Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, der sein Amt erst Stunden vorher angetreten hatte, zeigte sich ebenfalls bestürzt: "Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat", schrieb er auf X.

Die Ermittler schließen einen Anschlag nach Zeugenbefragungen und ersten Ermittlungen aus, wie der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz sagte. Die Explosionen, von denen Anrainer berichteten, hätten sich erst nach dem Brandausbruch ereignet. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen.

"Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an", schilderte ein Anrainer dem Sender RTS. Das Gebäude, in dem sich die Bar befand, sei schwer beschädigt worden. Die Polizei hat das Gelände rund um das Lokal auf der Hauptstraße des Ortes weiträumig abgesperrt.

Den Behörden zufolge stammen einige Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Ausland. Man arbeite mit den Botschaften zusammen. Weitere Angaben machten sie mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und aus Rücksicht auf die betroffenen Familien zunächst nicht. Österreicherinnen oder Österreicher waren nach derzeitigem Stand nicht unter den Opfern, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium in Wien.

Nach Angaben der Behörden ist bisher unklar, wie es zu der Katastrophe gekommen ist. Es werde Zeit brauchen, den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Schweizer Medien zufolge wurde das Feuer bzw. die Explosion womöglich durch den Einsatz von Pyrotechnik während eines Konzerts ausgelöst.

Gisler schilderte den Ablauf der Unglücksnacht: Gegen 1.30 Uhr wurde Rauch in einer Bar im Zentrum von Crans festgestellt, zeitgleich ging ein Notruf bei der Polizei ein, woraufhin die Feuerwehr alarmiert wurde. Die ersten Polizeistreifen trafen kurz darauf am Einsatzort ein, wenig später folgte ein größeres Aufgebot von Feuerwehr und Polizei.

Priorität hatte zunächst die Versorgung der Verletzten und ihr Transport in umliegende Krankenhäuser, parallel dazu begannen Feuerwehrleute mit den Löscharbeiten, sicherten das Gebiet und nahmen erste Ermittlungen zur Ursache des Unglücks auf.

Anlaufstellen für Angehörige werden eingerichtet, so der Kommandant. Auch psychologische Betreuungsangebote werden geschaffen, um Familien zu unterstützen und Informationen bereitzustellen.

Ein Rettungsarzt sagte dem Sender RTS, Menschen seien mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Über dem Ort wurde ein Überflugverbot verhängt. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten. Der Skiort ist Luftlinie gut 100 Kilometer entfernt.

Die Schweizer Behörden bekommen Unterstützung vom Zivilschutz des Aostatals - eine italienische Region an der Grenze zur Schweiz: Ein Hubschrauber mit Spezialisten der Bergwacht und medizinischem Personal wurde von den Schweizern erbeten und ist dort seit 6.00 Uhr im Einsatz, wie die italienische Bergwacht mitteilte.

Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte er, er habe gesehen, wie Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten. Auf von Schweizer Medien verbreiteten Bildern waren ein brennendes Gebäude und fliehende Menschen zu sehen.

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Jänner finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland.