Immer, wenn in der niederösterreichischen SPÖ nach einem neuen Chef gesucht wurde – in der nicht von übermäßigem Wahlerfolg verwöhnten Landespartei nicht so selten –, blickten Genossen wieder nach Purkersdorf. Denn dort, an der Spitze der 10.000-Einwohner-Gemeinde an der Wiener Westeinfahrt, stand eine der echten Persönlichkeiten der niederösterreichischen Sozialdemokratie: Ex-Innenminister Karl Schlögl.

Vier Jahrzehnte war er auf verschiedenen Ebenen in der Politik - Ende Oktober nimmt Schlögl den Hut als Bürgermeister von Purkersdorf. Er sei immer mit ganzem Herzen und viel Einsatz bei der Sache gewesen, blickte der frühere Innenminister in einer Pressekonferenz am Donnerstag auf ein "in Summe erfolgreiches" politisches Leben zurück.

Gusenbauer unterlegen

Seit 1989 steht Schlögl der Gemeinde vor, unterbrochen nur durch drei Jahren von 1997 bis 2000, als er unter Viktor Klima in der Bundesregierung diente. Den anschließenden Kampf um den SPÖ-Vorsitz verlor er als Vertreter des „rechten“ Flügels ebenso wie der „linke“ Caspar Einem. Als Kompromisskandidat setzte sich ein gewisser Alfred Gusenbauer durch. Schlögl führte noch ein Jahr weiter die Landes-SPÖ, bevor er sich wieder ganz auf sein Bürgermeisteramt konzentrierte.

Wie sehr ihm das liegt, lässt sich an den Wahlergebnissen in Purkersdorf erahnen (nur anhand der Partei, Niederösterreich wählt Bürgermeister nicht direkt): 1995, 2005, 2010, 2015 lag die SPÖ trotz dreier Mitbewerber jeweils stabil über 60 Prozent; 2000, als Schlögl nicht angetreten war, stürzte sie auf knapp über 40 Prozent ab.

Der rote Vater von "Name schlägt Partei"

Landespolitisch bleibt Schlögls Vermächtnis das eigenartige niederösterreichische „Name schlägt Partei“-Wahlrecht: Dieser Verfassungsänderung stimmte Schlögls SPÖ im Glauben zu, seine Popularität würde auch landesweit tragen. Genutzt hat das Wahlrecht dann aber vor allem Erwin Pröll.

Im Jänner hatte sich Schlögl noch für eine "personelle Erneuerung der Parteispitze" ausgesprochen - zum Abschied wollte er unter Hinweis auf sein "Harmoniebedürfnis" kein Statement mehr zur Bundespolitik abgeben.