Dass die Delegation aus Moskau ihr Gegenüber genau studiert haben dürfte, wurde bereits am Vorabend des Treffens offensichtlich. In einem Interview mit dem US-Sender CNN lobte der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew US-Präsident Donald Trump und die in die saudische Hauptstadt Riad gereisten US-Vertreter als „große Problemlöser“. Dmitrijew, der auch Vorsitzender des staatlichen russischen Investitionsfonds ist, sprach zudem ausführlich über die wirtschaftlichen Verluste, die große US-Ölkonzerne durch ihren Rückzug aus Russland erlitten hätten.

Trotz aller Schmeicheleien und der Appelle an den Geschäftssinn Trumps blieb das erste hochrangige russisch-amerikanische Treffen seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine vor allem ein Abtasten. Nach dem Ende der Gespräche zwischen den Außenministern Sergej Lawrow und Marco Rubio bremste Wladimir Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow die Erwartungen, dass der geplante Gipfel zwischen dem russischen Präsidenten und Trump bereits nächste Woche stattfinden könnte. Vorher sei noch intensive Vorarbeit der Delegationen notwendig.

„Ein Telefonat und ein Treffen reicht nicht für Frieden“

Bei den Gesprächen, die den Boden für die Aushandlung eines Waffenstillstands bereiten sollen, ist es nach Angaben der US-Delegation unter anderem über Territorium und Sicherheitsgarantien für die Ukraine gegangen. Lawrow bezeichnete die Gespräche im Anschluss als nützlich. Man habe einander zugehört und sich darauf verständigt, einen Prozess zur Beilegung des Konflikts einzuleiten und Hindernisse für die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Russland auszuräumen. Nach der Invasion in der Ukraine hatten sich die USA zusammen mit Europa vor allem darum bemüht, Russland auf dem internationalen Parkett zu isolieren, das sich nun abzeichnende Wiederhochfahren des Verhältnisses markiert daher eine Kehrtwende.

Die US-Regierung, für die in Riad auch der Nationale Sicherheitsberater Mike Waltz und der Nahost-Sondergesandte Steve Witkoff mit am Tisch saßen, äußerte sich zwar ebenfalls zuversichtlich, aber deutlich zurückhaltender als die russische Seite. „Ein Telefonat, gefolgt von einem Treffen, reicht nicht aus, um einen dauerhaften Frieden zu schaffen“, erklärte Sprecherin Tammy Bruce. Trump hatte in der vergangenen Woche ein Telefongespräch mit Putin geführt und dabei nach eigenen Worten den „unverzüglichen“ Beginn von Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine vereinbart.

European Commission President Ursula von der Leyen (L) welcomes US special envoy for Ukraine Keith Kellogg prior to their meeting at the European Commission building in Brussels on February 18, 2025. (Photo by NICOLAS TUCAT / AFP)
In Brüssel traf von der Leyen den Ukraine-Gesandten Keith Kellogg © AFP

Laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ist Putin, „wenn nötig“ auch zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereit, wobei Peskow einmal mehr Selenskyjs Legitimität in Frage stellte, da in der Ukraine wegen des Kriegsrechts derzeit keine Wahlen mehr abgehalten werden können. In seiner Stellungnahme zeigte sich Peskow zudem offen für einen EU-Beitritt der Ukraine, bekräftigte aber das Nein zu einer Nato-Mitgliedschaft.

Bei den Gesprächen in Riad war Selenskyj aber ebenso nur Zuschauer wie die Europäer, die seit Tagen darum kämpfen, doch noch einen Platz am Verhandlungstisch zu bekommen, weil sie befürchten, dass die US-Seite ein für die Ukraine und die EU ungünstiges Abkommen mit Russland schließt.

Von der Leyen trifft Kellogg

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen traf jedoch am Dienstag den US-Ukraine-Sonderbeauftragten Keith Kellogg in Brüssel. „Wir wollen mit den USA zusammenarbeiten, um einen gerechten und dauerhaften Frieden für die Ukraine zu erreichen“, schrieb von der Leyen nach dem Treffen im Kurznachrichtendienst X. „Finanziell und militärisch hat Europa mehr beigetragen als jeder andere. Und wir werden noch mehr tun.“ Laut von der Leyens Büro hat Kellogg „bekräftigt, dass jede Lösung die Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine respektieren müsse, gestützt auf starke Sicherheitsgarantien“. In Riad hat Außenminister Rubio ebenfalls erklärt, dass eine Lösung für alle Beteiligten akzeptabel sein müsse und niemand draußen gelassen werde.