In einem Interview mit der Kleinen Zeitung macht der Chef der Sozialversicherungen, Peter McDonald, deutlich: Es müssen neue Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die medizinische Versorgung wie sie jetzt ist, aufrechterhalten zu können.

Das liegt einerseits an der steigenden Zahl von über 65-Jährigen, die erhöhten medizinischen Bedarf haben – andererseits an der damit verbundenen sinkenden Zahl jener Menschen, die Beiträge zahlen können, um das System zu erhalten. Es brauche einerseits mehr Eigenverantwortung, betont McDonald, andererseits müsse aber auch eine Debatte über eine mögliche Ambulanz- und E-Cardgebühr geführt werden, wenn das öffentliche gegenüber dem privaten System gestärkt werden soll.

Lösungsorientierte Ansätze statt Selbstbehalte

Eine Ambulanzgebühr gab es in Österreich schon einmal - die wurde allerdings 2003 vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) gekippt. Eine solche Ambulanzgebühr hält auch Ökonomin Maria Hofmarcher für nicht sinnvoll: „Ich bin sehr skeptisch gegenüber Selbstbehalten unter den aktuell gegebenen Bedingungen, solange die Gesundheitsversorgung noch nicht gut genug ausgebaut ist. Wohin sollen die Leute denn gehen, wenn nicht ins Krankenhaus?“

Ein Anpacken des Problems bei der Wurzel sei ihrer Ansicht nach sinnvoller. Einerseits geht es um den Ausbau von Primärversorgungszentren – „da sind wir zum Glück eh schon in der Transformation“ – sowie um eine bessere Koordination bei den Allgemeinärzten. Auch ein Anreizsystem für Medizinstudierende, wie von Vizekanzler Andreas Babler vorgeschlagen, kann sich die Gesundheitsökonomin vorstellen, um Kassenarztstellen zu besetzen.

Kritik kommt auch von der Opposition: „Gerade solange es so viele offene und unbesetzte Kassenstellen gibt, wäre jede Form von Gebühr schlicht ungerecht. Sie trifft nicht die, die das System überfordern, sondern jene, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, medizinische Versorgung zu bekommen“, sagt der grüne Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner.