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Lackner entschuldigt sich für Untätigkeit bei Causa Schwarz

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner hat sich am Montag in Klagenfurt bei einem Pressegespräch dafür entschuldigt, in der Causa rund um Bischof Alois Schwarz untätig geblieben zu sein. Lackner präsentierte sein Visitationsteam und kündigte an, eine umfassende Überprüfung vornehmen zu wollen. Man werde alle Seiten hören, unterstrich Lackner.

© APA
 

Zur Unterstützung hat sich Lackner seinen Vorarlberger Amtskollegen Benno Elbs geholt. Dazu kommen der Caritas-Direktor von Graz-Seckau, Herbert Beiglböck, und Christian Lagger, Geschäftsführer des Elisabethinenspitals in Graz, beide für den Bereich Wirtschaft. Den Fachbereich Kirchenrecht deckt Universitätsprofessor Helmuth Pree ab, als Notarin der Visitation fungiert Elisabeth Kandler-Mayr, sie ist Ordinariatskanzlerin der Erzdiözese Salzburg. Komplettiert wird das Team von Lackners Sekretär Martin Seidler und seiner Pressesprecherin Heidi Zikulnig.

Lackner erklärte, die Visitation "bedeutet Sachverhaltserhebung, nicht Urteilsfällung". Sie laufe in enger Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom, und zwar "in erfreulich kooperativer Weise". Beim ersten Zusammentreffen mit dem Domkapitel der Diözese Gurk-Klagenfurt werde man das weitere Procedere und einen Terminfahrplan festlegen. Geplant sei, die Visitation bis zur Fastenzeit abzuschließen, ob das möglich sein wird, werde man sehen.

Aufhorchen ließ der Erzbischof mit einer Entschuldigung: "Aus heutiger Sicht werfe ich mir vor, dass ich zwar die öffentliche Verantwortung wahrgenommen habe, indem ich die an mich ergangene Information an die zuständige kirchliche Oberbehörde weitergegeben habe, es aber zugleich verabsäumt habe, das direkte Gespräch mit Bischof Alois zu suchen." Und weiter: "So bitte ich als Metropolit all jene, denen Unrecht geschehen ist, aber auch alle, die durch Intransparenz kirchenbehördlichen Handelns das Vertrauen in die Kirche verloren haben, aus tiefstem Herzen um Verzeihung."

Auf die Frage, ob nur die Diözese oder auch das Bistum, die persönliche Lebensführung des Bischofs und die jahrelange Untätigkeit der kirchlichen Stellen geprüft werde, meinte Lackner, die Visitation betreffe das Ganze, es sei nichts von vornherein ausgeschlossen. Allerdings stehe ihm eine Visitation der Nuntiatur in Wien nicht zu. Er habe im Vorfeld vieles gehört, aber er müsse sich selbst ein Bild machen. Vorwürfe, er sei eng mit Bischof Alois Schwarz befreundet, wies Lackner zurück: "Das stimmt nicht, Freundschaft ist für mich etwas anderes." Es sei auch nicht zutreffend, dass er "dort oben" . gemeint war die bischöfliche Jagdhütte auf der Flattnitz - ein- und ausgegangen sei: "Ich war in den 16 Jahren als Bischof vier Mal dort, drei Mal davon dienstlich."

Im päpstlichen Dekret findet sich ein Passus, der ebenfalls Fragen aufwarf. Wörtlich heißt es da: "Der Papst gibt dem Apostolischen Visitator die spezielle Vollmacht, Handlungen, die durch den Diözesan-Administrator gegen die Vorschriften des Kanons 428 § 1 gesetzt wurden, zu revidieren und auch die zukünftige Amtsführung desselben Administrators gemäß des oben genannten Kanons zu beobachten." Auf die Frage, ob nun die Entscheidungen von Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger allesamt zurückgenommen würden, antwortete Pree: "In der ursprünglichen Absicht Roms stand es wohl gewiss, wegen der Sedisvakanz." Rom könnte Derartiges erwartet haben und tue es aufgrund des Neuerungsverbotes vielleicht noch. Entscheidungen würden wenn dann allerdings nur im Auftrag Roms rückgängig gemacht, das werde sicherlich nicht der Visitator tun. Es sei aber offen, ob das überhaupt notwendig sein werde.

Wie die Prüfung des persönlichen Lebensbereiches von Bischof Schwarz aussehen soll, konnte Lackner nicht im Detail sagen. Er habe so etwas noch nie gemacht, aber Bischof Elbs sei ja zum Glück ausgebildeter Psychotherapeut. Eine Person sei als solche ja eigentlich unangreifbar, betonte Lackner und schränkte dann ein: "Aber wenn sich das vermischt mit etwas Öffentlichem, wenn das Feudale reinkommt und das absolutistisch wird, muss man etwas machen."

Elbs meinte, persönliche Beziehungen könne man nicht von außen untersuchen. "Aber Folgen von irgendwelchen Situationen kann man schon erkennen." Das Ziel müsse ein vertrauensvoller Neuanfang sein. In der vorherigen Aufarbeitung und auch der Heilung, "da gehört für mich schon dazu, dass man sagt, was ist, auch wenn es vielleicht wehtut und schmerzhaft ist". Das Ganze müsse aber in einem respektvollen Ton geschehen, wenn dann ein Klima des Vertrauens entsteht, würden Dinge sichtbar. Elbs: "Ich bin überzeugt, dass hier ein Bild entstehen kann, das möglichst nahe an dem ist, was die Wahrheit ist."

Der Diözesanadministrator bleibe weiterhin im Amt, sagte Lackner auf eine entsprechende Frage. In wichtigen Dingen seien aber Rückfragen an den Visitator nötig. Ob der Prüfbericht der Visitation öffentlich gemacht werde, könne er nicht beantworten: "Ich möchte das so transparent wie möglich machen, bin da aber nicht allein entscheidungsberechtigt." Einen neuen Diözesanbischof für Kärnten werde es mit Sicherheit nicht vor Abschluss der Visitation geben, meinte der Erzbischof.

Lackner hatte am Montag mit der angekündigten Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt begonnen. Sein Prüfauftrag umfasst die Zeit der Sedisvakanz, aber auch die Amtszeit von Bischof Alois Schwarz seit dem Jahr 2008. Gegen Schwarz wurden von der derzeitigen Führung der Diözese schwere Vorwürfe erhoben. Diese reichen von Problemen mit dem Zölibat über ein Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Vertrauten Andrea Enzinger bis hin zu Misswirtschaft im Bistum und Verletzungen des Kirchenrechts.

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Danke für Ihr Verständnis.

Nixalsverdruss
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Lesenswert?

Es ist eine große Chance ...

...nicht nur für die Kirche in Kärnten sondern besonders für die gesamte Kirche, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.
Bischöfe sind halt auch (nur) Menschen.

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