Die Gruppe hinter dem Skandal"Germania": Blau-Rot-Gold mit stumpfen Säbeln

Die Burschenschaft "Germania", die im Zentrum des Liederbuch-Skandals steht, besteht seit 1917 und zählt 70 Mitglieder. Das Liederbuch soll demnächst in "zeitgemäßer" Form neu aufgelegt werden.

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FERNSEH-PRESSESTUNDE ORF: 'DISKUSSION DER SPITZENKANDIDATEN ZUR NIEDEROeSTERREICHISCHEN LANDTAGSWAHL': LANDBAUER
Udo Landbauer hat seine Germania-Mitgliedschaft ruhend gestellt © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Die so genannte "Pennäler-Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt", die im aktuellen Liederbuch-Skandal rund um FPÖ-Mann Udo Landbauer mit dem Vorwurf der Wiederbetätigung konfrontiert ist, ist eine relativ kleine Verbindung. Sie zählt 70 Mitglieder, Aktive und Altherren inklusive. Die Germania gehört zum Österreichischen Pennälerring (ÖPR), ist aber ein eingeständiger Verein, sagte Philip Wenninger, stellvertretender Germania-Obmann, im Gespräch mit der APA.

"Kulturgutpflege und Traditionserhaltung"

Die Ziele der Verbindung seien Kulturgutpflege und Traditionserhaltung. Man organisiere Fortbildungsveranstaltung, etwa in Rhetorik. Zur Verbindung gehöre auch das "Liedergut", wie es Wenninger nennt. Dieses "Liedergut", ein circa 300 Seiten starkes Buch, das 1997 in 3. Auflage gedruckt wurde, beinhaltet auch folgenden Zeilen: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'" und weiter "Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': ,Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'"

Diese und andere Zeilen seien in der aktuellen Auflage geschwärzt worden. "Das liegt so im Verein nicht auf", sagte Wenninger. Man arbeite an einer neuen Auflage. Denn das sei "nicht zeitgemäß und nicht in Ordnung". Insgesamt beinhalte das Buch 500 bis 600 Lieder. Manche davon aus dem 19. Jahrhundert, es handle sich um Heimatlieder, Soldatenlieder, es seien auch Lieder von Reinhard Mey dabei.

Gegründet worden sei die Germania 1917 am Ende des Ersten Weltkrieges aus einem Stammtisch heraus. Man habe letztes Jahr das 100-jährige Bestehen gefeiert. In der Zwischenkriegszeit sei der Verein wieder aktiv gewesen und in der Nazizeit wie alle Burschenschaften verboten worden. In den Reihen der Germania gebe es "keinen einzigen Kriegsverbrecher", betonte Wenninger. 1960 sei die Burschenschaft wieder reaktiviert worden.

Homepage offline

Die Homepage der Verbindung ist schon länger wegen eines technischen Gebrechens offline. Die Mitglieder sind alles Burschen und Männer, die in Wiener Neustadt die Oberstufe einer Matura-Schule (diverse Gymnasien, HTL, das Militärgymnasium, etc.) besuchen bzw. besucht haben. In dem Verein wird wie bei Mittelschüler-Verbindung üblich mit stumpfen Säbeln gefochten. Eine befreundete Burschenschaft (ein Kartell) habe man schon lange nicht mehr.

Um aufgenommen zu werden, muss man einen Antrag stellen und dem männlichen Geschlecht angehören. Man müsse aber keiner bestimmten Religion angehören und auch keine österreichische Staatsbürgerschaft haben. "Es muss aber jemand sein, der sich zu Österreich bekennt und die Deutsche Sprache spricht", sagte Wenninger. Unter den Mitgliedern seien Katholiken, Protestanten und welche ohne Bekenntnis.

Auf die Frage, ob auch Ausländer mitmachen dürften, verwies Wenninger auf den Migrationshintergrund des FPÖ-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Udo Landbauer, der nach Bekanntwerden der NS-Liederzeilen am gestrigen Dienstag aber seine Mitgliedschaft ruhend gestellt hat.

Viele Begriffe, die Burschenschaften verwenden, gehen zum Teil bis auf das Mittelalter zurück. Der Begriff Bursche geht zurück auf das Wohnheim der Studenten im Mittelalter, die Burse. Pennäler war die frühere Bezeichnung für Schüler. Der allgemeine Leitspruch der Burschenschaften lautet: "Ehre, Freiheit, Vaterland". Die Farben der Germania sind Blau/Rot/Gold.

Kommentare (13)
zuagraster
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............

und trotzdem wird er gewählt werden ..... leider ...... am seinem wahlergebnis kann man erkennen, wieviele menschen in noe seine ansichten teilen.

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Das Strafrecht ist die Grenze,

Sagt der Kanzler? Nette Freunde hat Kurz.

tomtitan
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Scheint als bräuchte es in

Österreich wieder eine Entnaxifizierung.
Daß das Liederbuch 1997 noch immer gedruckt wurde ist ein Skandal!

Armergehtum
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Es müssen sich einmal die Wähler dieser Ideologie an der Nase nehmen

Wenn man das Rad der Zeit zurückschraubt ist es doch dieselbe Strategie, wie damals.
Wie damals sind "sie" die armen, wehrlosen Lämmchen, die ständig attakiert werden.
Im Nachhinein betrachtet waren diese einstigen Großmäuler (Möchtegernweltherrscher) doch alles Feiglinge, die sich als es ernst wurde alles abgestritten, heuchlerisch gelogen und sich schließlich selbt weggeräumt haben. Jedoch ist auch das Volk einzuschließen, denn die haben in unmittelbarer Nähe nichts von den Gräueltaten mitbekommen.
Nun fallen seit Jahren die Menschen immer mehr auf diese armen unschuldigen Paintballspieler ua. rein. Spätestens seit der Paintball - Abstreit - Aktion sollten doch schon die Alarmglocken geläutet haben. Aber man muss sagen, mit ihrem Propagandaminister, Vizekanzler und auch Kanzler sind sie schon ganz schön mächtig geworden.

Patriot
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Ekelhaft, einfach nur ekelhaft, diese Burschen(schafter)!

Wir Österreicher/innen müssen höllisch aufpassen, dass diese blauen Typen uns nicht nachhaltig Schaden zufügen (Schwächung der Demokratie wie in Ungarn, Polen, Aufflammen des Antisemitismus, etc.)!

UHBP
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@Patriot

Die Mehrheit der Österreicher will es leider so.
Ob aus Überzeugung oder Dummheit spielt am Ende keine Rolle.

voit60
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es wird sich nichts ändern

sie können einfach nicht anders. Danke Herr Kurz, dass sie diese Partei in die Regierung geholt haben.

socke1
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Wenn Herr Strache sein Amt als Vizekanzler ernst bimmt...,

...dann muss er Herrn Udo Landbauer sofort aus dem Verkehr ziehen. Es vergeht keine Woche, in der diese FPÖ nicht in irgendwelche Fettnäpfchen tritt und die Regierung sich im In- und Ausland entschuldigen muss. Das können ja noch traurige Jahre werden.
Pfui, mir graut davor!

3WH8UTWLBJGVVE7T
2
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Ah...das sind die Traditionen

auf die wir soooo stolz sind? Pfui!

Lodengrün
2
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Um Lieder zu singen und

die Lederhose auszufuehren ist dieser Verein nicht bestimmt. Klar gibt es unter anderem auch einen Rhetorik Kurs aber befassen wir uns mit den anderen, gar nicht zu lange zurueck liegenden Themen.
Keine Frage, der Weichspueler muss jetzt her.
Der Mann sollte schleunigst das politische Feld verlassen. Aber was dann?
Er hat doch keine Ausbildung, kann nichts, war nur saisonaler Schifahrer, ist seit 2006 (!!!!!) Student.

X22
3
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Österreichischer Pennäler Ring

Der Österreichische Pennäler Ring (ÖPR) ist der Dachverband von ca. 190 Schülerverbindungen in ganz Österreich, von denen derzeit 54[1] aktiv sind. Innerhalb des Verbandes hat jede Mitgliedsverbindung eine hohe Eigenständigkeit. Der Begriff Pennäler ist vom Begriff Pennal abgeleitet und bezieht sich auf eine ehemalige Schulform.

Öffentliche Förderung

In den Jahren von 2000 bis 2004 wurde der ÖPR durch das damals vom FPÖ-Politiker Herbert Haupt geführte Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (BMSG) mit insgesamt 131.686 Euro gefördert. Die damalige Oppositionspartei SPÖ und verschiedene Medien kritisierten diese vergleichsweise hohe Förderung und das Schalten von Inseraten des BMSG in den Publikationen des ÖPR, da diese „fragwürdige Denkungsarten“ förderten. So veröffentlichte die ÖPR-Zeitschrift Junges Leben 2005 ein Plädoyer gegen die Demokratie, das der Verfasser mit den Worten „Aus all den genannten Kritikpunkten bin ich ein erklärter Gegner der Demokratie“ schließt. Neben Begrüßungen wie „Heil Jul“ und „Verehrte Waffenbrüder“ werden die Anschläge von „Neu York“ relativiert („Amerika erntet, was es gesät hat“). Verse wie „dass deutsch verbleibe diese Erde, auf der einst unsre Wiege stand“ finden sich dort ebenso wie Fotos von Herbert Haupt, Ewald Stadler und Andreas Mölzer. (Quelle Wikipedia)

X22
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Politische Ausrichtung

Der ÖPR bzw. einige seiner Verbindungen zeigten nach Ansicht des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes Bezüge zum Rechtsextremismus und ein Naheverhältnis zum Nationalsozialismus. Dabei verwies das DÖW im März 2002 auf die Aussage, „dass Österreich, genauso wie auch Südtirol und der größte Teil der Schweiz, immer ein Teil der deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft war und auch weiterhin ist“ aus dem ÖPR-Schülerkalender von 1996/97, das Anstimmen von SA-Liedern durch Mitglieder der ÖPR-Burschenschaft Germania Liberia und die Verlinkung eines Nationalen Infotelefons auf der Website der ÖPR-Verbindung DcSV! Gothia.[5] In einer Presseaussendung des ÖPR aus dem Jahr 2007 widersprach ÖPR-Vorsitzender Udo Guggenbichler solchen Vorwürfen und erklärte, der Verband bekenne sich zur Republik Österreich und zur Verfassung. (Quelle Wikipedia)

Zeitgenosse
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Niemand braucht

Säbeln und unsere Farben sind rot weiss rot , im historischem Kernland Österreich ( Ostarrichi) erst recht.