Eine interne Untersuchung der Ereignisse habe ergeben, dass der Shin Bet sich sowohl in der Nacht des Angriffs als auch in den Jahren davor falsch verhalten habe, erklärte der Geheimdienstchef. "Wir sind gescheitert", fasste Bar die Ergebnisse des Berichts zusammen.
Geheimdienstinformationen über Angriffspläne der Hamas seien nicht angemessen behandelt worden, hieß es weiter. Die Verantwortung zwischen Shin Bet und der Armee mit Blick auf Kriegswarnungen sei nicht klar genug aufgeteilt worden. Der Geheimdienst habe sich zu sehr auf die Sperranlage an der Grenze zum Gazastreifen und die Bereitschaft des Militärs verlassen.
In dem Bericht klingt auch Kritik an der politischen Führung an. Es ist die Rede von einer "Politik der Ruhe" Israels, die es der Hamas ermöglicht habe, massiv aufzurüsten. Millionengelder aus Katar seien in den Gazastreifen geflossen und an den militärischen Flügel der Terrororganisation übermittelt worden. Die Gelder aus Katar waren mit Billigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu an die Hamas gezahlt worden.
Aus Netanyahus Umkreis wurde nach Veröffentlichung des Berichts scharfe Kritik an dem Chef von Shin Bet laut. Ronen Bar habe "völlig versagt in allem, was mit dem Vorgehen der Organisation gegen die Hamas im Allgemeinen und mit dem 7. Oktober im Einzelnen zu tun hat".
Netanyahu lehnt die von vielen Seiten dringend geforderte Einrichtung einer staatlichen Untersuchungskommission zu den Ereignissen am 7. Oktober bisher ab.
Vergangene Woche hatte die israelische Armee einen ähnlichen Untersuchungsbericht vorgestellt und sich selbst mehrere Fehleinschätzungen attestiert. Die Armee sei nicht ausreichend auf den Angriff vorbereitet und "zu selbstsicher" gewesen. Im Anschluss an die Veröffentlichung des Berichts übernahm der israelische Armeechef Herzi Halevi die volle Verantwortung für das Versagen der Streitkräfte.