SpurensucheWer war Engelbert Dollfuß?

Für die einen Mär­ty­rer, für die an­de­ren Ar­bei­ter­mör­der. Fast neun Jahr­zehn­te nach sei­ner Er­mor­dung er­hitzt der wohl wi­der­sprüch­lichs­te Bun­des­kanz­ler in der ös­ter­rei­chi­schen Ge­schich­te noch immer die Ge­mü­ter. Eine his­to­ri­sche Ein­ord­nung.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Engelbert Dollfuß (links) mit dem faschistischen Diktator Italiens, Benito Mussolini (in Badehose) in Riccone
Engelbert Dollfuß (links) mit dem faschistischen Diktator Italiens, Benito Mussolini (in Badehose) in Riccone © Austrian Archives / Imagno / pic
 

Dass der eben er­nann­te ös­ter­rei­chi­sche In­nen­mi­nis­ter auch Bür­ger­meis­ter in Tex­ing, Nie­der­ös­ter­reich ist, mag Zu­fall sein. Es ist aber von ei­ni­ger Sym­bol­kraft, dass Tex­ing nicht nur der Ge­burts­ort von En­gel­bert Dollfuß ist, son­dern dass die Ge­mein­de dort auch ein Dr. En­gel­bert Dollfuß-Mu­se­um be­treibt. Im Ge­burts­haus, dem Groß­mai­er­hof, hat sie es ein­ge­rich­tet, und bei der Er­öff­nung im Jahr 1998 sprach der da­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter davon, dass es bei die­sem Haus „um die Über­win­dung des bis­he­ri­gen man­geln­den Mutes, sich zu Dollfuß zu be­ken­nen“, gehe. Mehr Ge­denk­stät­te als Mu­se­um wäre es eine etwas schrä­ge Fuß­no­te in der ös­ter­rei­chi­schen Er­in­ne­rungs­land­schaft ge­blie­ben, hätte nicht der ak­tu­el­le Bür­ger­meis­ter von Tex­ing jetzt die Ver­ant­wor­tung für die Si­che­rung von Rechts­staat und De­mo­kra­tie in Ös­ter­reich über­nom­men.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

gehtso
5
4
Lesenswert?

Dollfuß war

ein Faschist, daran kann nach allen bisher vorliegenden Tatsachen wohl kaum einer zweifeln. Dass sein Porträt bis vor kurzem noch an prominenter Stelle hing, darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen.

hbratschi
2
35
Lesenswert?

sehr guter artikel,...

...der sich mit dem deckt, was mir meine großeltern als zeitzeugen der brucker ereignisse erzählt haben. und im gegensatz zu zwei vorpostern bin ich der meinung, dass es schon notwendig ist, in der geschichte zurückzublicken, denn nur daraus kann man lernen und versuchen dieselben fehler nicht immer wieder zu machen. natürlich ist wahrheit oft unbequem und schmerzhaft aber davor die augen zu verschließen, ist keine lösung...

owlet123
0
14
Lesenswert?

Dieser Artikel erscheint unter einem Artikel zu Kickls Rhetorik

Genau mein Humor 😝

doriangray
4
28
Lesenswert?

Mit Polizeigewalt haben damals christlichsoziale Politiker

das Zusammentreten des Nationalrates verhindert, die Beschlüsse des Bundesrates wurden ignoriert, auch eine Petition mit über einer Million Unterschriften an den jämmerlichen Bundespräsidenten Miklas, der in seinem Tagebuch herumjammerte, dass ihn Dollfuss verhaften würde und er gegen dessen verfassungswidrige Umtriebe nichts tun könne. Wir sollten jeden Tag im Steffl eine Kerze anzünden und froh sein, dass wir den VanderBellen haben.

Lodengrün
3
19
Lesenswert?

Sehr gute Zusammenfassung

von einem der dafür kompetent ist. Was auffällt. Gräben wurden auch damals gezogen, die KPÖ und die Linken standen im Fokus der Angriffe.

hortig
6
6
Lesenswert?

@lodengruen

Ich schätze Konrad sehr, aber als bekennender sozialdemokrat sind seine Werken über 1934 doch sehr einseitig. Über dieses Thema gibt es profundere Historiker in Österreich.

Lodengrün
0
10
Lesenswert?

Lieber @hortig

Danke, bei meiner Parteikenntnis war mir die Nähe von Konrad nicht bekannt. Im wesentlichen hat er aber das geschrieben was uns auch von Prof. Schöpfer vermittelt wurde. Und der genießt meine Wertschätzung seit ich ihm begegnen durfte.

alsoalso
6
3
Lesenswert?

Gegenwart

Die Linken nehmen dieses Thema aus der Vergangenheit gerne als Diskussionsthema. Die Vergangenheit können wir nicht verändern. Wir leben in der Gegenwart - und die können wir gestalten. Und da sollte man die Aussagen von Kickl,. Hangar und Köstinger bekritteln. Die Aussage von "Blut an den Händen" von Köstinger finde ich besonders verwerflich - sie ist aktive Ministerin!

hbratschi
0
7
Lesenswert?

richtig, alsoalso,...

...die vergangenheit können wir nicht verändern aber daraus lernen. und das ist das eigentlich entscheidende, denn oft hab ich denn eindruck, dass viel zuwenig lehren aus unserer vergangenheit gezogen werden...

Zooropa
1
3
Lesenswert?

Historische Einordnung?

Warum man zu diesem Thema ausgerechnet den prononciert SPÖ-nahen Prof. Konrad schreiben lässt, bleibt das Geheimnis der Kleinen Zeitung.

Tatsächlich bietet schon der Wikipedia-Beitrag zu Dolfuß ein wesentlich informativeres Bild über die verheerende politische Lage der Zwischenkriegszeit. Und die Kluft zwischen den Weltanschauungen, die die in dieser Zeit sozialisierten Politiker nachdem 2. Weltkrieg - Gott lob - überwinden und damit den Grundstein für den friedlichen und erfolgreichen Wiederaufbau Österreichs gelegt haben. Das sollte jedenfalls ein Vorbild sein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Engelbert_Dollfu%C3%9F

doriangray
0
2
Lesenswert?

Historische Einordnung!

Weil Konrad zu 1934 geforscht und viel geschrieben hat und seine Einschätzung sich da auch kaum von ÖVP-nahen Historikern wie Schöpfer oder Binder unterscheidet. Den Profihistorikern ist schon klar, dass Dollduss die Demokratie gekillt hat, da wird eher diskutiert, ob man das Regime als "Kanzlerdiltatur"bewerten und bezeichnen soll und ob "Austrofaschismus" passens ist, weil manche Aspekte des Faschismus nur sehr schwach ausgeprägt waren. Über solche Dinge debattieren die Profis. Nur Laien glauben, die Verantwortung der Christlichsozialen bei der rrichtung einer Diktatur noch abstreiten oder verniedlichen zu müssen.

Salcher
26
21
Lesenswert?

Zukunft

Die Zukunft liegt vor uns! Schauen wir nach vorne, drehen wir uns nicht ständig um. Vor uns sind genügend Herausforderungen, die unsere volle Konzentration benötigen!

X22
0
2
Lesenswert?

Darf ich es so interpretieren

vergiss das der Griff auf die heiße Herdplatte dir schadet, solche Erfahrungen bringen dir für die zukünftigen Herausforderungen nichts

Lodengrün
1
22
Lesenswert?

Die Verdrängung

ist immer der leichte Weg und jener sich aus aller Schule zu befreien. Mit dem Blick auf die Vergangenheit und mit dem was man daraus gelernt hat kann man die Zukunft in Angriff nehmen.

Baldur1981
15
32
Lesenswert?

!!

Klare Antwort: ein Klerikalfaschist der die Demokratie zerstört hat.

Baldur1981
4
8
Lesenswert?

??

Wie kann man das anders sehen?