Der US-Vizepräsident hatte den Stecker mehr oder weniger im letzten Moment gezogen und die Reise nach Israel abgesagt. Offiziell begründet wurde das mit „logistischen Gründen“, doch Regierungsinsidern zufolge wollte JD Vance vor allem verhindern, dass sein Besuch als Unterstützung der neuen israelischen Offensive interpretiert wird.

Die Absage passt ins Bild. Laut der „Washington Post“ haben US-Regierungsvertreter ihre israelischen Kollegen bereits wissen lassen, dass sich Donald Trump von Israel abwenden werde, wenn der Gaza-Krieg nicht bald ein Ende finde. Der US-Präsident hatte schon bei der ersten Nahost-Reise seiner zweiten Amtszeit vor zwei Wochen ebenfalls einen Bogen um das Land gemacht. Dafür hob Trump die Sanktionen gegen die islamistische Regierung in Syrien auf, die von Israel mit Misstrauen betrachtet wird.

Die Golf-Staaten, Syrien und die Türkei bilden eine neue sunnitische Allianz im Nahen Osten. „Israel sieht immer mehr wie der Spielverderber aus, der im Weg steht“, sagte Yoel Guzansky vom Institut für Nationale Sicherheit an der Universität Tel Aviv der Nachrichtenagentur Reuters.

Vor dem Krieg auf gutem Weg

Vor dem Ausbruch des Gaza-Krieges war Israel auf gutem Weg, seine Beziehungen mit wichtigen arabischen Staaten zu normalisieren – möglicherweise wollte die Hamas diese Entwicklung mit ihrem Überfall vom 7. Oktober 2023 stoppen. In der ersten Phase des Krieges hielten sich arabische Regierungen mit Kritik an Israel zurück, denn wichtige Akteure wie Saudi-Arabien haben keine Sympathien für die Hamas. Doch die Empörung in der arabischen Bevölkerung über die vielen zivilen Opfer durch den israelischen Feldzug in Gaza zwingt die Herrscher heute zu scharfer Abgrenzung gegenüber der Regierung von Benjamin Netanjahu.

Der israelische Premier und seine rechtsgerichteten Minister erscheinen in arabischen Medien als Kriegstreiber mit wenig Rücksicht auf das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung. Israels Reaktion auf den 7. Oktober sei „übertrieben und unmenschlich“ gewesen, kommentierte die saudische Zeitung „Arab News“ vor wenigen Tagen. Araber seien keine Antisemiten, schrieb Kolumnist Hassan bin Youssef Yassin. Es liege auch im Interesse Israels, den „Wahnsinn“ in Gaza zu stoppen und Frieden mit der arabischen Welt zu schließen.

Arabische Staaten stärken Beziehungen zu USA

Während sich Israel wegen des Gaza-Krieges in der Region weiter isoliert, bauen die arabischen Staaten ihre Beziehungen mit den USA aus. Waffendeals könnten Israels militärische Vormachtstellung im Nahen Osten gefährden. Saudi-Arabien hofft auf die Lieferung hochmoderner US-Kampfjets vom Typ F-35, die in der Region bisher nur an Israel exportiert worden sind. Der Nahe Osten erlebe „eine Gewichtsverlagerung an den Golf“, sagte Andreas Krieg vom King’s College in London dem Sender al-Jazeera. Während Israel „ein wenig geächtet“ werde, stehe die neue regionale Ordnung theoretisch dem Iran offen.

Palestinians gather for a hot meal at a food distribution point in the Nuseirat camp for refugees in the central Gaza Strip on May 21, 2025. Gazans waited desperately for vital supplies on May 21 after Israel said it let in dozens of UN trucks but faced mounting international pressure to increase the aid flow and abandon its intensified military campaign. (Photo by Eyad BABA / AFP)
Erst auf internationalen Druck hin erlaubt Israel nun wieder größere Hilfslieferungen © AFP

„Die Einbeziehung des Iran ist etwas, das ich auch beobachte“, sagt Sebastian Sons, Experte für die Golf-Region bei der Bonner Denkfabrik Carpo. Allerdings sehe er keine Tendenz dazu, „den Iran quasi in die Region zu integrieren und Israel im Gegenzug komplett rauszuhalten“, sagte Sons zur Kleinen Zeitung Die arabischen Staaten sind auch in Bezug auf Israel pragmatisch. Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten diplomatische Beziehungen mit dem jüdischen Staat, und auch Saudi-Arabien steuerte 2023 auf einen Friedensvertrag mit Israel zu. Den Golf-Staaten gehe es um „ein Sowohl-Als-Auch“, sagt Sons. „Und in diesem Sowohl-Als-Auch könnte Israel auch weiterhin eine Rolle spielen.“

Das enge Bündnis zwischen Trump und den arabischen Staaten verstärkt den Druck auf Israel, einer Lösung für Gaza zuzustimmen. Saudi-Arabien will erst nach einem Ende des Krieges und nach einem israelischen Bekenntnis zur Gründung eines Palästinenser-Staates über einen Friedensvertrag verhandeln. Ein solches Abkommen ist Trumps Hauptziel im Nahen Osten. Während seiner Reise durch die Golf-Staaten nannte der US-Präsident einen saudisch-israelischen Vertrag „meine inständige Hoffnung, meinen Wunsch, meinen Traum“. Er verzichtete aber darauf, die Saudis zu Gesprächen mit Netanjahu zu drängen.