Der Iran hat Israel nach dem Tod eines Generals der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) in Syrien erneut mit Vergeltung gedroht. Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus war am Montag der IRGC-General Sayyed Razi Mousavi getötet worden. Laut Informationen der "New York Times" soll er dabei geholfen haben, die Lieferung von Raketen und anderen Waffen an die libanesische Hisbollah-Miliz zu überwachen.
Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Angriff neben dem General drei weitere Kämpfer getötet. Mousavi sei in Syrien einer der "erfahrensten Berater" der Al-Quds-Brigaden, des für Auslandseinsätze zuständigen Arms der iranischen Revolutionsgarden gewesen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA. Den Angaben zufolge war er ein Wegbegleiter des 2020 bei einem US-Angriff im Irak getöteten Generals Qassem Soleimani. Der Tod des Kommandanten der Al-Kuds-Brigaden jährt sich am 3. Jänner zum vierten Mal.
Die Revolutionsgarden bezeichneten Mousavi als "Logistikchef der Widerstandsachse", das heißt der gegen Israel kämpfenden bewaffneten Gruppen, in Syrien und kündigten Vergeltung an. Der Sprecher des iranischen Verteidigungsministerium, Reza Talaei-Nik, drohte Israel laut Nachrichtenagentur Tasnim am Dienstag: "Die Zionisten (Israel) müssen sich auf die Konsequenzen ihres Verbrechens gefasst machen ... und die werden schmerzhaft sein."Israel habe mit dem Angriff nicht nur die territoriale Integrität Syriens verletzt, sondern auch die bereits spannungsgeladene Lage noch weiter eskaliert.
Irans Botschafter in Syrien, Hossein Akbari, erklärte Medien gegenüber, Mousavis Haus sei von drei Raketen getroffen und zerstört worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte dagegen, Mousavi sei getötet worden, kurz nachdem er einen Bauernhof in einem von pro-iranischen Truppen kontrollierten Gebiet betreten habe. Neben dem General seien zwei ausländische und ein syrischer Kämpfer bei dem israelischen Angriff ums Leben gekommen, erklärte die Beobachtungsstelle. Sie bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Quellen in Syrien. Die Angaben der Organisation sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.
Vom israelischen Militär hieß es am Montagabend, man kommentiere keine ausländischen Medienberichte. Die "New York Times" schrieb, israelische Beamte hätten eingeräumt, dass sie sich auf mögliche iranische Vergeltungsmaßnahmen vorbereiteten. Eine scharfe Warnung richtete Israel indes an die mit dem Iran verbündete Hisbollah im Libanon. "Wir treffen die Hisbollah sehr hart - sie hat rund 150 Kämpfer verloren, ihre Infrastruktur ist beschädigt, sie wurde weit von der Grenze zurückgedrängt und die (israelische) Luftwaffe fliegt ungehindert über dem Libanon. Wir werden unsere Anstrengungen verstärken", sagte Israels Verteidigungsminister Joav Gallant am Montagabend.
Die Hisbollah im Libanon verurteilte den Angriff auf Mousavi scharf. "Wir betrachten dieses Attentat als eklatante und dreiste Aggression", teilte die Schiitenorganisation mit. Israel habe damit eine Grenze überschritten. Israel attackiert regelmäßig Ziele in Syrien um zu verhindern, dass der Iran dort seinen militärischen Einfluss mit Hilfe von Milizen ausbaut.
Der Iran ist auch ein enger Verbündeter der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, deren beispielloser Angriff auf Israel am 7. Oktober den Gaza-Krieg ausgelöst hatte. Seitdem nahmen auch die Spannungen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet deutlich zu. Immer wieder kommt es zu Angriffen der israelischen Armee und der Hisbollah.
Seit Beginn des Gaza-Krieges kommt es fast täglich zu gegenseitigem Beschuss zwischen Israels Armee und der Hisbollah in der israelisch-libanesischen Grenzregion. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006. Sie nährt die Sorge vor einem neuen, größeren Krieg zwischen Israel und der Hisbollah. Die Hisbollah betont, sie wolle den Kampf der ebenfalls vom Iran unterstützten Hamas im Gazastreifen unterstützen.
Gallant betonte, Israel habe die Hisbollah nicht angegriffen. Die Schiitenmiliz nehme den Norden Israels trotzdem unter Beschuss. Nach israelischen Angaben mussten rund 80.000 Bewohner grenznaher israelischer Orte evakuiert werden. Gallant betonte, die Sicherheit Israelis im Norden werde wiederhergestellt werden. "Entweder durch eine Einigung oder durch militärische Mittel", sagte er. "Die Hisbollah schaut sich genau an, was im Gazastreifen passiert, und sie versteht sehr gut, dass wir das, was wir dort getan haben, auch in Beirut tun können", warnte Gallant.
Der Iran ist mit Russland wichtigster Verbündeter der syrischen Regierung unter Machthaber Bashar al-Assad. Syrien zählt für Teheran neben der Schiitenorganisation Hisbollah im Libanon zur sogenannten "Achse des Widerstands" im Kampf gegen Israel. Die Führung in Teheran gibt stets an, dass das IRGC-Personal in Syrien nur als militärische Berater tätig und im dortigen Bürgerkrieg nicht direkt verwickelt sei. Nach US-Geheimdienstangaben unterstützt der Iran auch die Huthi-Rebellen im Jemen sowie Milizen im Irak.