Reaktionen zur Sterbehilfe"Respekt für eine sensible, verantwortungsvolle Regelung"

Der für Lebensschutz zuständige Bischof Hermann Glettler begrüßt die restriktive Regelung für das neue Sterbeverfügungsgesetz. Auch Anwalt Proksch, der das Verbot gekippt hatte, zeigt sich großteils zufrieden.

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Bischof Hermann Glettler und Waltraud Klasnic © APA
 

Erste Reaktionen auf die Neuregelung der Beihilfe zur Selbsttötung durch die türkis-grüne Koalition fallen im Grunde positiv aus:

Anwalt Wolfram Proksch, der die Frage für vier Sterbewillige vor den Verfassungsgerichtshof gebracht hatte, zeigt sich im Gespräch mit der Kleinen Zeitung grundsätzlich zufrieden, "fast schon glücklich": "Das ist eine vernünftige Regelung, weit besser als erwartet" - einen Grund, gleich wieder vor den VfGH zu ziehen, gäbe es mit dieser Reform nicht mehr, sagt Proksch. Die an die Patientenverfügung angelehnte Möglichkeit zur Sterbeverfügung sei logisch aufgebaut und decke die wichtigsten Anliegen ab.

Kleinere Kritikpunkte gäbe es allerdings: So sei die ärztliche Beurteilung, was eine "schwere Krankheit" ausmacht, die für eine Verfügung notwendig ist, "noch immer von Paternalismus geprägt - und widerspreche dem Erkenntnis des VfGH, der nur auf Willensfreiheit und Autonomie wert lege. Erst in der Praxis werde sich zudem zeigen, wie streng etwa das Werbeverbot ausgelegt werde.

Bischof: "Sensibel und verantwortungsvoll"

Der für Lebensschutz zuständige Innsbrucker Bischof Hermann Glettler äußerte gegenüber Kathpress Respekt für "die Bemühung des Gesetzgebers, eine sensible und verantwortungsvolle Regelung vorzulegen". Der Verfassungsgerichtshof habe dem Gesetzgeber nicht einfach gemacht, Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen zu erlassen".

Glettler räumte ein, dass für den Gesetzgeber der Spagat zwischen einem Recht auf Selbsttötung mithilfe Dritter und dem Schutz vor äußeren Einflüssen oder innerem Druck, sich das Leben zu nehmen, groß sei. Der nun vorliegende Entwurf verfolge aus der Sicht des Bischofs einige wichtige Ansätze wie den mehrstufigen Beratungsprozess als Schutz vor Irrtum oder übereiltem Handeln.

Auch sei zu begrüßen, dass die Beihilfe zum Suizid nicht als ärztliche Leistung eingestuft werde. Dass jedoch "zusätzlich zur medizinischen Diagnose und palliativmedizinischen Aufklärung die Ärzte auch noch die Frage der Willens- und Entscheidungsfreiheit des Suizidwilligen zu klären haben, ist eigentlich nicht zumutbar", so Glettler. Hier sollte unbedingt noch eine Anpassung erfolgen, sodass die vom Notar zu erstellende Sterbeverfügung in jedem Fall notwendig ist.

Applaus für Hospiz-Aufstockung

"Höchst positiv" ist für Glettler das deutliche Bekenntnis zur substantiellen Aufstockung der Hospiz- und Palliativversorgung.

Ins selbe Horn stößt auch die Vorsitzende des österreichischen Hospizverbandes und ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic: Die Vervielfachung der Mittel für Hospiz- und Palliativmedizin sei "ein entscheidender und wichtiger Schritt, um Menschenwürde bis zum Lebensende zu gewährleisten". Das Vorhaben der Regierung sei sehr positiv: "Das Ziel ist klar: Jeder Mensch soll in Würde und möglichst schmerzfrei seinen letzten Lebensabschnitt verbringen und sterben und seinen Angehörigen unterstützend begleitet werden können", so Klasnic.

Kommentare (10)
rochuskobler
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Gegen die europäische Menschenrechtskonvention

..das Gesetz wurde für die Kirche und gegen die Menschen gemacht. Eine unheilbare Krankheit darf keine Voraussetzung für den assistierten Suizid sein, sonder der alleinige Wille jedes Volljährigen bzw. jeder Volljährigen ist ausreichend, dass ihm beim Suizid per Gesetz geholfen werden muss. Aber es wird hoffentlich nicht lange dauern, bis das Gesetz beeinsprucht und vom EUGH gekippt wird. Bis dahin wird es leider sehr viel Brachialsuizide geben.

GordonKelz
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Ein restriktives Gesetz ,man ist zumindest

zufrieden in kirchlichen Kreisen...wenn die zufrieden sind ist es für Betroffene eine
Katastrophe....das ist seit Jahrhunderten so !
Gordon

Mezgolits
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Die an die Patientenverfügung angelehnte Möglichkeit zur

Sterbeverfügung sei logisch aufgebaut und decke die wichtigsten
Anliegen ab.
Vielen Dank, aber diese Punkte fehlen:
1. Für minderjährige, aber sterbewillige Personen, haben die obsorge-
berechtigten Personen, für das Wohl dieser Personen zu entscheiden.

Mezgolits
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Notariell bestätigte Sterbeverfügung - Fortsetzung =

2. Für sterbehilfeempfangsberechtigte Personen, die ihr Lebensende
NICHT dem Zufall überlassen wollen, können sich im Fall einer nicht
mehr verbesserbaren, hoffnungslosen und verfügungsgewaltlosen
Lage, ihr Leben, von einer sterbehilfeberechtigten Person, verfassungs-
konform beenden lassen = die verfügungsgewaltlose Person, hat abso-
lut keine Verfügungsgewalt mehr und somit kann auch absolut KEINE
Verfügungsgewalt, von der sterbeverfügten, sterbewilligen - auf die
sterbehelfende Person, unzulässig übertragen werden = die sterbe-
helfende Person, betätigt (2-fach gefilmt) den Schalter für die ver-
fügungsgewaltlose Person für das Magnetventil für das ungiftige Gas.
= StGB § 4 = Keine Strafe ohne Schuld = es gibt NICHTS zu bestrafen.

deCamps
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Da hat sich wer die Mühe gemacht einiges aus dem belgischen Ethikvertrag fein säuberlich (größtenteils nahezu Wort für Wort) abzuschreiben.

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Ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass sich jetzt auch in Österreich was "natürliches menschliches der menschlichen Logik entsprechend" bewegt. Hochachtung und Respekt.
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Wenn man die Zahlen und Handlungsweisen in der Palliativmedizin ansieht, dann kann man erkennen, dass es sich hier genaugenommen um legalisierte Sterbehilfe handelt. Womit Spitäler und Sterbeinstitutionen Jahr für Jahr ein Millionen (Milliarden) Geschäft machen.

deCamps
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Welch ein Nonsens & Kokolores. Was sollte das mit der Kirche (Religion) riche zu tun haben?

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Der Lebensvorgang von Menschen von der Zeugung bis zum Tod ist nun einmal eine unverrückbare Tatsache. Eine natürliche menschliche, der menschlichen Logik entsprechende Abfolge vom Leben.

Summerrain777
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Sterbetourismus

Wer sind die Nächsten. Die Behinderten?
Ich bin schockiert, dass die Kirche dabei mitmacht.

Zuckerpuppe2000
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In der konservativen CH

Gibt es Sterbehilfe schon lange. Wieso soll jemand der frei und selbstbestimmt entscheidet, dahin siechen und leiden? Es ist nur ein abwarten bis das oft herbeigesehnte Ende kommt. Ich möchte auf jeden Fall selbst entscheiden und habe schon lange eine Patientenverfügung.

Summerrain777
13
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Sterbetourismus

Wer sind die Nächsten. Die Behinderten?
Ich bin schockiert, dass die Kirche dabei mitmacht.

GordonKelz
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Na , wieder nicht aufgepasst...Eintrag ins

Klassenbuch " Keine Mitarbeit!.....
Gordon