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Proteste in ganz Russland Demonstranten fordern: "Weg mit Putin!"

Demonstranten fordern Freilassung Nawalnys: Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch. Auch Nawalnys Frau Julia wurde indes festgenommen.

Die Polizei geht mit Schlagstöcken auf die Demonstranten los © AFP
 

Bei Demonstrationen für die Freilassung des inhaftierten Regierungskritikers Alexej Nawalny wurden bereits Hunderte Menschen festgenommen. In der Großstadt Chabarowsk, die der Hauptstadt Moskau aufgrund der Zeitverschiebung sieben Stunden voraus ist, veröffentlichten Aktivisten schon Samstagfrüh Videos von Polizisten, die Demonstranten schlagen und in Gefangenentransporter stecken. Nawalnys Anhänger haben für heute in mehr als 90 Städten im ganzen Land zu Protesten aufgerufen.

Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers Nawalny festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch. Auch in den Städten Wladiwostok, Irkutsk und Tomsk, wo Nawalny im August Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok wurde, versammelten sich trotz eisiger Temperaturen am Samstag Hunderte Demonstranten. Sie skandierten "Wir sind die Macht", "Weg mit Putin!"  und "Putin ist ein Dieb". In Chabarowsk richtet sich die Unzufriedenheit der Menschen auch gegen die Inhaftierung eines beliebten Ex-Gouverneurs im Sommer.

In Moskau nahm die Polizei mehrere Nawalny-Unterstützer noch vor dem offiziellen Start einer Demonstration fest, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der Beginn der Kundgebung war um die Mittagszeit. Unterstützer Nawalnys hatten sich auf dem zentral gelegenen Puschkin-Platz getroffen, um von dort zum Kreml ziehen. Auch Nawalnys Frau Julia hatte im Vorfeld angekündigt, an diesen Protesten teilnehmen zu wollen. Wie die "Moscow Times" indes berichtet, wurde Nawalnys Frau Julia bereits festgenommen. Julia Nawalny selbst postete auf Instagram ein Foto, das sie in einem Mannschaftswagen der Polizei zeigt.

Die Demonstranten fordern Freiheit für Nawalny Foto © AFP

Die Bürgerrechtsorganisation OWD Info berichtete am Samstag schon am Nachmittag von 1000 Menschen, die bisher verhaftet worden seien. Die Proteste galten schon kurz nach deren Beginn als die größten der letzten Jahre.

Alexej Nawalny ©

Mobilfunk und Internet waren von Ausfällen betroffen, war auf der auf der Seite downdetector.ru ersichtlich. Um die Kommunikation der Protestorganisation und Protestteilnehmer zu behindern, griffen die russischen Behörden schon in der Vergangenheit öfter in die Telekommunikationsinfrastruktur ein.

Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel "Ein Palast für Putin" ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Langzeit-Präsident sich aus Schmiergeldern ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer bauen ließ. Der fast zweistündige Film hatte nach wenigen Tagen mehr als 65 Millionen Aufrufe auf YouTube. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als "Unsinn" und "Lüge".

Die Menschen formieren sich in Moskau Foto © AFP

Nawalny war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Der 44-Jährige soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Attentat erholte. Ihm drohen weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis. Hinter dem Anschlag gegen ihn mit dem Nervengift Nowitschok vom 20. August sieht er ein "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB unter Wladimir Putins Befehl. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück.

Foto © AP

Leonid Wolkow, ein enger Verbündeter Nawalnys appellierte unterdessen an die russische Zivilgesellschaft, die Freilassung des prominenten Regierungskritikers zu erwirken. "Straßenproteste sind in Russland das einzige Mittel, jemanden aus dem Gefängnis herauszubekommen", sagte Wolkow der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorausmeldung. Wolkow sagte, es sei in Russland schon vorgekommen, dass Oppositionelle zweimal hintereinander vergiftet worden seien. Deshalb sei "der einzige Schutz" für Nawalny "maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung".

Foto © AP

Prominente russische Kulturschaffende, darunter Musiker, Autoren und Schauspieler, solidarisierten sich in einem Video mit Nawalny und riefen zu Protesten auf. Der Schriftsteller Dmitri Gluchowski sagte, dass es Momente im Leben gebe, in denen Schweigen fehl am Platz sei. Auch die Musiker von Noize MC, Anacondaz und der international bekannte Regisseur Witali Manski riefen im Clip "Freiheit für Alexej Nawalny!" dazu auf, nicht gleichgültig zuzuschauen, wenn Menschen politisch verfolgt und grundlos eingesperrt würden.

Proteste auch in St. Petersburg Foto © AP

Moskau verbat sich am Samstag einmal mehr rund um die Straßenproteste eine Einmischung aus dem Ausland. Das russische Außenministerium kritisierte in einer Mitteilung die US-Botschaft in Moskau, die mehrere für Samstag geplante Demonstrationen mit genauen Treffpunkten und Uhrzeiten aufgelistet hatte. Unter dem Deckmantel der Sorge um die Sicherheit von US-Bürgern im Ausland wolle Washington die Proteste in Russland anheizen, kritisierte Moskau.

Kommentare (15)
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dieRealität2019
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Alle Achtung, anscheinend gibt es hier Russland und Putin Experten

Und alles aus dritter und vierter Hand und ohne die Sprache zu sprechen. Wenn ich nachdenke und Rückblick nehme, muss ich sagen in Hongkong waren mehr Leute auf der Straße als in Russland.
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Eines können wir von hier aus sehen und hören Nawalny und Konsorten bis dato keine tatsächlichen Beweise oder Indizien vorgelegt, sondern verbreiten vermutlich nur Lügen. Sie versuchen es mit der gleichen Taktik wie auch andere Personen und Bewegungen im Westen.
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Ist einmal gelogen, kann sich mangels beweisbarer Dementis, der Diskreditierte nicht mehr reinwaschen. Das hat jetzt nichts mit Putins Verhaltens- und Handlungsweisen zu tun.
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Sie denken Gesellschaften, wie in Russland und in China können letztendlich mit demokratischen Werten wie im Westen gelenkt werden? Wir können es in Europa und in den USA sehen. Wie schauen diese Demokratien im Westen aus? Und was sind jetzt ihre Nachhaltigkeiten?

schteirischprovessa
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Was erwartet sich die Welt?

Russland ist eine Diktatur und Putin ein Diktator der übelsten Sorte.
Da ist nichts anderes zu erwarten. Die Versuche von Gorbatschow und Jelzin, aus Russland etwas ähnliches wie eine Demokratie zu machen, hat der Ex-KGBler gänzlich zerstört.
Der einzige Unterschied zu früher ist, dass das Vermögen jetzt jene Oligarchen, die es dem Volk in einer sogenannten Privatisierung gestohlen haben und Putin die Stiefel lecken, besitzen.
Jene Oligarchen wie Chordorkowski, die gegen Putin sind, werden mit von Putin gelenkten Prozessen verurteilt und ihr Vermögen zugunsten Putins Freunden und Familie eingezogen.
Natürlich gewinnt Putin jede Wahl haushoch, nachdem jeder, der irgend etwas mit Opposition zu tun haben könnte, von Putins Gerichten vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen wird.

Hapi67
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Russland ist entgegen

Ihrer Ansage eine sogenannte gelenkte Demokratie, Sie können und werden es vermutlich anders sehen.
Putin ist auch kein Diktator, auch dass, können und werden Sie vermutlich anders sehen.
Der von Ihnen erwähnte mittelose Oligarch, lebt mittlerweile recht luxuriös im Westen-ist übrigens nicht der einzige, der vor Einzug seines Vermögens noch schnell einen schönen Teil des Geldes wertsichernd für die Allgemeinheit(sich selbst) zur Seite gelegt hat.
Mir ist auch nicht bekannt, dass Nawalny bereits vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen wurde.
Putin muss keinen Gefallen und entspricht sicher nicht dem westlichen Verständnis, unabhängig davon, darf und sollte man seine demokratischen Mitbewerber auch kritisch hinterfragen.

CuiBono
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@Hapi67

"...der rechte rassistische Populist und Opportunist Nawalny..."
Es wäre ja theoretisch möglich, dass Ihre Beschreibung passt.

Aber was ist dann Putin?

Ich sag es Ihnen.
Ein mit der Muttermilch aufgezogener und in der Wolle gefärbter KGB-schnik - also Geheimdienstler der schlimmsten Sorte - der seinen Gönner Jelzin von Anfang an betrogen hat.
In weiter Folge hat er ALLE die ihn jemals gewählt haben, sein Volk und Gesamtrussland betrogen und bestohlen.
Um des eigenen Vorteils willen, mit Verfolgung Unliebsamer und der Duldung und Förderung williger Mitläufer.
Putin ist (noch) nicht auf dem Stalinniveau (was Tote anbelangt), aber er arbeitet mit den gleichen Mitteln - Einschüchterung, Furcht, Gulags.

Westliche Politiker sind ihm jahrelang (und Etliche tun es noch immer) hinten hinein gekrochen - wie immer um des Mammon's Willen. Auch oder gerade bekannte "Sozialdemokraten".

Putin hat sich nicht weiter entwickelt.
Er ist immer noch das, was er vor vierzig Jahren war - ein jämmerlicher Geheimdienstler.
Dass er mittlerweile auch noch zum Kleptokraten wurde rundet das Bild nur ab.

Und jetzt holt ihn die Geschichte ein.
Der Anfang vom Ende, er weiß es nur noch nicht.

Hapi67
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Die theoretische Möglichkeit

lässt sich, wenn man will und nicht voreingenommen ist, ohne großen Aufwand recherchieren, ist auch mein Hauptkritikpunkt in diesem Medium, dass uns eine Lichtgestalt präsentiert.

Den gewagten Vergleich mit Stalin, wenn auch Ihrerseits aufgrund der Todeszahlen relativierten Vergleich mit geschätzten bis zu 20 Millionen Toten kann ich nicht zustimmen.
Und auch eine Weiterentwicklung Putins kann ich feststellen, möge er auch dem Betrachter und seinen Sichtweisen nicht gefallen-ansonsten wäre es Ihm und jedem anderen unmöglich so ein Staatsgebilde mit unterschiedlichen Völkern, Kulturen und Religionen zusammenzuhalten.

Bei der Zeit bin ich bei Ihnen, die holt uns nämlich alle ein.

Hausvestand1
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keine Alternative

Ohne Putin gebe es kein so friedliches Russland, oder will man Jugoslawien 2.0
Nur Er kann dieses Große Land zusammenhalten.
Schaut euch das Liberale Europa an Total aus den Fugen geraten, Arbeitslosigkeit, Verbrechen,
Terror, Drogen, Respektlosigkeit gegenüber der Polizei, Korruption, Armut, Obdachlosigkeit, usw.
Ist das die Zukunft?

schteirischprovessa
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Warum muss ein so großes Land mit so vielen völlig verschiedenen Völkern

zusammen gehalten werden?

Hapi67
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Muss es ja nicht,

aber nachdem hier schon vom Ex-Jugoslawien geschrieben wurde, dass noch Jahrzehnte nach der Auflösung Konflikte austrägt , können Sie sich das Szenario für Russland gedanklich ausmalen.

CuiBono
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Hapi67

Bemühen Sie sich nicht.

Alldieweil SIE offenbar geflissentlich übersehen (wollen), dass Putins "Zusammenhalten dieses Staatsgebildes mit unterschiedlichen Völkern, Kulturen und Religionen"
auf einer zielgerichteten langjährigen Oppressionspolitik besteht, wo ihm ergebene Oligarchen gefördert werden und systematisch Milliarden dem Volk gestohlen werden,
Provinzkaiser seines Gnadens installiert werden,
der gesamte Sicherheitsapparat und die Justiz unter der Kontrolle und Führung des FSB/KGB stehen,
alle kritischen Oppositionellen und Medien mundtot gemacht werden (im wahrsten Sinn des Wortes "tot", wie zahlreiche "unaufgeklärte Morde und auch das jüngste Attentat auf Nawalny beweisen),
die Bevölkerung durch Staatsmedien und eine Nomenklatura von Staatskünstlern (narodny artist CCCR/Russia) und bewusst lügenden Redakteuren verblödet werden,
freie Meinungsäußerung und Demokratie verfolgt werden,
massiv Einfluss auf andere Staaten, ihre Wahlen, demokratische Prozesse und Infrastruktur genommen wird,
pikanterweise im ach-so-reichen Russland den alten und schwachen Deduschkas und Babuschkas mit Mindestrente dahin vegetierend die windschiefen Häuser über den Köpfen zusammen brechen,
und als Sahnehäubchen obenauf eine Trollfabrik in St. Petersburg, die den Einfältigen dieser Welt braune stinkende Masse in die Köpfe bringt.

Hab ich was vergessen?
Sicher, da könnte man noch stundenlang aufzählen, aber SIE wissen ohnehin worum es geht.

GordonKelz
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Und Putin lässt wie üblich auf die.....

..eigenen Menschen eindreschen...das einzige das ihm einfällt. Und die Welt sollte zu diesem Despoten aufsehen?!
Gordon Kelz

Hapi67
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Hat die EU schon lang kapiert,

aber unliebsame(aus welchen Gründen auch immer) Politiker verschwinden nicht so einfach durch Zurufe/Sanktionen aus der EU und genauso wenig glücklicherweise umgekehrt.
Und der rechte rassistische Populist und Opportunist Nawalny taugt als Heilsbringer auch nur bedingt-hierzu darf man auch die mediale Berichterstattung und Hofierung seitens der Medien kritisch hinterfragen.

schteirischprovessa
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Wieweit Navalny taugt, hat er nicht beweisen können.

Putin hingegen hat bewiesen, dass er ein Diktator der übelsten Sorte ist.

Nora
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Verbrecher

Herr Putin ist ein Verbrecher! Und enorm geisteskrank! Der gehört weg! Wann kapiert das die EU endlich!

Marcuskleine
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Zuständig

Die EU ist aber nicht dafür zuständig, einen russischen Präsidenten zu bestimmen.
Viele Staatschefs agieren schlecht. Eine echte Demokratie in Russland wäre sehr wichtig. Sowas kann aber die EU nicht durch Sanktionen herbeiführen, m.M.n.

Patriot
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Putin ist ein Diktator wie er im Buch steht!

Wahlen in Russland sind reinste Augenauswischerei.