Als Geheimfavorit wurde er gehandelt, die deutliche Nummer zwei hinter Marc Marquez sagten andere. Nur vom Titelanwärter sprach bei Marco Bezzecchi vor dem Saisonstart der MotoGP kaum jemand. Zu übermächtig schien das Paket aus dem spanischen Titelverteidiger und der Ducati zu sein, um tatsächlich Ansprüche auf den Motorrad-Thron zu stellen. Nach den ersten Runden im Training von Buriram war der Italiener auf seiner Aprilia aber in aller Munde. Sogar Weltmeister Marquez musste eingestehen: „Bezzecchi ist allen anderen hier einen Schritt voraus.“ Der siebenfache Champion fügte etwas selbstkritisch an. „Wir selbst haben noch viel Arbeit vor uns.“
Wie weit voraus „The Bezz“ der Konkurrenz ist, zeigte er mit einem neuen Rundenrekord auf der thailändischen Strecke. In 1:28,526 Minuten war er am Trainingsfreitag der Schnellste und qualifizierte sich somit wie Aprilia-Teamkollege Jorge Martin direkt und mit einer spielerischen Leichtigkeit für Q2. In diesem steht nach einem wetterbedingt schwierigen Zeittraining auch das KTM-Duo Pedro Acosta und Brad Binder, was so früh in der Saison durchaus als Erfolg für das österreichische Team gesehen werden kann. Ob man im heutigen Qualifying und Sprint (4.50 Uhr bzw. 9 Uhr) mit Bezzecchi mithalten kann, ist aber eine ganz andere Frage.
Bescheidenheit bei Bezzecchi
Der Italiener selbst ließ bereits in der vergangenen Saison sein Talent aufblitzen und gewann drei Grand-Prix-Rennen. In Abwesenheit des damals verletzten Marc Marquez holte er zum Saisonabschluss zwei Siege hintereinander und stellte seine Ambitionen damit einmal mehr unter Beweis. Nach Jahren im VR46-Rennstall von Legende Valentino Rossi wechselte der 27-Jährige zur Saison 2025 zum Aprilia-Werksteam.
Ursprünglich als klare Nummer zwei hinter Star-Neuzugang Jorge Martin geholt, entwickelte sich Bezzecchi schnell zum eigentlichen Anführer des Teams. Vor der Saison wollte er sich noch nicht zu etwaigen Titelambitionen äußern. Sein großes Ziel? „Die erste Hälfte des vergangenen Jahres war ein bisschen zu sehr ein Auf und Ab. Mein Ziel ist also, von Anfang an konstanter zu sein. Hoffentlich kann ich natürlich um gute Rennen und gute Ergebnisse kämpfen.“
Bisher scheint dieses Ziel in greifbarer Nähe zu sein. Noch vor dem Saisonstart meinte Bezzecchi: „Es ist überhaupt keine Frage – Marc ist der klare Favorit. Er war letztes Jahr so dominant, hat die Weltmeisterschaft und etliche Rennen vor dem Finale gewonnen, der Weltmeister ist der Favorit.“ Auch nach dem Rundenrekord am Trainingsfreitag änderte sich wenig an dieser Sichtweise. „Marc ist super stark und immer im richtigen Moment da, wenn er gebraucht wird. Im Rennen und im Sprint wird er wieder voll da sein. Wir können uns also nicht zurücklehnen, noch ist nichts geschafft.“