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Judoka Lupo Paischer "Tokio werden Spiele zum Genießen!"

Judoka Lupo Paischer lebt seit drei Jahren in Japan. Was er über Land und Leute sagt und welche Tipps er Reisenden für Japan geben kann.

EX-JUDOKAeMPFER LUDWIG PAISCHER IN TOKIO
Ludwig „Lupo“ Paischer mit Freundin Noriko © APA/BIRGIT EGARTER
 

In einem Jahr beginnen in Tokio die Olympischen Spiele, derzeit laufen erste Testevents, wie die Judo-WM im „Schrein“ des Judosports, dem Nippon Budokan. Auf den Rängen sitzt auch Ludwig „Lupo“ Paischer. Der Salzburger (37), bei vier Olympischen Spielen (2008 Silber) dabei, lebt seit drei Jahren in Tokio, arbeitet im Sportmanagement.

Wie hat es sich ergeben, dass Sie in Japan arbeiten?

LUPO PAISCHER: Jeder Sportler fragt sich, wenn die Karriere dem Ende zugeht, was er danach macht. Es ist nicht leicht, der Schritt sollte wohlüberlegt sein. Die Möglichkeit, hier zu arbeiten, hat sich nach Rio ergeben. Und es macht mir Spaß.

Was sind Ihre Aufgaben?

Mit Athleten arbeiten, vor und bei den Veranstaltungen. Und dank Olympia 2020 gibt es da derzeit viele: Kletter-WM, Judo-WM, Segel-Weltcup. Ich bin mit vielen Sportlern in Kontakt, das macht es wirklich cool.

Wenn Sie jetzt bei der Judo-WM sind, steigt der Puls da?

Er ist sogar höher als zu der Zeit, als ich selbst gekämpft habe. Da hatte ich es unter Kontrolle, jetzt bist du nur Beifahrer. Wenn ich in der Halle meine Hände anschaue, muss ich sagen. Ich schwitze jetzt mehr.

War das Ende der Karriere, das Loslassen, einfach?

Ja. Ich habe ja schon ein Jahr vorher gewusst, dass Rio mein letzter Wettkampf wird.

Der Misserfolg am Ende, das Aus in Runde eins – nagt nicht?

Gegenfrage: Was ist Misserfolg? Man lernt aus Niederlagen viel mehr, auch wenn man als Sportler natürlich auf den Erfolg fixiert ist. Aber die Mischung aus Erfolg und Misserfolg macht dich zu dem Menschen, der du bist. Sportler, die nur gewinnen und dann aufhören, haben es auch nicht einfach. Weil irgendwann kommt Misserfolg. Immer. Ich hätte gerne Gold gewonnen, klar. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

Gehen Sie noch zum Judo-Training, so zum Spaß?

In Österreich würde ich öfter gehen. Hier in Japan ist das Niveau so hoch, da kannst du das nicht zum Spaß machen. Einige kennen mich doch, die wollen sich dann beweisen. Dazu kommt: Ich hab ja nur am Wochenende Zeit, müsste um sechs Uhr aufstehen, um zum Training zu kommen. Das habe ich 20 Jahre lang gemacht, das reizt mich im Moment nicht so.

Was hat sich für Sie geändert?

Ich bin in einer anderen Position, sehe meine Rolle darin, die Sportler zu unterstützen. Man ist selbst nicht mehr das Wichtigste. Was sich nicht geändert hat, ist, sich Maßstäbe und Ziele zu setzen und sie zu erreichen.

Was dürfen wir uns von Olympia 2020 erwarten?

Japaner sind sehr enthusiastisch, stehen hinter den eigenen Leuten. Aber sie respektieren Leistung. Wenn einer im Judo einen schönen Ippon schafft, applaudiert die ganze Halle, egal ob Japaner oder nicht.

Was schätzen Sie an Japan?

Ich schätze die Höflichkeit. Und ich kenne keine Großstadt der Welt, die so sicher ist wie Tokio. Es ist absolut sauber. Und es gibt hier noch Respekt.

Die Japaner gelten als akribische Planer. Sind Sie ein strukturierter Mensch?

Ich war im Sport sehr geordnet. Aber in der Freizeit nie, da war ich spontan. Hier musst du dich anpassen. Wenn du jemanden treffen willst, musst du alles zwei Wochen vorher ausmachen. Sonst bekommst du etwa keinen Tennisplatz, keinen Tisch.

Wie gut ist Ihr Japanisch?

Ich kann die zwei Lautschriften lesen, ich kann Essen bestellen, einkaufen, Small Talk auf der Straße führen. Ernsthafte und tiefgründige Gespräche gehen aber noch nicht.

Ist Lupo Paischer als Judoka in Japan bekannter als bei uns?

Ich bin nicht der, der jedem sofort erzählt, was er gemacht hat. Wenn du Olympia-Sportler warst, hast du einen irrsinnigen Stellenwert. Aber Paischer, der Judokämpfer, ist hier nicht bekannt. Ich habe aber durch Judo viele Leute kennengelernt.

Wie lebt es sich als Ausländer in Japan?

Wichtig ist schon, dass hier ich der Ausländer bin. Das heißt: Ich muss die Sprache lernen, die Regeln befolgen, mich anpassen. Und wenn man gewisse Regeln der japanischen Benimmschule kennt, ist es leichter. Ich fühle mich wohl, hab ja auch meine Freundin Noriko.

Zum Beispiel?

In Japan ist die Sitzordnung enorm wichtig. Der Chef, der Höchste im Raum, sitzt am weitesten von der Tür weg. Wenn man also im Gespräch dem Gegenüber den richtigen Platz anbietet, zeigst du, dass du das System verstehst. Das ist gleich ein anderes Niveau.

Wie leicht/schwer tut man sich beim Autofahren?

Ich fahre in Tokio nur öffentlich. So bist du schneller. Ich fliege auch fast nie, sondern fahre meist mit dem Schnellzug Shinkansen.

Was ist der beste Tipp für Österreicher, die nach Japan kommen?

Das Wichtigste für mich: Es ist sehr sauber, da sollte man sich anpassen. Nichts achtlos wegwerfen, den Müll immer mitnehmen. Es kann sein, dass einem der Mist nachgetragen wird, weil der Japaner glaubt, man hat ihn verloren. Oder in der U-Bahn: immer anstellen, nie drängen. Mit dieser Ordnung geht es auch schneller als mit dem Chaos bei uns. Man sollte die Regeln befolgen, dem Japaner freundlich gegenübertreten. Denn wenn man fragt, bekommt man alles von den Japanern. Wenn du nach dem Weg fragst, kann es leicht sein, dass dich jemand an der Hand nimmt und dort hinführt.

Und was werden wir 2020 für Spiele erleben?

Es werden Spiele zum Genießen. In Rio de Janeiro etwa war man ja nervös wegen der hohen Kriminalität, da gab es viele Dinge. Japan ist perfekt für jeden Olympia-Touristen. Man muss sich hier keine Sorgen machen.

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