Die Jagd nach Gold, Silber und Bronze bei den Ski-Weltmeisterschaften ist vorbei – jene nach Kristall im Ski-Weltcup aber erst so richtig eröffnet. Im norwegischen Kvitfjell weist sich für viele wohl der Weg, den der aktuelle Speed-Winter noch nehmen wird. Mittendrin ist mit Conny Hütter auch eine Österreicherin, die nicht nur in der ersten von zwei Abfahrten am Freitag zu den Favoritinnen zählt, sondern auch die Titelverteidigung der kleinen Kristallkugel in der „Königsdisziplin“ noch nicht abgeschrieben hat.
An den hohen Norden hat die Kumbergerin jedenfalls beste Erinnerungen. „Ich bin hier meine ersten Europacup-Rennen gefahren, auch wenn das schon sehr lange her ist“, scherzt die 32-Jährige. Auch auf höchster Ski-Ebene lief es in Norwegen für Hütter, die im zweiten Training auf Platz zwei fuhr, zumeist nach Wunsch. Im Vorjahr wurde sie im Super-G Zweite, 2023 gelang ihr in dieser Disziplin sogar der Sieg. Das Gefühl dürfte trotz einer herausfordernden WM, bei der die Steirerin als große Favoritin leer ausging, stimmen. Immer wieder betonte sie, dass der „Nuller“ beim Großevent in der Heimat zwar ärgerlich, aber sicher kein „Weltuntergang“ sei. Viel wichtiger sei für sie, dass nach harten Trainingstagen nach und nach das richtige Gefühl zurückkam. „Und jetzt möchte ich einfach an die Form anschließen, die ich im Dezember hatte. Der Jänner war schwierig, der Fokus ist aber neu gesetzt“, sagte Hütter in Norwegen.
Puchner mit neuer Lockerheit
Nach der Hälfte der Abfahrtsrennen liegt die Titelverteidigerin in der Gesamtwertung 81 Punkte hinter der Führenden Federica Brignone. Die Chancen auf Kristall sind also intakt – auch wenn es das steirische Speed-Ass etwas vorsichtiger formulierte. „Ich will jetzt in der zweiten Hälfte der Saison richtig andrücken, das ist mein Ziel. Ich habe noch acht Chancen, Vollgas zu geben.“ Denn neben den vier ausstehenden Abfahrten warten auch noch genauso viele Super-G-Bewerbe auf die Speed-Frauen. Am Sonntag steht auch ein Rennen in Kvitfjell auf dem Programm.
Neben Hütter rechnen sich im hohen Norden auch die weiteren ÖSV-Asse beste Chancen aus. Stephanie Venier reiste als amtierende Weltmeisterin an und kann befreit ins Wochenende gehen, wenngleich die Tirolerin das Abschlusstraining mit Angina-Symptomen auslassen musste. In Topform ist hingegen Mirjam Puchner, die nach einer schwierigen Saison ohne Stockerlplätze just bei der WM wieder auf den Geschmack kam. Mit Silber in der Abfahrt „daheim“ in Salzburg erfüllte sie sich einen Lebenstraum, die restliche Saison bestreitet die 32-Jährige mit einer wiedergefundenen Lockerheit. „Vor der WM habe ich viel zu viel verkopft und nachgedacht. Dann habe ich die Herangehensweise geändert und es hat funktioniert. So will ich es weiterhin machen.“