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Schulsprache Deutsch"Darüber kann ich nur den Kopf schütteln"

In unseren Schulen soll auch in der Pause Deutschpflicht gelten, fordert die FPÖ. Von Minister Faßmann gibt es eine Absage. Die Meinungen in der Steiermark gehen auch auseinander.

© (c) AP (Frank Augstein)
 

Geht es nach der oberösterreichischen Landesregierung, sollen alle Schüler in Österreichs Schulen verpflichtend Deutsch sprechen – auch dann, wenn sie gerade in der Pause sind. Diese Forderung wurde von der oberösterreichischen FPÖ erneuert und wird auch vom Koalitionspartner ÖVP auf Landesebene mitgetragen. Ein von der FPÖ in Auftrag gegebenes und jüngst vorgelegtes Rechtsgutachten komme zu dem Schluss, dass eine Deutschpflicht auch abseits des Unterrichts durchsetzbar sei.

Eine entsprechende Umsetzung ist Bundessache, doch Bildungsminister Heinz Faßmann erteilte dem Anliegen eine klare Absage. Denn der mit der Causa befasste Verfassungsdienst kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach wäre ein solches Gebot "sachlich nicht gerechtfertigt", sagt Faßmann. Es gebe klare verfassungsrechtliche Bedenken.

Während Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) das Nein aus Wien bedauert, aber akzeptiert, ist sein Stellvertreter auf FPÖ-Seite, Manfred Haimbuchner, erzürnt und unterstellt Faßmann ideologische Beweggründe. Die FPÖ versucht seit 2010, im Landtag die verpflichtende Verwendung der deutschen Sprache auch in den Pausen durchzusetzen. Acht Anträge – drei davon gemeinsam mit der ÖVP – sind gescheitert.

Deutsch-Pflicht in der Schulpause

Auch die praktische Umsetzung eines solchen Gebots ist nicht geklärt. Faßmann: „Wie stellt man sich das vor? Der Klassenlehrer geht wie ein Spitzel in der Pause herum und kontrolliert, wie die Schüler sprechen?“ Für FPÖ-Klubchef Herwig Mahr ist diese mit ironischem Unterton versehene Frage des Bildungsministers „völlig inakzeptabel“. In Oberösterreich wolle man sich wieder auf eine Lösung auf Landesebene konzentrieren. Stelzer spricht davon, die deutsche Sprache auf freiwilliger Basis in den Hausordnungen der Schulen zu verankern. Bei Missachtung solle nicht gestraft werden, vielmehr solle die Einhaltung des Gebots belohnt werden.

Situation in der Steiermark

Geteilt sind die Meinungen in der Steiermark. Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner (ÖVP) kann einer Deutschpflicht etwas abgewinnen – wenn auch nicht generell: "Ich plädiere für Deutsch in der Pause für alle Kinder an einigen ausgewählten Standorten", sagt sie. Die Maßnahme müsste "wissenschaftlich begleitet und dann präzise analysiert" werden – um festzustellen, ob die Kinder ihren Sprachschatz schneller erweitern, wenn sie in der Schule nur Deutsch sprechen.

Jede Maßnahme müsse ausgeschöpft werden, Kindern beim Erlernen der Unterrichtssprache zu helfen, so Meixner. Die Diskussion in Oberösterreich und die Reaktion des Ministers will sie nicht kommentieren.

Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) hingegen lehnt ein Deutschgebot in den Pausen gänzlich ab: "Über diese Forderung kann ich nur den Kopf schütteln – weil sie nicht umsetzbar ist und noch viel mehr, weil sie sinnleer ist." Kindern ihre Muttersprache zu verbieten, richte enormen Schaden an: "Nur wenn ich meine Erstsprache beherrsche und pflege, kann ich eine andere Sprache lernen." Und Lackner: "Welche fremdsprachenfreien Zonen definieren wir als Nächstes? Die Straßenbahn?"

Die Landesrätin vertraut bei dem Thema "auf die Kompetenz der Schulleiter, mit Mehrsprachigkeit umzugehen". Sie habe für die Schulen Unterstützungsmaßnahmen initiiert.

Situation in Kärnten

In Kärnten ist man durchwegs auf Linie des Ministeriums, das Nein Faßmanns sei zu begrüßen. „Der Vorschlag ist weder für die Integration förderlich noch sonst in irgendeiner Form seriös oder verantwortungsbewusst. Unsere Kinder sollen andere Kulturen und Sprachen kennen- und verstehen lernen“, sagt Landeshauptmannsprecher Andreas Schäfermeier. Wer heute noch immer nicht begriffen habe, dass Mehrsprachigkeit ein unschätzbarer Vorteil ist, der sei offenbar in der Vergangenheit stecken geblieben. „Kärnten ist mehrsprachig und nicht einsprachig“, sagt Schäfermeier. Abgesehen davon wolle die FPÖ mit dieser „polit-steinzeitlichen Idee“ nur von der geplanten Abschaffung der Notstandshilfe ablenken.

Als „pädagogisch wertlos“ bezeichnet Bildungsdirektor Robert Klinglmair eine verpflichtende Sprache für den Schulhof. Man wisse weder, wie man die Einhaltung kontrollieren sollte, noch, wie man Verstöße sanktionieren könne. „Das ist einfach nicht durchführbar. Sprache und Bildung sind ein wesentlicher Faktor für Integration. Dafür verfolgen wir auch zahlreiche Maßnahmen und Konzepte. In der Pause sollte aber jeder Schüler das Recht haben, sich in der Sprache seiner Wahl zu unterhalten“, sagt Klinglmair. Zudem sei der Anteil an Migranten in Kärnten im bundesweiten Vergleich ohnehin sehr gering.

Nichts abgewinnen können einer verpflichtenden Schulhofsprache auch Ilse Fina und Gerlinde Kranner. Die Direktorinnen der Volksschule St. Ruprecht in Klagenfurt und der Khevenhüller-Schule in Villach haben einen besonders hohen Anteil an Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache in ihren Klassen. Deutsch würde hier deshalb oft zwangsläufig zur gemeinsamen Sprache führen. „Ein guter Zugang zur Muttersprache ist auch ein guter Zugang zur Bildungssprache“, sagt Fina. Man müsse den Schatz der Muttersprache auch als solchen sehen. Abgesehen von der nicht umsetzbaren Kontrolle sei eine Deutschpflicht auch pädagogisch nicht sinnvoll. „Man würde das Kind damit mundtot machen. In meinen Augen sprechen wir hier von einem Menschenrecht“, sagt Kranner.

Die Wichtigkeit der Bildungssprache Deutsch sei damit nicht infrage gestellt. Immerhin spreche man bei den Pausen von lediglich 20 Minuten des gesamten Schultages.

 

Kommentare (14)

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UHBP
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Elisabeth Meixner (ÖVP): Die Maßnahme müsste "wissenschaftlich begleitet und dann präzise analysiert" werden – um festzustellen, ob die Kinder ihren Sprachschatz schneller erweitern, wenn sie in der Schule nur Deutsch sprechen.

Ich könnte diese Studie durchführen: Glaube €200.000,- wären angebracht.
Die Frage ist ja: Lernen Kinder schneller eine Sprache, wenn sie diese (häufiger) Sprechen?
Antwort: JA
Kontonummer für die Überweisung der Kosten für das Gutachten folgt!

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X22
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Der Auftrag war schon vergeben, das kannst nicht machen

:)

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jg4186
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Unkontrollierbar und kurzsichtig

Das ist zuerst einmal unkontrollierbar! Sollen Lehrer neben jedem Schüler ausländischer Muttersprache stehen und kontrollieren? Einen Kontrollstaat wollen wir nicht!
Und dann vor allem: Kinder lernen sehr schnell eine neue Sprache. Das geschieht im Unterricht, in den Pausen mit den Mitschülern, in der Freizeit. Aber ihre angestammte Sprache sollen sie auch weiterhin lernen, üben. Zwei- und mehrsprachige Kinder sind dann einmal eine echte Bereicherung unserer Gesellschaft, werden dann beste Chancen bei der Arbeitssuche haben. Je mehr Sprachen einer kann, umso besser.

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tomtitan
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"Aber ihre angestammte Sprache sollen sie auch weiterhin lernen, üben." - ja richtig, sollen sie

aber ich nehme an, das werden sie sowieso zuhause tun. Bezüglich Kontrolle gebe ich ihnen vollkommen recht.

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lieschenmueller
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Faßmann ist der einzige Minister dieser Regierung, den ich mag

Man könnte als Leitbild die deutsche Sprache in den Pausen vorgeben.

Aber doch nicht wie die Stasi kontrollieren, das hieße den Gesprächen zuhören. Schon die Idee daran ist - ja was eigentlich? Typisch für eine Partei bei uns ist die Antwort!

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Sam125
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Darüber kann man nur den Kopf schütteln!

Annahme: in den 90ger Jahren sind wegen des Jugoslawien Krieges, auch Migranten zu uns gekommen! In den Schulen waren immer wieder ein zwei Schüler davon, vielleicht in den Klassen! Da sie in den Schulen nur
vereinzelt vertreten waren, mussten sie so schnell wie möglich Deutsch lernen, um sich mit den Mitschülern verständigen zu können! Und wie das funktionierte, denn aus den Migranten von damals wurden meist mehrsprachige und studierte Österreicher, die auf der ganzen Welt erfolgreich sind! Was passiert jetzt? Es sind in den Schwerpunktschulen, die deutschsprachigen Schüler ja schon die Minderheit und die Migranten sprechen eigentlich überall, außer in den paar Deutschstunden, nur mehr in ihrer Sprache!Und das, natürlich auch Daheim! Und zum darübersreuen gibt es ja das Fernsehern,das aus aller Welt sendet und natürlich das Internet!Ja wir züchten uns"Sozialhilfeempfänger", aber von diesen gibt es ja sowieso schon genug in Österreich! Schaut nach Kanada, wie die es machen!

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X22
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Ja die haben keine so be­schei­dene Regierung, die denken bevor sie etwas entscheiden und umsetzen wollen

da haben unsere kläglich versagt, und die Jetzigen machens noch schlimmer, weil's überhaupt keine Integration zulassen wollen

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Mena_2281
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In die Lage anderer versetzen

Nehmen wir an ich wäre aus beruflichen Gründen gezwungen ins Ausland zu ziehen, um dort eine tolle Arbeit anfangen zu können. China oder Japan, oder Dubai. Und unsere Kinder wären dann gezwungen an den Schulen in den Pausen chinesisch, japanisch oder arabisch zu reden? Warum?
Für Nicht-Deutsche Menschen ist Deutsch eine schwere Sprache. Man sollte es ihnen nicht erschweren, sondern leichter machen diese Sprache zu lernen.

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paulrandig
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Ojeoje!

Wir hatten im Gym für ein Semster eine Schülerin aus Neuseeland zu Besuch. Unterricht in Deutsch, Umgang in einer Mixtur aus Deutsch und Englisch. Ich habe selten so gut Englisch gelernt wie in diesen Pausen!

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Balrog206
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Paul

Dann gehst halt einmal an eine Schule in Graz - Grieß oder in Wien ! Du redest von einer Schülerin und nicht von 99% in der ganzen Schule !

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X22
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Lieber Zuwanderer Balrog, du kannst dich schon sehr gut Ausdrücken, nur in Österreich bezeichnet man als Grieß eine zerkleinerten Weizen, den man zB. als Grießbrei genießen kann

Der Bezirk in Graz nennt sich Gries und hat auch keinen Zusammenhang mit dem Grieß, sondern mit der Flusslandschaft anno dazumal.
Interessieren würde mich aber die Anzahl der Schulen mit 99% und wo genau, sowie der Prozentsatz der Vorkommens Häufigkeit. Und wer deiner Meinung nach, an der Verteilung schuldig ist

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Nora
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Treten Sie zurück,Frau Meixner!

Sprachvorschriftenauf den Schulhöfen!Wo sind wir denn?Und das befürwortet auch noch die Bildungsdirektorin!Da kann man nur den Kopf schütteln,da erübrigt sich jedes weitere Wort!Frau Meixner,Sie habe von der Materie absolut keine Ahnung!Treten Sie zurück und züchten Sie Rosen!Da können Sie nichts anstellen !

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47er
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Diese Frau als Rosenzüchterin,

gibt es da nicht lateinische Namen für alle Pflanzen.

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tomtitan
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Um die Rosen

wäre es aber auch schade...

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