Dass es im KUB 2023 eine Einzelausstellung weniger als gewohnt - nämlich drei statt vier - geben wird, hatte Werner Döring, Geschäftsführer der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft, bereits vor wenigen Tagen bestätigt und mit der schwierigen Budget-Situation begründet. Zwar wächst das Kulturbudget des Landes 2023, allerdings lediglich um drei Prozent - was de facto eine Kürzung um rund sieben Prozent bedeutet. Nichtsdestotrotz präsentierte sich Trummer am Freitag voller Tatendrang und ging ausführlich auf die bevorstehenden Ausstellungen von Monira Al Qadiri (22. April bis 2. Juli), Michael Armitage (15. Juli bis 29. Oktober) und Solange Pessoa (11. November bis 28. Jänner 2024) ein.

Bis 19. Februar wird aber zunächst die seit 21. Oktober laufende Schau "Period of Change" der in Ägypten geborenen Künstlerin Anna Boghiguian verlängert. Ursprünglich hätte die Schau am 22. Jänner enden sollen. Trummer berichtete von einem großen Zuspruch zur Boghiguian-Ausstellung, es meldeten sich insbesondere viele Schulklassen an. Das unterstreiche die Aktualität ihres Werks. "Im Kunsthaus ist wichtig, dass die Themen der Zeit da sind", sagte der KUB-Direktor.

Von 20. Februar bis Ende März wird zum ersten Mal seit der Eröffnung des Kunsthauses im Jahr 1997 die Beleuchtung umfassend erneuert. Die bisherigen Leuchtmittel - allein in den vier Obergeschoßen sind es 660 Lampen - werden durch LED-Lichteinsätze ersetzt, dadurch verringert sich der Stromeinsatz um über 50 Prozent. Ganz leer bleibt das KUB aber auch zur Umbauzeit nicht. Die oberösterreichische Künstlerin VALIE EXPORT - sie stellte 2011 im Kunsthaus aus - baut im Erdgeschoß eine Installation mit Orgelpfeifen der Linzer Wallfahrtskirche am Pöstlingsberg. Dazu ist ein Arrangement von Charles Mingus' Lied "Oh Lord, Don't Let Them Drop That Atomic Bomb on Me" zu hören. "Es ist ein Wagnis! Wenn jemand das tun kann, dann das KUB", sagte dazu Trummer. Es sei wichtig - gerade auch in der aktuell schwierigen Zeit - dass das Haus offen bleibe.

Mit Monira Al Qadiri wird im April eine der wichtigsten Künstlerinnen der Golfregion im Kunsthaus begrüßt. Bekannt ist die 1983 in Senegal geborene und in Kuwait aufgewachsene Al Qadiri vor allem durch ihre Videos und Skulpturen, die sich insbesondere mit Öl und der Abhängigkeit des modernen Lebens von fossilen Energien auseinandersetzt. In Bregenz präsentiert sie unter anderem Bohrköpfe, die wie Schmuckstücke aus einer Schatzkammer oder futuristische Sprengsätze aussehen.

Die Sommerausstellung bestreitet 2023 der britisch-kenianische Maler Michael Armitage. Trummer bezeichnete ihn als "einen der wichtigsten Maler der Gegenwart". Armitage vermische europäische Maltraditionen mit ostafrikanischer Kunst und verwende Rinde eines ugandischen Feigenbaums als Malgrund. In seinen Bildern finde sich viel Lyrisches, "in den Details aber auch Leid, Kampf, Brutalität", so Trummer.

Künstlerisch wird das Jahr 2023 von Solange Pessoa abgeschlossen. Die Brasilianerin beschäftigt sich in ihren Werken vor allem mit der Natur, die sie als schöpferisches Prinzip versteht. "Uns erwarten Wände voller Federn und Kristalle", kündigte Trummer an. Aber auch selbst wisse er noch nicht, "was genau kommt", so der KUB-Direktor mit einem Schmunzeln.

Bis Jahresende rechnete das KUB mit etwa 55.000 Besuchern (bis 24. November: 48.272), 2019 waren es 53.645 gewesen - deutlich mehr als in den Pandemie-Jahren 2021 (31.867) und 2020 (29.445) mit langen Schließzeiten. Der Landesbeitrag für 2022 belief sich auf 2,78 Mio. Euro, dazu kamen 36.500 Euro Galerienförderung. An Eigeneinnahmen erwirtschaftete das KUB rund 700.000 Euro, einen Anteil von rund 25 Prozent.

(S E R V I C E - )