Die schrecklichen Bilder aus der Ukraine gehen seit knapp zwei Monaten um die Welt. Der Krieg in Europa lässt kaum jemanden unberührt, die Hilfsbereitschaft ist auch in Österreich groß. Rund eine Woche nach Beginn des russischen Angriffes auf die Ukraine hat Gottfried Rath-Zobernig, Sportdirektor des österreichischen Volleyballverbandes (ÖVV), zum Handy gegriffen und Vertreter des ukrainischen Volleyballverbandes angerufen. "Ich wollte wissen, ob wir irgendwie helfen können." Und Hilfe war erwünscht. "Sie haben einige Nachwuchsnationalteams ins Ausland geschickt, damit sie in Sicherheit sind. Wir haben die U21-Frauennationalmannschaft der Ukraine aufgenommen", sagt Rath-Zobernig. Mit einem Reisebus machte sich der Steirer gemeinsam mit zwei Busfahrern auf die zehnstündige Fahrt ins polnische Przemysl an die ukrainische Grenze. "Die Ukrainerinnen sind erst mit dem Zug von Kiew nach Lemberg gefahren und von dort dann zur Grenze. Es hat vier Stunden gedauert, bis sie zu Fuß über die Grenze gekommen sind. Wir waren währenddessen immer mit ihnen in Verbindung und haben über ihren Standort Bescheid gewusst."

Den Menschen, die "mit ihren letzten Plastiksackerln" über die Grenze kommen, "sieht man im Gesicht an, warum sie flüchten". Auf der Fahrt von Polen ins Landessportzentrum Steinbrunn im Burgenland, wo die Ukrainerinnen derzeit trainieren und wohnen, "haben wir ein bisserl versucht, die Stimmung aufzulockern." Insgesamt 18 Personen umfasst das ukrainische Team, das in Österreich Schutz sucht. Englisch kann aber nur eine Spielerin. Nach der Ankunft in Steinbrunn zeigte Rath-Zobernig dieser Spielerin sowie der Teamchefin die Unterkunft und wie sie am nächsten Tag zum Frühstück kommen. "Eine der ersten Fragen war, ob das Gelände hier gesichert ist und ob sie sich frei bewegen können. Das ist für uns so logisch, daran habe ich gar nicht gedacht." Eine andere Spielerin sprach davon, dass "die Russen in unsere Stadt gekommen sind und uns alles wegnehmen".

Zumindest bis Mitte Mai bleiben die Ukrainerinnen in Steinbrunn und bereiten sich auf die U21-EM-Qualifikation vor. Auch Ausflüge nach Wien oder an den Neusiedlersee hat es schon gegeben bzw. stehen noch auf dem Programm, um auch wieder ein wenig Lebensfreude zu spüren. Zwar sind die Spielerinnen mit ihren Familien und Freunden in der Ukraine regelmäßig via WhatsApp in Kontakt, aber die Trainerin versucht, "das Thema ein bisschen von ihnen wegzuschieben". Aus dem Sport wolle sie Kraft schöpfen. Rath-Zobernig: "Auch, wenn es das oft heißt: Sport ist nicht unpolitisch. Es ist, finde ich, ein positives Symbol, wenn ukrainische Sportler und Sportlerinnen an Wettkämpfen teilnehmen."

Auch Österreichs U21-Frauenteam will im Juli bei der EM-Endrunde in Italien dabei sein. Rath-Zobernig hofft dort auf ein Wiedersehen mit den Ukrainerinnen. "Das würde bedeuten, dass sowohl sie als auch wir bei der EM sind. Und vor allem würde es bedeuten, dass sie in Sicherheit sind."