Nach der witterungsbedingten Absage des Gröden-Klassikers haben die alpinen Ski-Herren am Freitag eine zusätzliche Abfahrt in Bormio als Weihnachtsgeschenk bekommen. In den bisherigen Weltcup-Abfahrten dieses Winters siegten in Lake Louise der Deutsche Thomas Dreßen und in Beaver Creek der Schweizer Beat Feuz, in Bormio schob sich Dominik Paris mit zweitbester Trainingszeit in die Favoritenrolle.

Nach dem einzigen Training am Donnerstag erfolgt zunächst das eingeschobene Rennen auf verkürzter Strecke. Zweimal will man den Rennläufern die 3.270 m lange Stelvio nicht über die Originaldistanz zumuten. Getestet wurde freilich von ganz oben und Paris hinterließ auf den wie immer anspruchsvollen Verhältnissen einen starken Eindruck. Drei seiner zwölf Karriereerfolge in dieser Disziplin verbuchte er in Bormio, nach 2012 zuletzt 2017 und 2018 in Folge.

Trainingsstärkster Österreicher war überraschend Christopher Neumayer, der mit Startnummer 41 auf Platz sechs fuhr. Beim einzig möglichem Abtasten gut zurecht kamen auch Matthias Mayer als Achter und Hannes Reichelt als Zehnter. Als Fünfter in Louise war Mayer in dieser Saison bereits knapp am Abfahrtspodest dran. In Bormio wartet der Kärntner noch auf eine Abfahrts-Platzierung in den Top drei, im Vorjahr war er Siebenter.

"In Bormio ist es immer wieder sehr anstrengend, man weiß auf einen Schlag, was es heißt, wenn die Oberschenkel gescheit brennen, wenn du in der Abfahrt abschwingst. Es gibt sicherlich noch ein bisserl was zu tun, aber ich bin sehr zuversichtlich", sagte Mayer im Zielraum nach der Trainingsfahrt.

Er erwarte mit den zwei Abfahrten und der Kombination ein schwieriges Wochenende. "Bormio ist eine der schwierigsten Abfahrten im ganzen Jahr. Ich freue mich drauf, werde mich darauf einstellen und mein Bestes geben." Die Verkürzung der ersten Abfahrt "mache nicht die Welt aus". Die Bedingungen sind aufgrund der Lichtverhältnisse zu dieser Jahreszeit schwierig. Die Sonne komme von hinten, man springe in den Schatten rein, schilderte der Doppel-Olympiasieger.

Routinier Reichelt gab zu, rasch aus dem Weihnachtfrieden gerissen worden zu sein. "Spätestens wenn du beim zweiten Tor ankommst, weißt du, dass du in Bormio bist. Es geht zur Sache", sagte der Salzburger, der bereits 39 Jahre ist und 2012 in Bormio ex aequo mit Paris gewann. Es war der 13. Sieg eines Österreicher bei diesem Traditionsrennen, und zugleich der bisher letzte.

"Auf diese Abfahrt muss man sich konzentrieren, sie hat es definitiv wieder in sich. Die Piste ist in einem guten Zustand. Die Hoffnung, dass Bormio mal ruhig wird, habe ich aufgegeben. Das verlangt einem schon einiges ab", weiß Reichelt. Nach seinem Magendarminfekt fühle er sich wieder gut. "Aber hier runter fährt jeder am Limit. Wenn du abschwingst und dir denkst, du hast noch Reserven, hast du was falsch gemacht."

Das Training sei okay gewesen, es gäbe noch Potenzial nach oben. "Die Abfahrten werden sicher zäh, aber es ist definitiv eine der schönsten Abfahrten - wenn man das schön nennen kann. Ein richtiger Klassiker und sehr spektakulär für die Zuschauer daheim."

In Beaver Creek Zweiter hinter Feuz will Vincent Kriechmayr wieder vorne mitmischen. Im Training "versemmelte" er ein paar Passagen. "Das gilt es im Rennen besser zu machen. Wie an jedem Ort, wo wir uns befinden, will ich ums Podium mitfahren. Das ist das Ziel."

Die Piste empfinde er als "leichter" als im Vorjahr, wobei man diesen Ausdruck in Bormio eigentlich überhaupt nicht hernehmen dürfe. "Es ist trotzdem wieder sehr fordernd. Auch vom konditionellen Aspekt her. Aber es ist immer wieder lässig, hier runterzufahren. Ich hoffe, dass ich im Rennen zulegen kann." Abfahrts-Kugelverteidiger Feuz landete mit gebrochenen Mittelhandknochen an siebenter Stelle. Die Bestzeit hatte der Franzose Brice Roger mit Startnummer 40 aufgestellt.

Im Abfahrtsweltcup liegt Feuz mit 160 Zählern vor Kriechmayr (116), Dreßen (112) und Paris (104). Die Führung könnte also am Freitag ebenso gut wechseln wie im Gesamtweltcup. Den voranliegenden norwegischen Technik-Spezialisten Henrik Kristoffersen (379), der keine Abfahrten im Programm hat, können der zweitplatzierte Kriechmayr (312) und der viertgereihte Aleksander Aamodt Kilde (NOR/294/Trainingsvierter) abfangen.

Der Franzose Alexis Pinturault (302) hofft als Weltmeister für die Kombination, am Sonntag fit zu werden. Er hatte sich im Parallel-Riesentorlauf in Alta Badia eine Muskelverletzung im langen Adduktor seines linken Oberschenkels zugezogen. "Ich arbeite hart daran, so schnell wie möglich wieder in Form zu sen", schrieb er am Donnerstag auf Twitter.