Heiligenblut kämpft mit Quarantäne-Problemen

Nachdem über die Kärntner Gemeinde Heiligenblut am Samstag die Quarantäne verhängt worden ist, dürfen rund 150 österreichische Urlauber nicht ausreisen. Die Zwangsurlauber müssen sich erst auf die neue Situation einstellen. "Soll mir einer erklären, wie man die bei Laune halten kann", sprach Bürgermeister Josef Schachner gegenüber der APA die schwierige Situation an.

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© APA
 

Die Sperre des Ortes kam für alle völlig überraschend: "Es ist schon schwer, wenn um 7.00 Uhr die Polizei anruft und sagt, wir haben alles abgeriegelt", schilderte der Bürgermeister die Situation Samstag früh. "Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir dazu beitragen, dass sich das Virus nicht ausbreitet", betonte Schachner, der sich aber zumindest "etwas Vorlaufzeit" für die Maßnahme gewünscht hätte.

Im Paznauntal wäre rund vier Stunden vor der Sperre bekannt geworden, dass die Ausreise demnächst für österreichische Gäste nicht mehr möglich sei, und diese Zeit hätten die meisten Betroffenen genützt. So eine Verständigung hätte sich Schachner auch gewünscht, auch wenn sie ganz kurzfristig erfolgt wäre: "Wir arbeiten ja auch nicht mit Rauchzeichen, wir haben ja Mail und so."

Die ausländischen Urlauber hätten die Sache nicht weiter tragisch genommen: "Die haben gesagt, 'schön war's, wir kommen nächstes Jahr wieder' und sind gefahren", schilderte der Bürgermeister. Sie mussten ihre Daten bekanntgeben und müssen sich an ihrem Wohnort sofort nach der Rückkunft melden. Von den Sperrmaßnahmen hart getroffen seien aber die österreichischen Gäste: "Die hängen jetzt da und sind für einen längeren Aufenthalt nicht vorbereitet". Die meisten waren nur auf einen Kurztrip eingestellt, daraus wurden nun zwei Wochen.

Dazu kommt, dass es "überhaupt keine Infrastruktur mehr gibt, die Gasthäuser sind auch zu", erzählt der Bürgermeister. Die Gäste wurden aus den Hotels zusammengezogen - "man kann ja nicht ein Ehepaar allein in einem Hotel wohnen lassen" - damit die Betreuung einfacher ist. "Aber es ist keiner scharf auf den anderen", deutete Schachner den Unmut der Verbliebenen an.

In einem Fall würden fünf Personen - alles Kärntner - auf einer Hütte in 2.500 Meter sitzen. "Wir haben gesagt, sie sollen herunterziehen, aber sie wollten zuerst nicht". Da auch kein Lift mehr geht, sind die fünf ziemlich abgeschottet und sollen demnächst ins Tal geholt werden. "Nicht auszudenken, wenn die da oben einen medizinischen Notfall haben."

Was sich der Bürgermeister dringend wünschen würde, wäre, dass man alle österreichischen Gäste testet und nach Bekanntwerden eines negativen Ergebnisses wegfahren lässt. "Sie wären ja alle bereit, zuhause sofort in Quarantäne zu gehen, wie die EU-Gäste". Gleichzeitig versicherte er, dass "alle Maßnahmen von uns voll mitgetragen werden. Wir wollen ja selber, dass wir alle überleben".

In Heiligenblut ist es übrigens bei den zwei bereits bekannten Coronavirus-Fällen geblieben. Die beiden Mitarbeiterinnen eines Hotels seien "quicklebendig", alle weiteren Tests haben negative Ergebnisse gebracht.

Insgesamt sind in Österreich bisher 800 Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Das gab das Gesundheitsministerium am Samstag bekannt. Insgesamt wurden 8.167 Personen auf eine Infektion untersucht. Ein Patient ist bisher in Wien verstorben, sechs sind wieder genesen, zwei davon in Tirol, drei in Wien und einer in Niederösterreich. Die meisten Fälle gibt es mit 245 in Tirol.

Kommentare (1)
hermannsteinacher
0
1
Lesenswert?

Die Vorgangsweise betreffend Heiligenblut war zumindest am ersten Tag

dumm und ungeschickt. Vielleicht wollte man nach dem vorherigen nachlässigen Vorgehen in Tirol schnell in einem andern Bundesland ein Exempel setzen?