Der Wahnsinn lauert bei dem Donizetti-Werk "Lucia di Lammermoor" aber eigentlich ohnehin schon an jeder Ecke des Librettos von Salvadore Cammarano, das sich wieder an dem Roman "The Bride of Lammermoor" von Walter Scott anlehnt. Die Regie von Proske rannte damit in Erl also quasi offene Türen ein, kostete diese angelegten Übergänge zwischen Rationalität und Wahnsinn genüsslich aus und unterstrich die zum Teil halluzinatorisch anmutenden Irrsinnsaugenblicke mit einem üppigen Bühnenbild von Darko Petrovic sowie klugem, ausdifferenziertem Lichtdesign von Jiyoun Chang mehr als nur gekonnt.
Erl
Tiroler Festspiele Erl: Oper als mentaler Drahtseilakt
Die Oper "Lucia di Lammermoor" von Gaetano Donizetti hat Samstagabend ihre Premiere bei den Tiroler Festspielen Erl gefeiert. Unter der Regie von Louisa Proske und der musikalischen Leitung von Sesto Quatrini geriet die Erl-Annäherung an den Opernklassiker zu einem fulminanten, hochemotionalen mentalen Drahtseilakt, der die im Libretto angelegten Kippmomente zwischen Schönheit und Wahnsinn mit einem gelungenen, biografisch grundierten Kunstgriff herausarbeitete.
© APA/Tiroler Festspiele Erl