nicht bekommen. Aber ich habe die Chance gut genutzt“, erklärt der Sohn von Werner Schuster, der die Unterstützung seines Vaters enorm schätzt. „Ich bin dankbar, dass ich immer zu ihm gehen kann, wenn ich einmal nicht weiter weiß. Er ist immer für mich da, arbeiten muss ich aber für mich selbst.“ Urlaub? „Ist derzeit keiner in Sicht. Es geht für einen Monat in die Polizeischule nach Graz.“

Maximilian Ortner feierte mit Rang zwei in Oslo sein bestes Karriereergebnis und das nach einem Kampf zurück aus dem Kontinentalcup. Und auch die Schanze in Planica „habe ich nach zwei Jahren endlich verstanden. Vielleicht sind ja aller guten Dinge drei.“ Dem 23-Jährigen wurde im Vorfeld kommuniziert, dass die zweite Saison immer die schwierigste sei, „und dafür habe ich es richtig gut gemacht. Letztes Jahr war ich nach Planica völlig leer, heuer bin ich locker, weil ich inzwischen weiß, was auf mich zukommt.“

„Ich gehe wieder auf Attacke, das ist die beste Antwort“

Für ihn ging es diese Saison nicht leicht von der Hand oder, wie es Stefan Kraft, dreifacher Weltmeister, formuliert: „Es war beinharte Arbeit. Ich bin echt froh, dass ich in Planica mit Rang sechs den Kopf aus der Schlinge gezogen habe.“ Dem 32-Jährigen war bewusst, „dass jeder Fehler gleich brutal bestraft wird. Das habe ich heuer öfter erfahren. Und da ich wusste, ich darf mir nichts erlauben, kam dann noch Verkrampftheit dazu. Das ist eine schlechte Kombi.“ Dementsprechend will sich der Salzburger nun wieder angewöhnen, „nicht mehr ins Passive zu verfallen, sondern auf Attacke zu gehen. Das ist die beste Antwort“, sagt der 46-fache Einzelweltcupsieger, der keineswegs ans Aufhören denkt, schließlich fehlen ihm noch sieben Siege auf Rekordhalter Gregor Schlierenzauer. Die Zeit als Familienvater genießt Kraft in vollen Zügen, „und ja, man kann dennoch fleißig trainieren. Meine Tochter ist eine sehr gute Schläferin, aber eines ist schon klar, dass ich mich nach dem Training nicht auf die Couch legen kann, sondern dann ist sie die Nummer eins. Ich freue mich jetzt auf die Zeit mit der Familie und auf einen Urlaub Anfang Mai. Es geht entweder nach Mallorca, Griechenland oder Italien.“

Und was berichtet ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher? „Es war eine Saisonachterbahnfahrt, in der sehr viele gute Sachen dabei waren, aber teilweise auch weniger gute. Wir haben wieder gezeigt, dass wir mithalten können und auch diktieren können. Extrem erfreulich war die Leistung von Lisa Eder, die toll an der Spitze performt hat“, so verdeutlicht es der 48-jährige Steirer. Österreich ist nach wie vor erfolgsverwöhnt „und das ist auch gut so. Das wollen wir so beibehalten und wir sind auch weiterhin auf einem sehr guten Weg.“ Und so jubelten die ÖSV-Adler erneut über den Gewinn des Nationencups.

Die slowenische Party wurde am Sonntag vom Norweger Marius Lindvik, der den souveränen Gesamtweltcup-Triumphator Domen Prevc auf Rang zwei verwies, gecrasht. Der Lokalmatador schnappte sich aber die kleine Kristallkugel und ließ sich von der Menge frenetisch feiern.