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NeujahrsanspracheVan der Bellen: "Wollen wir jene Welt zurück, die wir vor der Pandemie hatten?"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen setzt in seiner Neujahrsansprache auf Optimismus - mahnt aber auch Vorausdenken ein, was nach der Pandemie geändert gehört. Zu sehen um 19.47 Uhr auf ORF2.

© APA/HBF/Carina Karlovits
 

"Dieses Jahr wird besser" - das verspricht Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seiner Neujahrsansprache im ORF, die am Freitagabend ausgestrahlt wird. Neben Glück und Gesundheit wünschte das Staatsoberhaupt auch "Mut zum Träumen". Denn, so der Bundespräsident: "Jetzt ist die Zeit, in der wir träumen sollten, wie wir unsere Welt verbessern können." Konkret sprach er etwa den Naturschutz, aber auch das Miteinander sowie Flucht und Armut an.

"Irgendwann in den nächsten Monaten wird sich langsam das Gefühl einstellen, dass die Pandemie vorbei ist oder zumindest unter Kontrolle", war Van der Bellen bemüht, Zuversicht zu versprühen. Allerdings plädierte er laut Redetext gleichzeitig dafür, das Jahr 2020 nicht so schnell wie möglich zu vergessen und zur Tagesordnung überzugehen. Vielmehr solle man "diese kurze Zeit der Stille, bevor das Jahr so richtig losgeht", zum Reflektieren und Nachdenken nutzen. "Denn wenn wir die Pandemie überwunden haben - und wir werden sie überwinden - wollen wir dann wirklich exakt in jene Welt zurückkehren, die wir davor hatten?"

Die wesentliche Frage lautet für Van der Bellen: "Welche Zukunft wollen wir sehen?" Jetzt sei die Zeit, "in der wir weiter blicken müssen" – "ohne Scheu, auch völlig neu zu denken, ohne Angst, zu groß zu denken", befand der Bundespräsident. "Wir sind zu unerhörten Leistungen fähig, wenn es darauf ankommt. Das hat doch das letzte Jahr bewiesen."

"Trend zur Unversöhnlichkeit und Aggression brechen"

Manche Gewohnheiten von früher seien durchaus problematisch, und man müsse sich entscheiden, ob man wirklich zu ihnen zurückkehren wolle, oder ob man die Welt neu und besser baue als die alte. "Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir uns angewöhnen, eine florierende Wirtschaft und eine blühende Natur nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als Ziele, die sich gegenseitig bedingen?", schlug Van der Bellen vor. So gebe es viele neue, klimaorientierte und nachhaltige Technologien, die zum Motor eines neuen Aufschwunges werden könnten.

"Und wie wäre es, wenn wir den schreienden Gegensatz zwischen wohlbehütet und auf der Flucht oder zwischen Arm und Reich abmildern würden?", meinte Van der Bellen außerdem. Der Bundespräsident betonte auch, dass die Gesellschaft durch gegenseitigen Respekt stärker werde. "Wie wäre es, wenn wir den Trend zur Unversöhnlichkeit und Aggression brechen, den Trend sich in die eigene virtuelle Blase zurückzuziehen und andere Meinungen erbittert zu bekämpfen?" Van der Bellen appellierte außerdem an die Bevölkerung, "unser wunderschönes Österreich und die liberale Demokratie", aber auch die Europäische Union wieder mehr zu schätzen.

Die ganze Ansprache im Wortlaut

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle Menschen, die hier leben.

Nun ist er also da: Der erste Tag des Neuen Jahres. Zweitausend und einundzwanzig. Dieser erste Tag hat stets einen eigenen Charakter. Das alte Jahr ist vorüber und das neue hat noch nicht richtig begonnen. Eine gewisse Ruhe ist für gewöhnlich fühlbar an diesem ersten Tag des Jahres. Und heuer, inmitten eines weiteren Lockdowns, ist diese Stille noch ein wenig tiefer.

Ein neues Jahr liegt vor uns. Wir spüren noch die Last des alten, die Last der Pandemie. Aber viele von uns spüren trotz allem eine hoffnungsfrohe Erwartung, wie sie nur am Beginn von etwas Neuem stehen kann, wenn alle Möglichkeiten offen und alle Träume noch frisch sind.

Dieses Jahr wird besser. Schon beginnen die Impfungen. Für die Zukunft scheint wieder alles möglich. Aber diese kurze Zeit der Stille, bevor das Jahr so richtig losgeht: Nutzen wir sie zum Reflektieren, zum Nachdenken. Das ist wichtig. Denn wenn wir die Pandemie überwunden haben, und wir werden sie überwinden, wollen wir dann wirklich exakt in jene Welt zurückkehren, die wir davor hatten?

Jetzt ist die Zeit, in der wir träumen sollten, wie wir unsere Welt verbessern können. Jetzt ist die Zeit, in der wir weiter blicken müssen. Für uns, für unsere Kinder, unsere Enkelkinder. Ohne Scheu, auch völlig neu zu denken. Ohne Angst, zu groß zu denken. Wir sind zu unerhörten Leistungen fähig, wenn es darauf ankommt. Das hat doch das letzte Jahr bewiesen. Wenn die Forscherinnen und Forscher, wenn wir Menschen es hinbekommen, innerhalb von kürzester Zeit eine Impfung gegen das Corona-Virus zu entwickeln, was können wir noch alles erreichen?

Manche Gewohnheiten, die wir kaum mehr hinterfragt haben, waren durchaus problematisch. Wir müssen uns entscheiden, ob wir wirklich zu ihnen zurückkehren wollen. Oder ob wir den Einschnitt von 2020 als Nachdenkpause nützen und unsere Welt neu und besser bauen als die alte. Ich möchte Sie dazu ermuntern.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir uns angewöhnen, eine florierende Wirtschaft und eine blühende Natur nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als Ziele, die sich gegenseitig bedingen? Es gibt so viele neue, klimaorientierte und nachhaltige Technologien, die zum Motor eines neuen Aufschwunges werden können. Sehen wir die Herausforderungen als Chance, etwas Neues, viel Besseres, Angemesseneres für Mensch und Natur zu schaffen: Das wünsche ich mir für Österreich. Das wünsche ich mir für Europa.

Das gilt auch für unser Zusammenleben. Wie wäre es, wenn wir den Trend zur Unversöhnlichkeit und Aggression brechen, den Trend sich in die eigene virtuelle Blase zurückzuziehen und andere Meinungen erbittert zu bekämpfen. Wie wäre es, wenn es damit jetzt vorbei wäre? Und wir unseren Frieden schließen mit der Erkenntnis, dass wir nur durch Gegensätze wachsen und lernen können? Und dass unsere Gesellschaft durch gegenseitigen Respekt nur stärker wird?

Dass ein Posting niemals ein persönliches Gespräch, dass ein „Like“ niemals ein echtes Lächeln ersetzen kann? Dass wir uns nicht auf die Schwächen, sondern unsere gemeinsamen Stärken konzentrieren? Wie wäre es, wenn wir unser wunderschönes Österreich und die liberale Demokratie wieder mehr schätzen würden? Und die Europäische Union, diese weltweit einzigartige Errungenschaft? Wenn wir gemeinsam mit unseren Europäischen Freunden ernsthaft beginnen würden, auch eine global positiv gestaltende Kraft zu werden? Das geht, glauben Sie mir.

Und wie wäre es, wenn wir den schreienden Gegensatz zwischen wohlbehütet und auf der Flucht oder zwischen Arm und Reich abmildern würden? Und auch das geht, glauben Sie mir.
Meine Damen und Herren,

irgendwann in den nächsten Monaten wird sich langsam das Gefühl einstellen, dass die Pandemie vorbei ist oder zumindest unter Kontrolle. Lassen Sie uns dann das Jahr 2020 nicht so schnell wie möglich vergessen und zur Tagesordnung übergehen. Erinnern wir uns dann an diese Zeit zwischen den Jahren. Und an das Gefühl, wie offen und gestaltbar unsere Zukunft ist, wenn wir das wollen. Und zwar nicht nur am Neujahrstag, sondern an jedem neuen Tag. Lassen Sie uns diese Pause nützen und gemeinsam träumen: Welche Zukunft wollen wir sehen? Dann haben wir den ersten Schritt in eine bessere Welt schon getan. Und lassen Sie uns dann den Mut fassen und unsere Träume gemeinsam verwirklichen.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle Menschen, die hier leben!

Ich wünsche Ihnen und allen, die Sie lieben, ein wunderbares Jahr 2021. Ich wünsche Ihnen Glück und – natürlich – Gesundheit. Und den Mut zum Träumen. Möge es für uns alle ein gutes Jahr werden.

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Danke für Ihr Verständnis.

vaeribas101
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Hervorhebenswert

„Wie wäre es, wenn wir den Trend
zur Unversöhnlichkeit und Aggression brechen,
den Trend, sich in die eigene virtuelle Blase zurückzuziehen
und andere Meinung erbittert zu bekämpfen?
Wie wäre es, wenn es damit jetzt vorbei wäre?“

(Alexander Van der Bellen,
in seiner Neujahrsansprache 2021,
zitiert im obigen Beitrag)

vaeribas101
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Mein erstes rotes Stricherl!

Jippie,
juchhe und tralala,
mein erstes rotes Stricherl
ist endlich da!

Jetzt wär‘ es fein,
wenn sich noch jemand fänd’,
der auch meinen ersten Beitrag hier,
bei https://www.kleinezeitung.at/kultur/5884299
so honorieren könnt‘ ...

Isidor9
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Unerträgliche Leblosigkeit

Er ist ja kein unguter Mensch der Präsident, tausendmal besser als der Hofer ,den man sich ja niemals als 1.Mann des Staates vorstellen will, aber irgendwie kann ich sein salbungsvolles, pfarrerhaftes , Geseiere nicht mehr hören. Ich schalte sofort um ,denn das Gerede des alten Mannes ist inzwischen unerträglich für mich. Ausserdem wirkt er schon so leblos und zerbrechlich. Wird auchbschon Zeit für einen Generationenwechsel. Eine Frau wäre gut.

zweigerl
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Güte

Was wollen Sie - Güte ist die Haltung der weisen Patriarchen und Monarchen, die politisch sonst nichts mitzureden haben. VdB optierte immerhin früher für eine rebellische Zukunftspartei.

Airwolf
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VDB

Träum weiter BP VDB.

freeman666
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Schöne Worte - Schönes Träumen

Wie schön wäre es doch eine bessere Welt durch Träume gestalten zu können.
Leider schaut die Realität anders auch, rotgrüne Träume haben aus einigen Wiener Bezirken Areale gemacht, die viele Menschen bereits meiden.
Die jüngsten Ereignisse in Favoriten zeigen die immer schneller laufende Entwicklung wo diese Träume gelandet sind:
In Krawallen, Zerstörung , Parallelgesellschaften,
Fein, dass Menschen noch träumen können, diese Träumer sind wichtig: In Kultur, als Autoren, Kinderbetreuer, Fernsehonkels aber bitte nicht in der Politik, da haben diese realitätsfernen Traumtänzer unser traumhaftes Österreich zerstört.

Civium
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Wo haben sie ein zerstörtes Österreich??

So etwas gibt es in allen Ländern und in Städten und in freien Demokratien, ja in Diktaturen gibt es so etwas nicht, weil sie es auch nicht öffentlich machen!!
Ganz ehrlich in einer Diktatur möcht ich nicht leben, ich denke sie auch nicht!!??
In einer Diktatur würden wir beide uns hier gar nicht begegnen!!

wischi_waschi
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Civium

Wachen, Sie auf, wir leben zur Zeit in einer Diktatur.
Man darf nichts gegen die Regierung sagen.............
Kann ein Lied davon singen......

Mein Graz
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@wischi_waschi

Diktatur?
Blödsinn.

Und selbstverständlich kannst du was gegen die Regierung sagen, du tust es hier doch gerade und bist weder gelöscht noch verhaftet.

Hausberger
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„Kurzer“ Blick nach Israel!

Sonst nimmt unser kurzer BK jeden Ratschlag an, aber wenn die dort jetzt schon 1 Mio. Bürger geimpft haben, hört man nix? Tolles, kurzes Krisenmanagement!!

cathesianus
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Danke, Herr Van der Bellen!

Immer wieder bin ich dankbar, dass wir Sie als Bundespräsident haben und nicht Herrn Hofer (mit Einflüsterer Kickl)!
Danke für Ihre positiven Worte und Ihr besonnenes, wirklich staatsmännisches Wirken!

kukuro05
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Sg.UHBP

Gute Absicht, sie wird kein Gehör finden.
Wir befinden uns im Krieg. Im Krieg der Worte.
Als nächstes kommt der Krieg der Taten.
Und dann werden wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen und niemand wird dagegen etwas unternehmen.
Man hat es schleifen lassen. Viel zu lange.
No way out!

styriart
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Ja

Das war eine Neujahrsansprache, wie sie von einem BP sein sollte. Unpolitisch. Und nüchtern betrachtet wahr mit jedem Wort.

gallorosso
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Ein BP wie man sich es wünscht!

Trotz der klaren Botschaft und Sprache unseres BP werden viele es leider nicht verstehen ...

Smusmu
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Gute Worte, keiner hat’s verstanden.

Wenn ich mir die Kommentare hier lese, kommt mir das Grauen vor der näheren Zukunft.

kukuro05
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und die KLZT lässt diese bösartigen Kommentare stehen!

Ich unterstelle den Medien bewusste willkürliche Spaltung der Gesellschaft!

KleineZeitung
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Löschen oder Nicht-löschen?

Es ist immer eine Gratwanderung, was gelöscht werden soll und was nicht. Politiker müssen sich leider viel Kritik (auch bösartige) gefallen lassen. Ansonsten müssten wir wohl viel mehr Kommentare löschen. Bei persönlichen Beleidigungen unserer Leser untereinander sind wir dafür strenger.

Auf der Seite "Rechtsinformation des Bundes" hab ich Folgendes gefunden:
"Da die Freiheit der politischen Debatte einer der Pfeiler des Konzeptes einer demokratischen Gesellschaft ist, sind die Grenzen einer vertretbaren Kritik in Bezug auf einen Politiker, der in seiner öffentlichen Eigenschaft auftritt, weiter zu ziehen als in Bezug auf eine Privatperson. Jeder Politiker setzt sich selbst unvermeidlich und willentlich einer genauen Beurteilung jeder seiner Worte und Taten nicht nur durch Journalisten und das breitere Publikum, sondern insbesondere auch durch den politischen Gegner aus."

Dass Kritik ohne Untergriffe und Bösartigkeit besser wäre, bleibt wohl unbestritten!
Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion

Civium
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Wenn sie das nicht tun würde , wäre sie nicht

unabhängig!

Möchte auch keine Zeitung lesen wo nur eine Meinung zugelassen ist.
Auch der Herr Bundespräsident, denn sie sehr schätzen möchte das sicher auch nicht.,
In einer Demokratie entscheidet die Mehrheit und sie ergibt zu 85 Zustimmung für unseren Präsidenten!
Sehr beruhigend!!!!!!!

Civium
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!

85 Prozent!!

ReinholdSchurz
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Robert Heinrich der Erste Satire Kaiser😀

Ja ich wünsche mir auch einen Tag zurück, 25.01.2017 aber Blödsinn ich bin für die Abschaffung des Amtes.
Ich halte es mit dem Schweizer Vorbild, man könnte das viele Geld sinnvoller verwenden💉🇦🇹

rupert75
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Aha

Der braucht nur die Regierung entlassen
Dann haben wir unser altes Leben zurück

ute08
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Aha hmm

Da haben sie aber nach fast einem Jahr Pandemie noch nicht viel geschnallt, @rupert75

stadtkater
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Lieber die alte Vor-Corona-Welt,

als das Paradies der Grünen!

walterkaernten
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Bundespräsident

Ich bin dafür, dass wir steuerzahler das AMT des BUNDESPRÄSIDENTEN abschaffen und so gestalten wie in der SCHWEIZ. Da macht den job abwechselnd ein(e) ministerIN mit.

Mit dem ersparten geld SCHULDEN zurück zahlen.

HansWurst
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Wie

naiv kann man denn sein???

Civium
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Nein Danke, ihre Idee ist

abzulehnen weil es eine unabhängige Instanz auf politischer Ebene geben muss!!
Wir brauchen keine Minister aus irgendwelchen Parteien die für eine Periode gewählt sind als Präsidenten!!
Ein Präsident ist unabhängig und nicht der Handlanger von Ministern und Lobbyisten, nein er kontrolliert die Regierung und ist Hüter der Verfassung über der Regierung und Parlament.
Ausserdem ist er wirklich die einzige Person die vom Volk direkt gewählt wird und eingesetzt wird.
Erinnere an das undemokratischte Ereigniss was sich in der zweiten Republik abgespielt hat, als dieser heute abgelehnte Haider den Schwächsten gewählten zum Bundeskanzler gemacht hat!!
Wir brauchen keinen Erherzog oder Kaiser, nein wir brauchen einen Bundespräsidenten!!!

 
Kommentare 1-26 von 36