Norbert Hofer im PorträtAm Schluss der Coup: Keiner hat's gewusst

Der Mann, der es einmal fast in die Hofburg und danach in die Regierung schaffte, und der an den Widersachern in der eigenen Partei zerbrach.

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++ ARCHIVBILD ++ FPOe: NORBERT HOFER TRITT ALS PARTEICHEF ZURUeCK / HOFER
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Der Coup ist gelungen: Norbert Hofer hat die Reißleine gezogen, und keiner hat's vorher gewusst. Nachdem ihm so oft über Dritte - meist Medien - ausgerichtet worden war, wo es nach der Meinung anderer, vornehmlich jener von Noch-nicht-Parteichef Herbert Kickl, lang gehen sollte in der Partei, wird ihm das an diesem frühen Abend des 1. Juni durchaus Befriedigung verschafft haben.

Hofer ist exakt 50 Jahre alt - so manche Entwicklung der vergangenen Monate ließ ihn wesentlich älter aussehen. Insbesondere die ständigen Querschüsse des Klubobmannes im Parlament, der die FPÖ als Oppositionspartei schärfer und angriffiger positionieren will als es dem Naturell Hofers entspricht, belasteten sein Nervenkostüm.

Seinen Höhenflug hatte der scheidende FPÖ-Parteichef unter Vorgänger Heinz-Christian Strache, der ihn - fast gegen seinen Willen - an die Startlinie des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 brachte. Der Sager, „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!“ wurde im Wahlkampf von vielen Menschen als unverhohlene Drohung empfunden, wonach die Rechte des Bundespräsidenten auf bisher völlig unübliche Weise ausgeweitet werden könnten. Ein Jahr später wusste Hofer: Er hatte es nur fast geschafft, musste Alexander Van der Bellen den Vortritt lassen.

Norbert Hofer: Seine Zitate

Kickl sägt an seinem Stuhl

"Wenn die Katze aus dem Haus ist, feiern die Mäuse Kirtag." - FPÖ-Chef Norbert Hofer auf Reha, Klubchef Herbert Kickl macht Stuhlsäge-Party.

 

"Ich bin kein Klaus Kinski und Herbert Kickl ist kein Peter Alexander." - Schuster bleib bei deinem Leisten, empfiehlt Hofer.

APA/HANS KLAUS TECHT

Doch kein Berufspolitiker?

"Ich wollte eigentlich nie Berufspolitiker werden, es hat sich dann einfach so ergeben." - FPÖ-Chef Norbert Hofer stellt am "Tag der Arbeit" so einiges infrage.

APA/HERBERT PFARRHOFER

Coronakritisch

"Ich mache mir große Sorgen, was da mit den Kinderseelen passiert."- ... dazu gehören auch Coronatests in der Schule, nochmals Hofer.

APA/HELMUT FOHRINGER

Maskenstreit im Parlament

"Das freie Mandat erlaubt es, sich im Parlament der Hausordnung zu entziehen. Wer das tut, stellt sich aber in einer Selbstüberhöhung über alle Menschen, die sich an Regeln halten müssen."Norbert Hofer fordert beim Streit um das Tragen der Maske im Parlament das Einhalten der Hausordnung ein.

APA/ROLAND SCHLAGER

Impfen oder nicht?

"Ich werde mich impfen lassen." - Norbert Hofer ist die eigene Gesundheit wichtiger, er schert aus der gängigen Parteimeinung aus.

APA/HERBERT NEUBAUER

Viruseinschätzung

"Ein Grippevirus, das für über 80 Prozent der Bevölkerung nicht gefährlich ist" - Am 13. Mai 2020 forderte Norbert Hofer noch das sofortige Hochfahren des Landes.

APA/HANS KLAUS TECHT

Parteizerstörung

"Nie wieder werden wir an uns selbst scheitern." - FPÖ-Chef Norbert Hofer plant Titanisches.

APA/HERBERT NEUBAUER

Heimatpartei

"Corona ist nicht gefährlich. Da ist der Koran gefährlicher." - FPÖ-Chef Norbert Hofer definiert Islamophobie.

APA/HANS KLAUS TECHT

Nach der Corona-Quarantäne

"Ich nehme Befehle von meiner Tochter und meiner Frau entgegen. Sie können sich vorstellen, dass ich mich schon wieder sehr auf die Arbeit freue." - Norbert Hofer (FPÖ) scherzt (?) über seine Corona-Quarantäne - hier am Bild beim Präsidentschaftswahlkampf.

APA/ERWIN SCHERIAU

Gegen den ORF

"Gut, dass ich mich von der GIS abgemeldet habe." - FPÖ-Chef Norbert Hofer will sich vom ORF nicht zu den "Identitären" befragen lassen.

ORF

Nach Ibiza

"Für uns ist es eine Befreiung." - Spesensumpf und Postenkarussell: Strache wird aus der FPÖ geschmissen, Parteichef Hofer atmet auf.

APA/HWELMUT FOHRINGER

Da war die Welt noch in Ordnung

"Ich kann ihn ja nicht heiraten, um den Nachweis zu erbringen, dass wir uns gut miteinander verstehen." - Herbert Kickl, auch ohne Trauschein eng verbunden mit FPÖ-Chef Norbert Hofer.

APA/AFP/ALEX HALADA

Erfolgreichere Tage

"Schokolade ist seine große Schwäche." - Herbert Kickl zum Schmelzen bringen: FPÖ-Chef Norbert Hofer wusste vor einiger Zeit noch wie's geht.

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Danach kam die Regierungsbeteiligung der FPÖ - eine Konstellation, in der sich Hofer als Infrastrukturminister wohl fühlte. Und dann das Ibiza-Video - das unsanfte Ende des Kabinetts Kurz-Strache verhagelte Hofer einen gemütlichen, von langer Hand geplanten neuerlichen Anlauf zum Sprung in die Hochburg. Die flotte Lippe des Vizekanzlers kostete diesen den Job und die FPÖ den Platz an der Sonne. Die undankbare Rolle des Chefs einer Partei, die am Boden lag, und jene des Spitzenkandidaten bei der nachfolgenden Nationalratswahl übernahm Hofer. Die Spesen-Krise ließ ihn am Wahltag mit einem dunkelblauen Auge da stehen. Dass Philippa Strache kandidierte, um das geschrumpfte Familieneinkommen wieder aufzupeppen, kam weder nach innen noch nach außen gut an.

Zur Person

Norbert Hofer, geboren am 2. März 1971, in zweiter Ehe verheiratet, Vater von vier Kindern, ist gelernter Flugzeugtechniker.

1995 wurde er Stadtparteiobmann von Eisenstadt, 1996 Landesparteisekretär im Burgenland, 1997 Gemeinderat in Eisenstadt, 2005 stv. Bundesparteiobmann, seit 2006 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher, ab Oktober 2013 war er Dritter Nationalratspräsident.

2017 bis 2019 war er Infrastrukturminister (und Regierungskoordinator), seit Mai 2019 designierter und seit September 2019 gewählter FPÖ-Bundesparteiobmann. Nach der Nationalratswahl 2019 zog er wieder als Dritter Nationalratspräsident in Parlament ein.

Körperlich war Hofer oft angeschlagen - ein Paragleiter-Unfall, etliche Infektionen, zuletzt Covid machten ihm zu schaffen. Mit Zähigkeit und Energie kämpfte er sich jedes Mal zurück ins Geschehen. Zuletzt war er wieder drei Wochen auf Reha - Zeit zum Nachdenken, wie er heute einbekannte. Der Nachdenkprozess endete mit dem Entschluss, Schluss zu machen mit der politischen Karriere. 

Der gelernte Flugzeugtechnikeraus dem burgenländischen Pinkafeld ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater von vier Kindern. Heute fährt er wieder begeistert Mountainbike und schwebt als Pilot im Flugzeug durch die Lüfte.

Als Dritter Nationalratspräsident - diese Funktion will er bis zum Ende der Legislaturperiode behalten - war er über alle Parteigrenzen anerkannt, obwohl der Fan des umstrittenen Malers Odin Wiesinger einer der Chefideologen der FPÖ und keinesfalls deren liberalerem Lager zuzuordnen ist. Aber Hofer ist freundlich, offen und vermag es, eine gewisse Objektivität und Seriosität auszustrahlen. Mühelos wechselte er bei Wahlkampfauftritten zwischen sanften Tönen und strammem Appell.

So agierte er auch als Infrastrukturminister und Regierungskoordinator von Türkis-Blau. Niemand färbte sanfter und mit weniger Aufsehen um. Kritik an seiner Amtsführung gab es kaum, und das obwohl er weit rechts stehendes Personal ins Ressort mitbrachte. Sein Weg zur neuerlichen Hofburg-Kandidatur schien geebnet.

Dass Hofer nicht nur der schmeichelweiche Dauerlächler ist, hat er des öfteren bewiesen, weshalb ihm das Image des "Wolf im Schafpelz" umgehängt wurde. Auch Parteiausschlüsse bei den Freiheitlichen exekutierte er, der bereits mit 23 Stadtparteiobmann in Eisenstadt war, notfalls mit aller Härte, etwa im Falle des niederösterreichischen Klubchef, der meinte, zu Hitlers Geburtstag Grüße ausrichten zu müssen.

Nach dem mageren Wahlergebnis war es seine Aufgabe, die FPÖ als Koalitionsbraut für VP-Chef Sebastian Kurz wieder hübsch zu machen. Und wieder hatte er das Nachsehen gegenüber den Grünen. Der angriffige Herbert Kickl rückte im Parlament als Speerspitze der Freiheitlichen zum Klubobmann auf. Es dauerte nicht lange, bis sich die Angriffe auch gegen (zu) Sanftmütige in den eigenen Reihen, namentlich gegen Norbert Hofer, richteten. Die Doppelspitze konnte nicht funktionieren. Hofer zog die Konsequenzen.

Kommentare (2)
mtttt
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Das Team

ist ihm abhandengekommen. Schicksal der gemäßigten Fuehrungskraefte in der FPÖ. Regierungsfaehig wird der Haufen so nie mehr, die Alterecken scheiden altersbedingt aus, der Nazimist interessiert die jungen im er weniger, jetzt muss Kickl Obskuranten und ganz einfach gestrickte einfangen. Die Höhen eines Strache wird Kickl nie erreichen. Und Hofer hat gemerkt, dass er alleine zu Hause ist.

SoundofThunder
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Zu einfach.

Der will sich noch als "Unabhängiger" Kandidat für den Wahlkampf zum Bundespräsidenten positionieren.