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Porträt Brigitte BierleinDas sollten Sie über die erste Kanzlerin in Österreich wissen

Im Vorjahr wurde die Wienerin erste Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs, nun erste Chefin im Kanzleramt am Ballhausplatz.

Brigitte Bierlein
Brigitte Bierlein © (c) APA/HANS PUNZ
 

Die große Karriere kam spät, dann aber nachdrücklich. Zwei Jahre vor der Pension wurde Brigitte Bierlein im Vorjahr erste Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs, nun wird sie Österreichs erste Regierungschefin. Die 69-Jährige wird dem bürgerlichen Lager zugerechnet.

Dass sie ihre größten Karriereschritte - jenen zur Vizepräsidentin und später zur Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs jeweils unter schwarz- bzw. türkis-blauen Regierungen machte, ist kein Zufall. Der Wienerin werden gute Kontakte nicht nur zur ÖVP, sondern auch zur FPÖ nachgesagt. Parteimitglied ist sie allerdings nicht.

Eigentlich hatte sie ihre Laufbahn 2003 mit dem Vorrücken in den VfGH schon als gekrönt erachtet. Damals gestand sie einen "gewissen gesunden Ehrgeiz" ein, der gepaart mit "viel Spaß an der Arbeit" wohl auch nötig war, um sich als Frau in der früher stark männlich dominierten Welt der Juristen durchzusetzen.

Schnörkellose, gerade Ansagen

In dieser Welt war die stets um ein elegantes Äußeres bemühte Juristin schon als Standesvertreterin nicht nur mit ihrer fachlichen Qualifikation, sondern auch mit resolut-selbstbewusstem Auftreten und schnörkellos-geraden Ansagen aufgefallen. 1977 von den Richtern zu den Staatsanwälten gewechselt, engagierte sie sich in der Vereinigung Österreichischer Staatsanwälte - und wurde dort 2001 zur Präsidentin gewählt. Auf diese Funktion musste sie mit dem Eintritt in den VfGH verzichten. Vor dem Wechsel in das Höchstgericht war sie nicht weniger als zwölf Jahre Generalanwältin in der Generalprokuratur.

Nur ganz am Beginn war die gebürtige Wienerin nicht ganz so zielstrebig: 1949 als Tochter eines Beamten geboren, wollte sie eigentlich Kunst oder Architektur studieren. Die Mutter (die selbst eine Kunstausbildung hatte) riet ihr ab, Bierlein entschied sich für Jus - und ab diesem Moment ging es geradeaus nach oben: In nur vier Jahren absolvierte sie das Studium, mit 26 legte sie die Richteramtsprüfung ab, mit 28 Jahren wurde sie zur Staatsanwältin ernannt, mit 41 Generalanwältin, 2003 Vizepräsidentin am VfGH und am 1. Jänner 2018 dessen Leiterin. Dass sie jetzt allenfalls über ihren Nachfolger mitbestimmen könnte, ist nicht ganz unheikel.

Zur Person

Brigitte Bierlein, geboren am 25. Juni 1949 in Wien, Lebenspartnerschaft, keine Kinder.

1971 zur Dr. jur. promoviert, 1975 Richteramtsprüfung, Richterin am Bezirksgericht Innere Stadt und am Strafbezirksgericht Wien, ab 1977 Staatsanwältin, 1986 Wechsel in die Oberstaatsanwaltschaft Wien, 1987 Strafrechtssektion im Justizministerium, dann wieder OStA. 1990 bis 2002 Generalanwältin in der Generalprokuratur.

1995 Vorstandsmitglied, von 2001 bis 2003 Präsidentin der Vereinigung Österreichischer Staatsanwälte. 2003 Vizepräsidentin, seit 1. Jänner 2018 intermistische Leiterin des VfGH.

Für Familie blieb der Wienerin keine Zeit, sie hätte es sich nicht vorstellen können, Job und Kinder unter einen Hut zu bringen, sagte Bierlein in Interviews. In ihrer Freizeit besucht Bierlein gerne Vernissagen und Ausstellungen sowie - wenn es die Zeit zulässt - Oper und Theater. Auch sammelt sie Kunst, hat etwa einen Josef Mikl zu Hause hängen. Nur am Rande mit Kultur zu tun hat, dass sie erst vor Kurzem zur Leiterin der Sonderkommission zum Skandal in der Wiener Ballett-Akademie bestellt wurde.

Kommentare (11)

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HerbertStoeckl
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Vizepräsidentin, seit 1. Jänner 2018 intermistische Leiterin des VfGH.

in·te·ri·mis·tisch

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Sepp57
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Wieso hat man denn

nicht gleich die Experten gelassen, die nach Kurz da waren?

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ppezi
4
9
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neubesetzung...

...weil die SPÖ Neidisch war und das nicht wollte und die FPÖ auf Rache aus war.. nur deswegen ersetzn Experten die Experten

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leserderzeiten
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Wolln's es nicht verstehen, oder ist's echt zu hoch?

Ernst gemeinte Frage.

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Jodl
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Weil der Nationalrat ihnen...

... das Misstrauen ausgesprochen hat.

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fb8c5979bbc675269158ad09e1b08b2e
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Womit man dank VdB ...

... mal für die nächsten Monate erwarten darf, dass die Politik dem Recht folgt - und nicht umgekehrt.

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Hausverstand100
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Nur einmal ein paar Fragen:

Wer macht die Gesetze? Doch die Politik, oder?
Wodurch wird wird geltendes Recht markiert?
Doch durch die Gesetze, oder?
Wer bzw. was folgt also wem?
Ich mag den Kickl auch nicht,, halte ihn für total gefährlich, muss ihn deshalb aber nicht absichtlich missverstehen

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CuiBono
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Eine Wohltat

nach all den seltsamen partei- und ideologiegesteuerten Egomanen der letzten Jahre. Das war wohl die absolute Negativauslese der Republik, inklusive der installierten Entouragen.

Ich bin sicher, DAS wird eine gute Regierung und das Fremdschämen hat endlich mal ein Ende.

Und ich hoffe, das Parlament hält sich mit dem Neuwahlantrag zurück und lässt die Neuen erst mal arbeiten. Am Besten die nächsten drei Jahre bis zum Ende der Legislaturperiode.

Vielleicht haben bis dahin ja dann - zack, zack, zack - unsere Politparteien den wahren Sinn einer Bundesregierung wieder erkannt, nämlich für das Wohl des STAATES und seiner BÜRGER zu arbeiten und nicht für die eigene Partei oder das eigene Wohl.

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ohooho
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da hätten sie

ja gleich die kurz behalten können

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mrtl27
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Gratulation

Mit Brigitte Bierlein wurde eine kompetente Persönlichkeit ausgewählt. Herzliche Gratulationen an UHBP!

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Flogerl
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Alle Achtung !

Mir persönlich gefällt Ihre ruhige überlegte Art. Mal schauen, was die Zukunft uns und Ihr bringt. Ich bin aber zuversichtlich, dass es sich bei Frau Bierlein um die richtige Wahl für die Zeit bis zur Wahl handelt !

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