Was erwarten Sie sich von Ihrem Unternehmensstandort? Was macht ihn für Sie optimal?
Karl Pucher: Wir stellen Wellpappe für Verpackungen her – und diese kann man nur im Umkreis von rund 300 Kilometern kostenmäßig sinnvoll transportieren. Folglich brauchen wir von Rondo ein Umfeld, in dem andere Unternehmen angesiedelt sind, die unsere Produkte benötigen. Alle Standorte unseres Konzerns entwickeln sich mit ihrer Umgebung weiter – wir erzeugen das, was unsere Nachbarn brauchen. Das ist ein gegenseitiges Befruchten.
Franz Seidl: Wir von der Alwera AG sind einer der Partner von Rondo – und sehr froh, dass wir mit ihr und anderen Firmen im Wirtschaftsraum mit kurzen Kommunikations- und Transportwegen zusammen- arbeiten können. Da bilden sich sehr viele Synergien, die uns allen zugute kommen.
Wolfgang Sembacher: Das Business von TRIOTRONIK ist nicht so stark vom Standort abhängig. Wir fühlen uns im Wirtschaftsraum Weiz – St.Ruprecht gut aufgehoben. Aber ich erinnere mich, als wir 1995 hier gestartet sind, mussten wir feststellen, dass die Netzwerkinfrastruktur noch in den Kinderschuhen steckte – da gab es einiges an Aufbauarbeit zu leisten.
Christian Knill: Wir sind mehr als 300 Jahre an unserem Standort, da steckt bei uns sehr viel Tradition drinnen. Für uns ist das Allerwichtigste, dass wir am Standort gute Fachkräfte bekommen. Wir beschäftigen sehr viele Menschen aus der Region, aber wir haben auch viele Mitarbeiter, die von weiter weg kommen – und da kommt die Region als attraktiver Lebensraum ins Spiel. Denn es wäre schön, wenn mancher von den Auswärtigen, hier auch seinen Lebensmittelpunkt einrichten würde.
Wir haben jetzt vier Unternehmer gehört – und vier Prioritäten punkto Unternehmensstandort. Was tun Sie von der Geschäftsführung des Wirtschaftsraums Weiz/St. Ruprecht, um ihn interessant für alle zu machen?
Roman Neubauer: Grundsätzlich muss man sagen, dass die Region hier wirtschaftlich sehr erfolgreich ist. Um das am Beispiel Weiz zu dokumentieren: Auf 11.500 Einwohner kommen rund 11.000 Arbeitskräfte. Das ist für mich beeindruckend. Aber wir dürfen uns nicht auf den heutigen Erfolgszahlen ausruhen, wir müssen uns stetig weiterentwickeln. Die Zusammenarbeit in einem Wirtschaftsraum basiert immer auf gegenseitigem Vertrauen – zwischen den Unternehmen selbst, aber auch zu uns als Schnittstelle, um den gesamten Wirtschaftsraum noch attraktiver zu machen. Wir sehen uns als Netzwerker, als Entwickler von Förderprojekten, als Ideengeber und als Beschleuniger.
Fühlen Sie sich in Ihrer Arbeit gut unterstützt? Sprich: Fühlen Sie sich hier wohl?
Christian Knill: Ja, es wurde in den letzten Jahren viel für uns getan – aber ein wenig mehr geht immer. Zum Glück haben wir hier mit den vielen Schulen ein gutes Nachwuchspotenzial an gut ausgebildeten und motivierten Menschen.
Wolfgang Sembacher: Das Thema Nachwuchs und Ausbildung muss in der Region weiter massiv gepusht werden. Wir würden gerne expandieren, aber da klemmt es punkto Fachkräften in unserer Branche. Was ich mir deshalb wünschen würde: eine bessere öffentliche Anbindung der Region an den Großraum Graz.
Karl Pucher: Unser Standort ist in den letzten Jahren – u. a. baulich – stark gewachsen, verbunden mit vielen Behördenwegen. Da kann ich im Vergleich zu unseren anderen Standorten bestätigen, dass hier alles sehr vorbildlich, rasch und professionell abläuft. Bei den Nachwuchskräften setzen wir ganz bewusst auf die eigene Lehrlingsausbildung.
Roman Neubauer: Die Generierung von Nachwuchs-Fachkräften für die Region ist für uns ein ganz zentrales Thema. Unser Zugang dazu ist, dass wir die Schüler gezielt zu unseren Unternehmen bringen.
Was kann der Wirtschaftsraum Weiz/ St. Ruprecht besonders gut?
Roman Neubauer: Motivation und die maßgeblichen Dinge in Bewegung zu bringen. Mit unserem Engagement und unserem Bekenntnis dazu, dass wir in Manpower und Infrastruktur investieren müssen, hoffen wir, uns einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Und wir denken und machen vieles einfach einmal neu und anders.
Ein Wirtschaftsraum ist auch ein Lebensraum für die dort arbeitenden Menschen. Wie ist die Lebensqualität in der Region?
Christian Knill: Was aus meiner Sicht ein wenig problematisch ist: Wohnräume! Die Region um Weiz kann ja nur in südliche und östliche Richtung wachsen. Was ich an ihr – besonders im Herbst und Winter – sehr schätze: Hier gibt es selten Nebel, gute Luft und die Nähe zu den Bergen. Kulinarisch hapert's noch ein wenig ...
Karl Pucher: Dann müssen Sie zu uns nach St. Ruprecht kommen! Da sind Sie auch kulinarisch bestens bedient.
Christian Knill: Stimmt!
Franz Seidl: Die Lebensqualität ist gut, aber ich stimme Herrn Knill zu: Der Boden wird bei uns zu wenig. Wir brauchen mehr Platz zum Bauen und Wohnen. Und aus meiner Sicht muss darauf geachtet werden, dass neue Wohngegenden im harmonischen Einklang zum Orts- und Landschaftsbild stehen.
Haben Sie einen großen Wunsch an Ihren Wirtschaftsraum?
Franz Seidl: Aktuell bräuchte ich dringend einen Baugrund.
Karl Pucher: Dass die behördlichen Prozesse weiter so gut funktionieren. Dass wir weiterhin bauen und expandieren können. Christian Knill: Also die Ortsumfahrung wäre schon ein sehr dringendes Thema. Grundsätzlich sollte man auch in die bessere Erreichbarkeit von Weiz investieren, sowohl via Bahn als auch Straße.
Wolfgang Sembacher: Ich wünsche mir, dass man in Weiz Chinesisch bzw. Mandarin lernen könnte, denn unsere Handelskontakte dahin werden weiter zunehmen. Wenn man die Sprache beherrscht, tut man sich viel leichter dabei. Da würden wir sogar mitzahlen.
Wie sehen Sie den Wirtschaftsraum Weiz/St. Ruprecht in zehn Jahren?
Franz Seidl: Die wirtschaftliche Entwicklung wird sehr positiv sein, aber verkehrstechnisch könnte es zu einem Kollaps kommen, wenn man nichts macht. Rein vom Unternehmen her, werden wir aufgrund mangelnder Anbauflächen auch in anderen Gegenden aktiv sein müssen.
Wolfgang Sembacher: Es wird sich mit den kommenden Technologien – ich sage nur autonomes Fahren oder 5G – sehr viel verändern. Aber ich wage heute nicht zu sagen, wie es sein wird. Unser Unternehmen sehe ich auch hier, denn wir sind hier wirklich sehr gerne.
Karl Pucher: Unsere Nachbarn werden wachsen – und wir werden mit ihnen mit- wachsen. Ich bin sehr, sehr optimistisch.
Christian Knill: Ich sehe Weiz als einen führenden Bildungshotspot – und wir werden so viele gute Absolventen herausbringen, dass nicht nur wir davon profitieren, sondern auch andere Regionen. Und ich hoffe, dass wir uns eine Nische geschaffen haben, in der wir unschlagbar sind – eine Art Weiz/St. Ruprecht-Valley.
Roman Neubauer: Das Ziel Bildungsmittelpunkt, das möchten wir auf jeden Fall erreicht haben. Wir wollen Weiz zu einer richtigen Smart-City ausgebaut sehen. Und wir hoffen, rückblickend gesehen, die richtigen Antworten zu den Themen gefunden zu haben.