Am 31. Jänner war Rapid an einem Tiefpunkt angelangt. Nach der 0:3-Niederlage im Cup gegen Ried beim Debüt von Trainer Johannes Hoff Thorup waren die Wiener zehn Pflichtspiele in Serie sieglos, noch dazu schien die einzig verbleibende Titelchance verspielt. Zwei Wochen später war nach der 0:2-Niederlage im Derby gegen die Austria das zwölfte Sieglos-Spiel in Serie erreicht, Rapid drohte die Meistergruppe zu verpassen, noch dazu sorgten Fanausschreitungen für weitere Negativschlagzeilen rund um den Klub. „Ich hätte es gerne gesehen, dass wir viel mutiger auftreten mit dem Ball. Ich hätte es gerne gesehen, dass wir viel aggressiver und nach vorne gerichtet sind“, sagte Thorup danach, formulierte aber auch ein Ziel: „Hoffentlich sind wir im April und Mai besser.“
Was seither folgte, war eine Kehrtwende, die Rapid wohl von den wenigsten Beobachtern zugetraut wurde. Aus den folgenden fünf Spielen holten die Hütteldorfer vier Siege und ein Unentschieden, die Hoffnung, im April besser zu sein, wurde bereits im März erfüllt. Der Schlüssel darin liegt einerseits in der taktischen Anpassung Thorups. Das angestrebte 4-3-3 mit viel Ballbesitz wurde in ein pragmatischeres 3-4-3 umgewandelt, um die Defensive zu stabilisieren. „Wir müssen weiter dranbleiben. Wir haben versucht, das Spiel simpler anzulegen und uns mehr auf Konter zu fokussieren. Das ist nicht mein bevorzugter Weg, zu gewinnen“, sagte der Däne etwa nach dem Sieg gegen den WAC im Februar.
Doch nach und nach wurde auch die spielerische Komponente wieder stärker in den Vordergrund gerückt, vor allem bei den vergangenen beiden Siegen gegen Salzburg (1:0) und den LASK (4:2) sah man wieder einiges von Thorups Ursprungsidee. Dazu kommt, dass einige Leistungsträger wieder zurück zur Normalform gefunden haben. Tormann Niklas Hedl stabilisierte sich nach einem schwachen Herbst ebenso wie Abwehrchef Nenad Cvetkovic. Auch Spieler wie Bendeguz Bolla und Matthias Seidl sind im Vergleich zum Herbst kaum wiederzuerkennen. Vor dem Duell gegen Sturm am Sonntag (17 Uhr) liegen die Wiener nur einen Punkt hinter dem Spitzenreiter, bei einem Sieg würde die Tabellenführung herausschauen. Das bisher letzte Mal, dass die Wiener im April den Platz an der Sonne innehatten, war übrigens in der Meistersaison 2007/08.
„Dieser Klub muss die Erwartungen haben, um die Meisterschaft mitzuspielen. Man weiß zwar nie, aber Rapid ist in der Lage, Meister zu werden. Doch wir tun gut daran, Schritt für Schritt zu arbeiten“, sagte Thorup, wenngleich er anmerkte: „Die Rechenspiele und Träumereien sind etwas für die Medien und Fans, wir dürfen nicht einen Prozent nachlassen.“ Dass das Gebilde aber weiterhin sehr fragil ist, zeigt die Situation vor dem Elfmeter zum 3:1 gegen den LASK, als Janis Antiste mit dem etatmäßigen Schützen Bolla stritt, da er den Strafstoß schießen wollte. Im Endeffekt wurde der Stürmer ausgewechselt, wie sich die Situation in der Mannschaft auswirkt, bleibt abzuwarten. Gegen Sturm muss Thorup außerdem das erfolgreiche Team umstellen, Linksverteidiger Jannes Horn fehlt gelbgesperrt. Dafür könnte Petter Nosa Dahl nach seinen zahlreichen Verletzungen wieder eine größere Rolle spielen.