Ein echter Krimi bahnt sich bei der zukünftigen Austragung der Austrian Volley League bei den Männern an. Während acht Teams (Aich/Dob, Sokol/Post, Waldviertel, Ried, Weiz, Klagenfurt, Amstetten) den Verein „Volleyball-Bundesliga“ gründeten, der ab kommender Saison die Austragung der höchsten Spielklasse bei den Männern vom Verband übernehmen will, kommt Widerstand aus der Steiermark.

Denn wer richtig zählen kann, merkt schnell, dass dahinter nicht alle Vertreter der derzeitigen Bundesliga stehen. Mit dem UVC Graz und Hartberg fehlt ein Duo – aus ziemlich ähnlichen Gründen. „Wir sind grundsätzlich mit der Arbeit zufrieden, die der ÖVV leistet. Außerdem geht so eine große Veränderung nicht von heute auf morgen, eine Schnellschussaktion unterstützen wir in Hartberg nicht“, erklärt TSV-Geschäftsführer Markus Gaugl und findet somit ähnliche Worte wie UVC-Manager Frederick Laure. „Es gibt viele Unklarheiten und wir sind zufrieden mit dem Verband. In Graz entscheidet über so etwas aber ohnehin der Vorstand, deshalb hat diese am Ende auch nichts mit meiner Funktion beim ÖVV zu tun“, stellt der Verbands-Vize klar.

Die Bestrebungen des neuen Vereins finden aber prinzipiell Gehör beim steirischen Duo. Mehr Professionalität, bessere Vermarktung und ein Erstarken der Liga. Nur bei der Frage, ob dies unabhängig vom Verband geschehen soll, ist man sich noch nicht sicher. „Wenn die Ligaführung dann bei Funktionären der einzelnen Vereine liegt, könnte das schon zum Problem werden“, mahnt Laure. Auch Gaugl steht dem Konzept noch skeptisch gegenüber. „Die Durchführung einer Liga ist alles andere als einfach, dafür braucht es sehr viel Arbeit. Solange wir davon nicht zu 100 Prozent überzeugt sind, werden wir uns dem neuen Verein auch nicht anschließen.“

Anders sieht die Situation beim VBC Weiz aus. Die Oststeirer gehören der „Volleyball-Bundesliga“ an. „Bei uns ist das im Fußball und Eishockey schon lange normal, dass sich Liga und Vereine selbst vermarkten und daraus auch etwas lukrieren. Außerdem haben wir das Gefühl, dass sich der ÖVV oft mehr um das Thema Beachvolleyball kümmert als um die Halle“, erklärt der Weizer Vizepräsident Fritz Weidl.

Während Aich/Dob-Manager Martin Micheu auf die Tube drücken möchte und ein „Hinauszögern“ des Verbands ortet, zeigt sich Weidl weitaus zurückhaltender. „Für mich persönlich ist das auch ein bisschen überhastet, eine komplette Unabhängigkeit für 2022/23 wird schwierig, da es ein großer bürokratischer und rechtlicher Aufwand ist“, sagt er und sieht es wie ÖVV-Geschäftsführer Philipp Seel, der die Etablierung einer eigenständigen Profiliga als einen „Prozess über mehrere Jahre“ beschreibt. Grundsätzlich wird aber von allen Seiten mehrfach und nachdrücklich betont, dass es ein gutes Miteinander gebe und „keinen Krieg“, wie Micheu erklärt. Für den österreichischen Volleyball bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt und schnellstmöglich eine gemeinsame Lösung gefunden wird. Notfalls im fünften und entscheidenden Satz.