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Porträt

Karriere im Laufschritt

Vor sieben Jahren hat Florian Gschwandtner das Startup Runtastic mitgegründet – und vor einem Jahr millionenschwer an Adidas verkauft.

© KK
 

Florian Gschwandtner mag sie, die aphorismenartigen Lebensweisheiten. Kaum einer seiner Bühnenauftritte kommt ohne diese prägnanten, manchmal auch banalen Selbstanfeuerungszitate aus. „Just think big!“ (Denke groß!) zum Beispiel. Oder „Don’t forget to smile!“ (Vergiss nicht zu lächeln!) Oder „Use your imagination!“(Nütze deine Vorstellungskraft!) Oder „Unternehmer sind verrückte Menschen, die hundert Stunden pro Woche arbeiten, um nicht 40 Stunden für jemanden anderen arbeiten zu müssen.“ Diese Einsicht hat Gschwandtner anlässlich des siebten Geburtstags seines Unternehmens Anfang Oktober via Facebook gepostet. Sie hat, wie alle anderen Slogans, etwas Autobiografisches. Voller Einsatz für die eigene Idee, trotz anfänglichen Gegenwinds: „Weise Menschen meinten, wir sollten uns doch etwas G‘scheites überlegen, unsere Idee könne nicht funktionieren“, erinnert sich Gschwandtner. So blieb es fast unmöglich, Investoren zu finden.

Das Glauben an die eigene Vision hat sich für den Oberösterreicher ausgezahlt. Sein Startup Runtastic zählt zu den Vorzeigemodellen der heimischen Gründerszene. Im Oktober 2009 gründen Gschwandtner und drei Freunde – Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar – Runtastic. Die Geschäftsidee: Fitness-Apps für Smartphones. Sie werden gespeist mit Daten der User vom Laufen, Wandern, Krafttraining oder anderer sportlicher Bewegung. Die (am besten mit eigener Runtastic-Hardware aufgezeichneten) Aktivitäten werden auf ein Internetportal hochgeladen, wo man sich mit anderen Usern vergleichen, Trainingspläne oder andere Apps herunterladen kann.

Eine Idee, die abhebt. Mit über 190 Millionen Downloads und mehr als 95 Millionen registrierten Nutzern ist Runtastic heute führend im Bereich digitale Gesundheit und Fitness. Die meisten Apps sind in ihrer Basisversion gratis, Geld verdient man über Premium-Varianten, Werbung und den Verkauf von dazu passender Hardware, von Fitnessarmbändern, Uhren bis zur Badezimmerwaage, die Körperwerte ermittelt und ans Handy schickt.

Auch finanziell hat sich der Erfolg niedergeschlagen. Bereits vier Jahre nach der Gründung erkennt der deutsche Medienkonzern Axel Springer das Potenzial und steigt 2013 um 22 Millionen Euro mit 50,1 Prozent beim Linzer Jungunternehmen ein. Vor einem Jahr gelingt dann der Supercoup: Sportartikelherkules Adidas übernimmt im Sommer 2015 nicht nur den Hälfte-Anteil von Springer, sondern auch die jeweils knapp elf Prozent der vier Gründer um insgesamt 220 Millionen Euro. Ein Deal, der sich nicht nur für Springer auszahlt, sondern Geschwandtner & Co. um jeweils rund 24 Millionen Euro reicher macht. Kein Grund zur Pause aber. Der Firmensitz bleibt in Pasching bei Linz, die Mitarbeiter bleiben und die vier Kapitäne führen ihr Unternehmen als selbstständige Einheit im Weltkonzern weiter.

„Bei Runtastic sprechen wir nicht von Problemen, sondern von Herausforderungen. Eine Kleinigkeit, die aber andere Stimmung erzeugt. Und es gilt: Was auch immer die Herausforderung ist – sei Teil der Lösung!“  

Florian Gschwandtner
Aber gibt’s eigentlich auch eine Pausetaste in der eiligen Runtastic-Welt? Technisch nicht, persönlich schon. „Es geht nicht nur mit Vollgas“, sagt Gschwandtner. Statt jeden Tag noch fünf Stunden mehr zu arbeiten, sei es sinnvoller, sich zu überlegen, wie man die über 150 Mitarbeiter dazu bringt, fünf Prozent effizienter zu arbeiten. „So gewinnst du 500 Stunden am Tag – so viel kannst du gar nicht mehr arbeiten“, habe ihm ein Mitarbeiter einmal vorgerechnet. Sonstige Zutaten des Erfolgsrezepts? Ein monatlicher Tag, an dem das Alltagsgeschäft in den Hintergrundund neue Ideen in den Vordergrund treten. „Doni – Day of New Ideas“ nennt sich diese Initiative. Mitarbeiter können neue Ideen besprechen, Projekte präsentieren – ohne klassischen Erfolgsdruck, dass es auch klappen muss. „Es ist nicht schlimm, wenn etwas einmal nicht funktioniert“, fordert Gschwandtner generell eine großzügigere Fehlerkultur in der Gesellschaft. „Es braucht mehr Mut zu scheitern.“ Sein dazu passender Kalenderspruch: „Sometimes you win, sometimes you learn – man verliert nicht automatisch, wenn man nicht gewinnt.“ Es sei, ist der Erfolgsgründer überzeugt, auch nicht wichtig, was man wann und wenn dann ja in richtiger Reihenfolge mache, „sondern dass man es überhaupt macht und Erfahrungen sammelt“.

„Schnell und flexibel“ müsse man jedenfalls bleiben, sagt Gschwandtner. „Und offen sein für neue Ideen und Produkte.“ Das sei etwas, was ihm an Europa im Allgemeinen und Österreich im speziellen abgehe. „Wir wissen immer schon im Vorhinein, warum etwas nicht funktioniert.“ Gschwandtners Gegenkonzept: sich mit positiven Leuten umgeben, „keinen Jammerern, die nur klagen, wie schlecht es ihnen geht. Die kosten Energie, ohne dass man es merkt.“ Lieber setzt er dagegen auf die Bindungskraft des Erfolgs und einer hochaktiven Community. So wurde aus Geldmangel zu Beginn über Social-Media-Kanäle nach Übersetzern für die Apps gesucht. User aus der ganzen Welt meldeten sich. Sie machten den Job nicht nur gerne, sondern auch kostenlos.

Internationalität wird auch firmenintern gepflegt. Die aktuell 170 Mitarbeiter kommen aus 31 Nationen. Für sie alle versucht Gschwandtner Vorbild zu sein. Mindestens eine Stunde pro Tag ist für Sport reserviert. So viel Konsequenz macht sich bezahlt. Vor wenigen Tagen schaffte er erstmals hundert Liegestütze am Stück.

Daten & Fakten

180 Millionen Downloads – rund 150.000 pro Tag – und 95 Millionen registrierte User kann Runtastic
vorweisen.

40 Millionen Lieder können dank einer Kooperation mit Google Play Music direkt auf die App geladen werden.

2009 wird Runtastic gegründet. 2015 übernimmt Adidas um 220 Millionen das Start-up aus Oberösterreich.

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