Der portugiesische Fußballverband FPF sandte jüngst eine besorgte Nachricht nach Mexiko-Stadt. Darin äußerten die Funktionäre ihre Bedenken angesichts der Sicherheitslage in Mexiko und stellten die Teilnahme Portugals am geplanten Freundschaftsspiel Ende März zur Einweihung des renovierten Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt infrage. „Die jüngsten Entwicklungen erforderten eine fortlaufende Bewertung der Reisebedingungen für die FPF-Delegation“, hieß es in dem Schreiben verklausuliert. 

Chaos vor der Eröffnung

Aber vier Monate vor dem geplanten Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni in Mexiko-Stadt sind nicht nur die Portugiesen verunsichert, auch die FIFA ist besorgt, auch wenn Präsident Gianni Infantino „volles Vertrauen“ in Mexiko hat, wie er am Dienstag erklärte. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hofft auf ein Ende der „kriegsähnlichen Situation“ und die Verbände der Länder, die ihre Interkontinental-Play-offs Ende März in Guadalajara und Monterrey austragen sollen, melden Bedenken an. Derzeit verhandelt die mexikanische Regierung mit den Verbänden von Bolivien, Surinam, Jamaika, Neukaledonien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Irak. Dabei stünden auch alternative Austragungsorte zur Debatte, heißt es in mexikanischen Medien. Eine Absage der zwischen dem 27. März und 1. April geplanten Ausscheidungsspiele wäre für Mexiko ein Desaster und das mögliche Ende der Rolle als Co-Gastgeber. 

Mexikos Armee kämpft im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft mit Drogenkartellen
Mexikos Armee kämpft im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft mit Drogenkartellen © AFP

Dementsprechend versucht Präsidentin Claudia Sheinbaum alle Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Auf ihren morgendlichen Pressekonferenzen diese Woche ging es fast immer nur um die Themen Gewalt, Kartelle und Fußball-WM. „Es besteht kein Risiko“, betonte sie am Dienstag und versicherte, dass alle Voraussetzungen für einen reibungslosen und sicheren Ablauf des Turniers für die Besucher gegeben seien. Insgesamt sollen 13 WM-Begegnungen in Mexiko ausgetragen werden, darunter das Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber und Südafrika in Mexiko-Stadt. Es gebe „alle Garantien“ dafür, dass die Weltmeisterschaft stattfinden werde, behauptete Sheinbaum und betonte, dass die Regierung die Lage unter Kontrolle habe. 

Aber gerade daran bestehen ernsthafte Zweifel. Die mexikanischen Großkartelle verfügen nahezu über armeeähnliche Mitgliederstärken, haben Waffen wie aus einem Kriegsarsenal und sie sind bis tief ins Land und in die Bevölkerung vernetzt. Ihre langen Arme reichen in jeden Winkel und bis vor jedes Stadiontor der Republik. Das gilt gerade für das „Kartell Jalisco Nueva Generación“ (CJNG), das aus dem Bundesstaat Jalisco stammt, dessen Hauptstadt die Sechs-Millionen-Metropole Guadalajara ist.  

Kartelle haben das Sagen

Sicher ist daher nur: Ob es vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft ruhig bleibt, entscheiden die Kartelle – und nicht die Regierung. Wie die Syndikate in Windeseile das Land in Panik versetzen können, dafür war der vergangene Sonntag ein furchterregendes Beispiel. Insgesamt 72 Tote, brennende Busse, Autos und Supermärkte, 252 Straßenblockaden in 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten und hochgerüstete Pistoleros der Kartelle auf den Straßen. Die Folge waren geschlossene Flughäfen, abgesagter Präsenzunterricht in den Schulen, geschlossene Banken und Behörden.   

Großes Sicherheitsaufgebot bei der WM

Dementsprechend haben die Regierung und Sicherheitskräfte für das Turnier ein Konzept aufgelegt, als gelte es den Papst oder wichtige Präsidenten zu schützen. 50.000 Polizisten und Nationalgardisten werden in den Austragungsorten und vor den Spielstätten eingesetzt. Gepanzerte Fahrzeuge patrouillieren, Pick-Ups mit einem halben Dutzend schwerbewaffneten Sicherheitskräften fahren regelmäßig durch die Straßen.

Die Mannschaften werden vom Militär zu den Spielstätten eskortiert. Das globale Fußballfest gleicht zumindest in Mexiko dann einer Veranstaltung unter Bürgerkriegsbedingungen.

Einen Vorgeschmack darauf gibt es schon heute, wenn das lange gefährdete Freundschaftsspiel zwischen Island und Mexiko in Querétaro im Zentrum des Landes doch stattfinden soll. Vor dem Stadion werden den Angaben zufolge sechs Sicherheitsringe eingerichtet, zudem sollen die städtische Polizei sowie die Bundespolizei die Austragung des Spiels sicherstellen.