Der Tag im Liveticker
Die Würfel sind gefallen. ÖVP, SPÖ und die Neos haben ihre Personalentscheidungen getroffen. 14 Minister und sieben Staatssekretäre lenken künftig die Geschicke der Republik, die Angelobung ist für den Rosenmontag geplant - allerdings unter einem Vorbehalt: Am Sonntag muss die pinke Basis dem Vorhaben noch zustimmen. Wenn das Votum negativ ausfällt, dürften ÖVP und SPÖ den Alleingang wagen. Die parlamentarische Mehrheit hätten sie.
Wer sind die Personen? Ein kurzer Überblick.
Stocker - Der „unwahrscheinliche Kanzler“
Niemand hatte zu Jahresbeginn den neuen Bundeskanzler am Radar, nicht einmal Christian Stocker selbst. Als die Entscheidung im ÖVP-Vorstand Anfang Jänner fiel, kam er in Jeans ins Büro, der Fahrer musste erst einen Dreiteiler bei Stocker zu Hause in Wiener Neustadt holen. Stocker kommt aus der Gemeindepolitik in Wiener Neustadt, er feiert in drei Wochen seinen 65. Geburtstag. Erst in den letzten Jahren stieg der Rechtsanwalt in die Bundespolitik auf, zuerst als Nationalrat, dann als Generalsekretär in der ÖVP.
Babler - Bürgermeister als Vize
Vizekanzler wird SPÖ-Chef Andreas Babler, der gegen heftige Widerstände der meisten Landesorganisationen als „Mann der roten Basis“ zur Nachfolgerin von Pamela Rendi-Wagner gekürt wurde. Der langjährige Bürgermeister von Traiskirchen wird nicht nur Vizekanzler, sondern auch Kultur- und Sportminister.
Meinl-Reisinger - Chefdiplomatin der Republik
Beate Meinl-Reisinger wird Außenministerin. Die Neos-Chefin hat sich immer schon für außenpolitische Fragen interessiert, in jüngeren Jahren war sie als Assistentin in Brüssel tätig. Mit Sepp Schellhorn steht ihr ein Staatssekretär zur Seite.
Holzleitner - die Frauenchefin in der Regierung
Eva-Maria Holzleitner, die Frauenchefin der SPÖ und stellvertretende Klubobfrau wechselt in die Regierung und übernimmt in Bablers Regierungsteam unter anderem die Frauenagenden. Die Oberösterreicherin gilt als rote Zukunftshoffnung.
Wiederkehr - von der Stadt in den Bund
Christoph Wiederkehr wechselt die Verantwortungsebene. Bisher war der Wiener Neos-Chef und Vizebürgermeister für die Bildungsagenden in der Bundeshauptstadt verantwortlich, nun wird er es auf Bundesebene.
Marterbauer - linker Ökonom als Finanzminister
SPÖ-Chef Andreas Babler hat sich bei der Aufteilung der Ressorts im Bereich der Finanzen durchgesetzt. Der 60-jährige Ökonom gehört dem linken Flügel an und war bis zuletzt bei der Arbeiterkammer als Chefökonom im Einsatz. In manchen Kreisen von ÖVP und Neos wird die Personalie als Kampfansage empfunden.
Hanke - ewige Personalreserve für Verkehr
Der Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke ist in den letzten Jahren immer wieder als SPÖ-Zukunftshoffnung gehandelt worden, jetzt übernimmt er das mächtige Verkehrs- und Infrastrukturressort.
Hattmannsdorfer - Aufsteiger für Wirtschaft
Wolfgang Hattmannsdorfer war bis zuletzt Landesrat in Oberösterreich, ehe er zu Jahresbeginn als Generalsekretär in die Wirtschaftskammer gewechselt ist. Nun wird er Wirtschaftsminister. Der Oberösterreicher ist sicherlich eine Zukunftshoffnung in der ÖVP
Sporrer - eine Richterin für die Justiz
Tagelang kursierten diverse Namen für das höchste Amt im Justizministerium, nun ist die Entscheidung gefallen. Die Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs, Anna Sporrer, folgt Alma Zadic als Justizministerin nach. Sporrer war vor ihrer Ernennung in das Höchstgericht lang im Bundeskanzleramt tätig.
Schumann - Gewerkschafterin für Soziales
Die Vizepräsidentin des ÖGB, die Wiener Korinna Schumann, übernimmt das mächtige Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsministerium. Ihr steht mit Ulrike Königsberger eine Staatssekretärin zur Seite. Es war nicht immer so, dass die mächtigen Gewerkschaften automatisch in einer roten Regierungsmannschaft vertreten waren.
Schellhorn - Hotelier für Deregulierung
Der streitbare Salzburger Hotelier und Gastronom Sepp Schellhorn soll sich in der künftigen Regierung um sein Lieblingsthema kümmern: um den Kampf gegen die Bürokratie in der Wirtschaft und für mehr Deregulierung. Er wird dies allerdings nur als Staatssekretär tun, dabei ist er bei Außenministerin Meinl-Reisinger angedockt. Auch der Außenhandel fällt in seinen Kompetenzbereich.
Schmidt - Staatssekretärin beim Vizekanzler
SPÖ-Chef Babler wollte dem Vernehmen nach die Salzburgerin Michaela Schmidt zur Finanzministerin machen, die Wiener SPÖ schob dem Ansinnen einen Riegel vor. Künftig unterstützt die SPÖ-Politikerin Parteichef Babler bei seiner Tätigkeit als Vizekanzler, Sport- wie auch Kulturminister.
Eibinger-Miedl - Aufpasserin im Finanzministerium
Die steirische Wirtschafts- und Finanzlandesrätin wurde lang als mögliche Wirtschaftsministerin ins Spiel gebracht, nun wechselt sie aber ins Finanzministerium, allerdings nur als Staatssekretärin. Dort soll sie als „Aufpasserin“ des neuen SPÖ-Finanzministers Markus Marterbauer in Aktion treten.
Leichtfried - Staatssekretär für Geheimdienst
Der einstige Verkehrslandesrat und spätere SPÖ-Klubobmann, Jörg Leichtfried, kehrt in die Regierung zurück, allerdings nicht als Minister, sondern als Staatssekretär im türkisen Innenministerium. Der Obersteirer soll unter anderem für den Geheimdienst DSN verantwortlich zeichnen.
Königsberger - Staatssekretärin für Gesundheit
Die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger wird sich auch auf Bundesebene um dieses Mammutressort kümmern, allerdings nicht als Ministerin, sondern als Staatssekretärin
Pröll - Stockers rechte Hand
Der Sohn des einstigen schwarzen Vizekanzlers und Parteichefs Josef Pröll, Alexander Pröll, wird neuer Staatssekretär im Kanzleramt. Er war als Generalsekretär bereits die rechte Hand des künftigen Kanzlers.
Tanner, Plakolm, Totschnig, Karner bleiben
Innenminister Gerhard Karner, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Agrarminister Norbert Totschnig bleiben in ihren Ämtern. Staatssekretärin Claudia Plakolm wechselt als Kanzleramtsministerin auf den Ballhausplatz.