Razzia am IBU-Sitz - Ermittlungen gegen Besseberg und Resch

Gegen den Norweger Anders Besseberg, Präsident des Internationalen Biathlon-Verbandes (IBU), und seine deutsche Generalsekretärin Nicole Resch läuft ein Ermittlungsverfahren. Laut einer IBU-Mitteilung vom Mittwochnachmittag war dieses der Auslöser für die Hausdurchsuchungen am Dienstag am IBU-Sitz in Salzburg. Resch habe bereits eine Freistellung von ihren Tätigkeiten beantragt.

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"Die Ermittlungen beziehen sich auf einige Doping-Belange, die wir nicht nachverfolgt haben wegen verdächtiger Blutproben und ähnlichem", sagte Besseberg in einem Statement gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Besseberg wird seine Präsidentschaft bis zum Ende der Ermittlungen zurücklegen. "Ich glaube, dass das der richtige Schritt ist", so der Norweger.

Das Bundeskriminalamt (BK) hatte am Dienstag den Sitz des Weltverbandes in Salzburg durchsucht. Laut BK-Pressesprecher Vincenz Kriegs-Au geschah dies auf Anordnung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien. Von dieser gab es vorerst jedoch keinen offiziellen Kommentar zu dieser Causa. Diese Anklagebehörde ist für die Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption zuständig.

Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) Austria bestätigte aber der APA am Mittwoch auf Anfrage, dass sie in engem Austausch mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dem Bundeskriminalamt und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stehe. Aufgrund dieser Auskunft kann davon ausgegangen werden, dass es sich um strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit Anti-Doping-Verstößen handelt.

Der ehemalige Direktor des Moskauer Anti-Doping-Zentrums, der "Whistleblower" Grigori Rodtschenkow, soll bei den Ermittlungen gegen den Internationalen Biathlon-Verband (IBU) geholfen haben. Das behauptete zumindest Rodtschenkow. Der Norwegische Rundfunk (NRK) hatte vor wenigen Tagen Rodtschenkow an einem unbekannten Ort in den USA und im Bild aus Sicherheitsgründen maskiert interviewt. Darin hatte der Russe schwere Vorwürfe gegen die IBU und die russischen Sportinstanzen erhoben.

Rodtschenkow spricht in dem teilweise online veröffentlichten Interview von Korruption, systematischer "Sabotage und Manipulation" von biologischen Blutproben russischer Sportler. Diese Vorgänge hätten bereits vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi stattgefunden. Seither habe sich die Situation aber sogar noch verschlimmert.

Rodtschenkow ist in den USA untergetaucht. Er fürchtet laut NRK um sein Leben seit er Russland in die Anschuldigungen gegen die IBU miteinbezogen hat.

Laut einem Bericht der Website der französischen Tageszeitung "Le Monde" vom Mittwochabend könnte sich Russland das Schweigen der IBU erkauft haben, um Dopingfälle zu vertuschen. Dies sollen Recherchen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ergeben haben. In einem 16-seitigen, vertraulichen WADA-Report wird berichtet, dass die IBU "alles getan habe, um Ermittlungen gegen Russland zu verhindern". Das Hauptziel der Korruption sei es gewesen, gedopte russische Athleten zu beschützen, soll in dem Report von Ende 2017 festgestellt worden sein.

Interessant ist, dass die Hausdurchsuchungen ausgerechnet am "WADA Play True Day" durchgeführt wurden, für den auch die IBU auf ihre Website Werbung gemacht hatte. Mit diesem Tag will die Welt-Anti-Doping-Agentur unter Sportlern und in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für den Kampf gegen Doping schärfen und den sauberen Sport fördern.

Unterdessen hat die EU-Kommission wegen des Verdachts möglicher Kartellabsprachen Sportrechtehändler in mehreren EU-Ländern überprüft. Die Brüsseler Behörde bestätigte am späten Dienstagabend nicht angekündigte Inspektionen bei mehreren Firmen. Ermittler sollen unter anderem die Londoner Büros des Medienkonzerns 21st Century Fox durchsucht haben, wie britische Medien am Mittwoch übereinstimmend berichteten. Nähere Details gab es zunächst nicht.

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