Pygmalion begehrt eine Puppe, Myrrha ihren Vater, Narcissus sein Spiegelbild: Ovids berühmte Märchensammlung hat Fetisch, Inzest, tierische Mischwesen und fluide Geschlechterrollen als Treibstoff. Die eigentliche Aktualität dieser antiken Geschichten liegt aber nicht im vermeintlichen Ahnentum heutiger Identitätspolitik oder koketter Tabubrüche, sondern in der Gewissheit der Metamorphose selbst. Dem Getriebensein durch einen allgegenwärtigen Transformationsdruck, der von einer dynamischen Außenwelt auf uns wirkt, steht die Metamorphose als Verwandlung von innen nach außen, als Manifestation seelischer Notwendigkeiten gegenüber.