Zum Grazer Grauen auch noch eine unterirdische Amtsgroteske, obwohl alle direkt involvierten Behörden und Institutionen eine überirdisch souveräne Professionalität an den Tag gelegt haben. Die Polizei und ihre Spezialeinheiten. Das Management der Bildungsdirektion mit den österreichweit zusammengezogenen Schulpsychologen. Die Einsatz-Organisationen. Alle.
Und dann das als Gegenbild.
Gestern wurde bekannt, dass die Stellungskommission des Bundesheeres im Zuge der Musterung den späteren Attentäter abgewiesen hat, weil er aufgrund fachlich bescheinigter „psychischer Untauglichkeit“ nicht für den Dienst an der Waffe herangezogen werden konnte.
Damit, möchte man meinen, war klar, dass ein 21-Jähriger mit einer solchen Disposition und einem solchen behördlichen Attest wenig später auch für den Kauf einer Schusswaffe nicht infrage kommen kann. Er hätte zur Prüfung der psychischen Eignung, die sich in gehobenem Smalltalk und dem Einsammeln sozial erwünschter Antworten erschöpft, erst gar nicht zugelassen werden dürfen.
Die Bezirkshauptmannschaft hat den Ungeeigneten als Antragsteller für eine Waffenbesitzkarte dennoch durchgewunken, weil sie von der behördlich erhobenen psychischen Untauglichkeit nichts wusste. Die eine Behörde hat von der anderen nichts gewusst, weil sie nichts hat wissen dürfen. Das Wissen hätte gegen den Daten- und Persönlichkeitsschutz verstoßen.
So hat die Behörde mit dem vorgeschriebenen, ungeteilten Nicht-Wissen den jungen, adjustierten Columbine-Psychopathen am Tag des Attentats auch noch schriftlich und bürgernah daran erinnert, dass er jetzt eigentlich schon die Waffenbesitzkarte von der Staatsdruckerei erhalten haben müsste, er möge nachschauen und sich melden, wenn das nicht der Fall sei.
Wir lernen, fassungslos: Lieber schützt der Gesetzgeber die Daten und Rechte des Einzelnen als das Leben und die Unversehrtheit vieler.
Kann man die Absurdität bitte abstellen?
Dagegen klug und unbürokratisch und menschlich: Die Bildungsdirektion bietet traumatisierten Klassen, die aus verständlichen Gründen nicht imstande sind, an den Tatort zurückzukehren, eine Ersatzschule in Reininghaus an und will den betroffenen Matura-Absolventen auch ohne die ausstehende mündliche Prüfung die Reife bescheinigen. Gut so. Sie sind geprüft genug.
Ihr
Morgenpost
Untauglicher Datenschutz: Absurdität abstellen
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