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Analyse zum WahlfinaleNeue Lage: Noch zwei Tage

Es geht ein Aufatmen durchs Land: Nur noch zwei Tage bis zur Nationalratswahl. Für KandidatInnen, JournalistInnen und WählerInnen ging mit der ORF-Elefantenrunde ein Stimmungswellenritt und TV-Marathon zu Ende.

NR-WAHL: ORF-ELEFANTENRUNDE MIT SPITZENKANDIDATEN
Dreikampf ums Kanzleramt: Strache, Kern, Kurz © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Fünf Spitzenkandidaten gaben sich in der den Wahlkampf abschließenden ORF-Elefantenrunde ein Stelldichein. Der sechste, Peter Pilz,  saß am Computer und haute via "Presse"-Liveticker als ungebetener Gast in die Tasten. Ihm, Piilz, war auch gestern noch nach Nahkampf zu Mute, bei den Stars in der Manege hatte man das Gefühl, sie hingen allesamt in den Seilen.

 

Es waren fast 50 Auftritte vor ORF, Privatsendern und Live-Formaten der Tageszeitungen. Es war ein Wahlkampf, der einigen der Spitzenkandidaten alles abgefordert hat, nicht nur sachlich sondern auch emotional. Und es ist eine Wahl, vor der die Meinungsforschungsinstitute weniger trittsicher sind denn je - eine Million unentschlossener Wähler macht es praktisch unmöglich, einigermaßen verlässlich das Ergebnis vorauszusagen.

In der absolut letzten Konfrontation vor der Wahl, dieser ORF-Elefantenrunde, war keinem der Kandidaten mehr nach Konfrontation zu Mute, es ging nur noch darum, dem eigenen Erscheinungsbild einen korrigierenden Schliff zu geben, zögerlichen Wählerinnen und Wählern ein letztes Angebot zu machen.

SPÖ-Spitzenkandidat Christian Kern rief ein Bündnis mit der Wirtschaft aus, um die Vollbeschäftigung zu sichern, versuchte zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Sich als Retter von Wohlstand und Sozialstaat zu inszenieren und gleichzeitig anzuknüpfen an seinen Start mit dem Plan A vor einem Dreivierteljahr, einem Konzept, mit dem er versucht hatte, dem Neoliberalismus ein linkes Wirtschaftskonzept entgegenzusetzen.

ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz nannte als sein wichtigstes Reformanliegen unerwarteterweise die langfristige Sicherung des Sozialstaates und versuchte damit, sich nach der wochenlangen Konzentration auf die Inszenierung der eigenen Person als Messias und des Flüchtlingsthemas als Schlüssel zur Lösung aller politischen Fragen einen Anstrich zu geben, mit dem er die Menschen in ihrem eigenen, realen Umfeld stärker berührt.

FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache blieb am lockersten den ganzen Wahlkampf hindurch und demonstrierte auch in der Elefantenrunde, dass er sein Match bereits als gewonnen sieht. Ihm reichten wenige Worte, um seine Gefolgschaft wieder daran zu erinnern, wofür er steht, für eine rigide Zuwanderungspolitik nämllich und schlechtere Sozialleistungen für Asylwerber, um keinen Sog nach Österreich zu erzeugen. Die Erinnerung reicht. Verteidigen muss er sich nicht mehr  in einer Zeit, in der die Hauptrivalen seine Argumentation längst übernommen haben.

Die Grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek stellte noch ein letztes Mal unter Beweis, dass sie zurückfand zu den Wurzeln, dass  sie das Bekenntnis zum Klimaschutz erkannt hat als Alleinstellungsmerkmal in einem Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums, dessen Zukunft alle im Munde führen, dessen Überleben in einer in ihrer Existenz bedrohten Welt aber kaum eine andere Partei auf der Agenda hat.

Und Neos-Spitzenkandidat Matthias Strolz bretterte im gewohnten Tempo durch die Diskussion: jeder Satz ein Dekret, jede Antwort ein Programm, jede Ansage klar wie eine Gebrauchsanleitung und dennoch unverbindlich in Erwartung noch unbekannter Konstellationen, die ihn als Partner an die Seite eines Wahlgewinners spülen könnten.

Die Schmutzkübel blieben unberührt in dieser letzten Debatte vor der Wahl. Inhaltlich gab es wenig Neues - wie auch nach fast 50 Diskussionen, in denen nicht nur alles gesagt wurde, sondern auch von jedem. Die Blessuren hielt man bedeckt, aber sie sind omnipräsent, sind fast körperlich zu spüren. Es wird ein hartes Stück Arbeit nach der Wahl, von inhaltlichen Übereinstimmungen ausgehend zu gegenseitigem Vertrauen und echten Partnerschaften zu finden.

 

Kommentare (6)

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altbayer
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Werbung

Ich finde es super, dass in der Onlineausgabe der Kleine Zeitung gleich 2 Werbungen für die SPÖ, also Kern, angezeigt werden.
Ist diese bezahlte Wahlwerbung für eine unabhängige Zeitung notwendig?

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jg4186
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Schade

Woher das Misstrauen, es könnte bezahlte Parteiwerbung sein? Warum und weshalb immer gleich vom Schlechten ausgehen? Ich habe nichts, aber auch schon gar nichts mit einer Partei zu tun, bin nur aufmerksamer und kritischer Wähler, der sich so seine Gedanken macht. Bitte nicht immer gleich ein- und zuteilen.

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jg4186
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Verbieten? die Demokratie?

Wahlkampf gehört zur Demokratie! Wie Wahlkampf geführt wird, darüber kann man nachdenken. Es geht um die besseren Ideen, Modelle, Vorschläge und damit Personen für unser Land. Wenn jung und fesch, ohne Berufs- oder Studienabschluss, aber mit gutem Auftreten und wenig Inhalt schon reicht, mache ich mir Sorgen. Oder ein anderer will überhaupt nur zurück in die Vergangenheit, vielleicht sogar ohne EU - da bekomme ich Bauchweh. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr EU, mehr Einheit - ein gemeinsames Europa. Das für alle offen ist, die unsere Werte teilen. So lange schon lebt Europa in Frieden und Wohlstand - das ist doch nicht selbstverständlich! Länder wie Ungarn und Polen stellen das in Frage - und manche unserer Politiker klatschen - furchtbar.

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jedentagklztg
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Titel in Europa

Das klingt ganz nach einer akademischen Rede. Alter Grad? Neuer Grad? Vermute ersteres, dem Alter dieses Forums entsprechend. Ich teile Ihre Sorgen betreffend Europa. Gemeinsamkeit, Werte und Offenheit brauchen wir mehr, denn je. Apropos Europa: als Europareisender ist mir aufgefallen, dass in anderen europäischen Staaten die Funktion, nicht der Titel, entscheiden ist. Denken Sie einmal drüber nach, Herr/Frau Mag.? Dr.? MA? BA? Bakk?

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dude
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Wahlkampf in der jetzigen Form gesetzlich verbieten!

Wenn der politische Wille dazu da ist, wäre dies ganz einfach durchführbar und auch exekutierbar. Keine Plakate, keine Inserate, keine Zeitungsbeilagen, keine Werbesendungen in Radio und Fernsehen, keine Briefe, etc.! Mit den frei werdenden zig-Millionen Euro sollte die Presse besser gefördert werden, um deren Qualität und Unabhängigkeit zu erhöhen! Den Bürger würde viel erspart bleiben und auch die Politiker selbst würden sich viel ersparen! Die Veröffentlichung der Parteiprogramme sollte über gerecht festgesetzte Fernseh- und Rundfunkzeiten sowie über die parteieigenen Homepages und fb-Seiten erfolgen. Das Internet sollte selbstverständlich frei und unzensuriert bleiben, allerdings sollte das gesetzlich ohnehin vorgeschriebene Impressum kontrollierbar sein und dann auch kontrolliert werden!

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GordonKelz
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2 TAGE NOCH......

...wenn die Wählerinnen und Wähler Veränderungen wollen, müssen Sie auch verändert wählen !
Die " ALTPARTEIEN " stehen nicht für Veränderungen ,auch wenn man es uns einreden möchte ! Denken Sie daran ,wenn Sie
Ihr Kreuzchen machen !!!
Gordon Kelz

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