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Interview

Moser: "Freude zu teilen, das geht mir ab"

Annemarie Moser über nervende Hymnentexte, alte Laster und die Trauer nach dem Tod ihres Mannes.

© privat
 

G rüß Gott Frau Moser-Pröll und gleich vorweg alles Gute zum bevorstehenden runden Geburtstag. . .

Annemarie Moser: ... Also erstens: Ich bin die Annemarie.

Und zweitens?

Moser: Zweitens heiße ich nicht Moser-Pröll Der Doppelname ist eine Erfindung der Medien. Ich habe bei der Hochzeit den Namen meines Mannes angenommen und heiße seit damals Annemarie Moser.

Und diese Annemarie Moser freut sich jetzt schon auf viele rauschende Geburtstagsfeiern.

Moser: Ganz ehrlich. Ich bin schon froh, wenn wieder alles vorbei ist.

Dabei müssten Sie doch aus Ihrer aktiven Zeit große Menschenansammlungen gewohnt sein?

Moser: Im Gegenteil. Ich habe erst kürzlich wieder Bilder von meinem ersten Weltcup-Empfang gesehen. Unvorstellbar, was da auf mich losgebrochen ist. In Kleinarl war 10.000 Leute. Wenn ich nur den Arm gehoben habe, ist geschrien worden. Das war furchtbar, das war bedrückend.

Damals hat man Ihnen gelegentlich auch Kratzbürstigkeit vorgeworfen.

Moser: Ich war 17, als ich den ersten Gesamt-Weltcup gewonnen habe. Ich komme von einem Bergbauernhof. Ich bin mit dem ganzen Trubel nicht zurechtgekommen. Dass man das als Junger überhaupt aushält. Da braucht man sich nicht wundern wenn man kratzbürstig ist. Aber man weiß plötzlich hinten und vorne nicht mehr, was mit einem los ist.

Haben es die Athletinnen heute noch schwerer?

Moser: Teilweise ja. Seit ich aufgehört habe gibt es schon so viele Moser-Prölls. Kaum hat eine ein gutes Ergebnis, wird sie schon mit mir verglichen. Das ist auch der Grund, warum meine Tochter Marion nicht Ski fährt.

Ist sie nie Rennen gefahren?

Moser: Doch, aber Mama und Papa waren nie mit dabei. Ich wollte das nicht fördern.

Warum wollten Sie sie nicht fördern?

Moser: In erster Linie wegen der Gefahr und außerdem wäre ihr immer ihre Mutter vorgesetzt worden.

Sie sprechen die Gefahr an. Hatten Sie nie Angst.

Moser: Doch. Aber die Angst hat man nie gezeigt, sonst wären die Gegnerinnen stärker geworden.

Apropos Gegnerinnen. Ihre größte sportliche Rivalin Marie Theres Nadig soll einmal folgenden Satz über Sie gesagt haben: "Die Pröll trinkt und raucht, andere Ski-Mädchen leben abstinent und haben trotzdem nicht den Funken einer Chance gegen sie."

MOSER (lacht): Da muss man sich vorstellen, wie gut ich war. Mehr brauche ich nicht zu sagen.

Kommen wir zu einem anderen Laster. Sie galten früher gelinde gesagt als dynamische Autofahrerin?

Moser: Diese Spinnerei ist Gott sei Dank vorbei. Wenn meine Tochter so fahren würde, wie ich gefahren bin, ich würde keine Nacht ruhig schlafen.

Wechseln wir das Thema. Sind Sie ein politischer Mensch?

Moser: Sagen wir so. Politik ist mir nicht wurscht.

Was regt sie auf?

Moser: Es ist etwa unvorstellbar, wie lange Politikern diskutieren, um den Text der Bundeshymne zu ändern. Da gäbe es wirklich wichtigere Dinge.

Haben Sie sich als Frau bei der Textzeile "Heimat bis du großer Söhne" nie benachteiligt gefühlt?

Moser: Überhaupt nicht. Ich singe auch heute noch die alte Version.

War denn das Thema Gleichberechtigung zu Ihrer aktiven Zeit nie ein Thema?

Moser: Selten. Die Alice Schwarzer (Ikone der Frauenbewegung Anm.) hat uns mit Briefen bombardiert. Wir sollten bei allen möglichen Aktionen mitmachen.

Was ist mit den Briefen passiert?

Moser (schmunzelt): Die sind alle im Mistkübel gelandet.

Und deshalb sind Sie nach der sportlichen Karriere gleich hinter dem Herd, respektive in der Backstube ihres Cafes gelandet?

Moser: Das war unser Leben. Ich habe mir sogar einen Konditormeister aus Wien kommen lassen, der mir das Backen beigebracht hat. Mein Mann und ich haben nie arbeiten lassen, wir haben selbst gearbeitet.

Nach dem Tod Ihres Mannes haben Sie das Cafe verkauft.

Moser: Ja, und leider muss immer erst etwas passieren, damit man draufkommt, was Leben ist.

Hatten Sie zu wenig Zeit?

Moser: Man kommt eben erst im Nachhinein drauf, was man alles versäumt hat. Mein Mann wäre immer liebend gerne ans Meer gefahren. Ich bin lieber jagen gegangen. Jetzt denke ich mir oft: Es wäre nicht verkehrt gewesen, wenn wir einmal gefahren wären.

Was fehlt Ihnen am meisten.

Moser: Die Freude zu teilen, das geht mir ab. Sich gemeinsam über etwas zu freuen ist ja viel schöner. Deshalb bin ich meiner Tochter auch sehr dankbar.

Inwiefern?

Moser: Die Marion jagt auch so gerne wie ich. Die hört mir zu wenn ich sie anrufe und ihr ein schönes Jagderlebnis erzähle. Das ist viel wert.

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