Vor genau zehn Jahren war mit "Fluidum" das erste Album der Nerven erschienen. Eine blutjunge Truppe an Stuttgarter Kids legte über energetische Noiseausbrüche kluge, deutsche Texte, die von Melancholie, Wut oder Einsamkeit handelten. Das blieb nicht lange verborgen, und Platte für Platte steigerte sich der Zuspruch - sowohl von Fan- als auch Kritikerseite -, während sich die drei Protagonisten auch mit anderen Projekten einen Namen machten.

Den vorläufigen Höhepunkt markiert nun definitiv "Die Nerven": Die zehn neuen Stücke präsentieren sich noch mal deutlich ausgereifter, haben vielfach die frühere Aggression in ruhigere, oft melodiöse Bahnen gelenkt, ohne die harte Kante einzubüßen. "Vorher war es diese jugendliche Energie", verriet Sänger und Bassist Knoth der APA vor dem Auftritt. "Irgendwann ist die aber weg, dann muss man eine neue Art finden, zusammenzuarbeiten."

Wobei: Von fehlender Power konnte wirklich keine Rede sein, als Kuhn wie ein Manischer sein Drumset bearbeitete, während Knoth und Rieger (für Gitarre und ebenfalls Gesang zuständig) sich die Bälle und somit Riffs zuspielten. Das große Eröffnungsdoppel "Europa" (mit der beängstigend aktuellen Zeile "Ich dachte irgendwie, in Europa stirbt man nie") und "Ich sterbe jeden Tag in Deutschland" gelang als beeindruckender Paarlauf, der Harmonie und Exzess wie selbstverständlich zusammenführte.

Die früher gerade live so gefeierte Brachialität ist den Nerven keineswegs abhanden gekommen, wie "15 Sekunden" oder das auf knapp zehn Minuten gedehnte "Der Erde gleich" untermauerten. Mit "Niemals" oder "Der letzte Tanzende" wurde auch die Pogofraktion im Publikum abgeholt, während allen voran Kuhn durch sein akzentuiertes Spiel und eingestreute Breaks mehrfach für humorige Momente sorgte. Ganz zu schweigen vom unbarmherzig in den Saal geprügelten Motörhead-Cover "Ace of Spades". Und die drei jungen Männer im Scheinwerferlicht? Ließen das alles wie eine kleine Fingerübung erscheinen, plauderten locker mit dem "devoten" Publikum und machten einfach ihr Ding.

Ein gewisses Understatement war ihnen ohnehin schon immer eigen. So habe man auch den erneuten Erfolg der Platte noch nicht wirklich reflektieren können, meinte Knoth. "Aber das kommt sicher noch. Jetzt ist es schön, dass wir wieder das direkte Feedback haben vom Konzert und einfach die Leute mitbekommen. Das ist für mich die einzige Währung, die zählt." Ohnehin müsse man sich vom Gedanken lösen, "dass es immer weiter nach oben geht. Uns ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln. Schön, wenn sich das widerspiegelt in der Resonanz." Am heutigen Donnerstag können die Fans in Salzburg (ArgeKultur) ihre Zuneigung unter Beweis stellen.

(S E R V I C E - )