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CoronavirusSchulschließungen ziehen hohe Kosten nach sich

Sowohl individuell, für Eltern bzw. Familien, als auch volkswirtschaftlich hätte der Lockdown für die Schulen gravierende finanzielle Folgen, sagen Expertinnen des Wifo.

PK 'WIFO-STUDIE: PFLEGEVORSORGE IN DEN GEMEINDEN': FAMIRA-MUeHLBERGER
Ulrike Famira-Mühlberger: Mitautorin eines "Research-Briefs" des Wifo © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Schulschließungen ziehen aus ökonomischer Sicht "hohe individuelle und gesellschaftliche Kosten nach sich". Zu dieser Schlussfolgerung kommt ein "Research Brief" des Wifo. Diese Kosten könnten sowohl direkt über Einkommenseinbußen entstehen oder indirekt etwa über steigende Gesundheitskosten wegen fehlender Bewegung, psychischer Belastung etc. Besonders betroffen dürften jüngere Kinder sein, die noch umfassende Unterstützung beim "Erlernen von Lernen" benötigen.

In der Untersuchung, die diverse Studien der vergangenen Jahre zusammenfasst, verweisen die Autorinnen Julia Bock-Schappelwein und Ulrike Famira-Mühlberger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) auch auf historische Beispiele. So waren etwa 1990 im wallonischen Teil Belgiens aufgrund von Streiks nahezu alle Schulen über mehrere Monate immer wieder und sechs Wochen ganz geschlossen. Im Vergleich zu den Schülern im flämischen Teil Belgiens mussten in Folge wallonische Schüler vermehrt Klassen wiederholen. Sie erreichten auch langfristig nur niedrigere Bildungsabschlüsse, was negative Effekte auf ihren persönlichen Arbeitsmarktverlauf hatte und zu gesellschaftlichen Wohlfahrtsverlusten führte. Ähnliche empirische Ergebnisse gebe es auch für Kanada und Argentinien.

Eltern unter Druck

Folgen haben Schulschließungen aber auch auf das Arbeitsangebot der Eltern: In Österreich haben rund 31 Prozent der Beschäftigten Kinder unter 15 Jahren in ihrem Haushalt und rund 25 Prozent keine potenzielle Betreuungsperson, also keine erwachsene Person ohne Beschäftigung, im gleichen Haushalt. Insgesamt 12,5 Prozent der Beschäftigten kommt im Falle von Schul- oder Kindergartenschließungen eine Versorgungsverpflichtung gegenüber Kindern zu, wobei von diesen Personen neun Prozent aller Arbeitsstunden in Österreich geleistet werden. "Auch wenn diese betroffenen Personen kreative Wege des Verbindens von Beschäftigung außer Haus bzw. Homeoffice und Homeschooling finden, sind die unmittelbaren Effekte auf das Arbeitsangebot negativ", heißt es in der Untersuchung.

Verluste für Volkswirtschaft

Auch Verluste beim BIP sind durch die Einschränkung der elterlichen Berufstätigkeit möglich, wenn dadurch unwiederbringliche Umsatzverluste entstehen wie zum Beispiel einer Nicht-Beteiligung an Ausschreibungen oder einer Nicht-Erbringung von Dienstleistungen. Zusätzlich hätten Schulschließungen negative Effekte auf die Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen, da letztere ihr Arbeitsangebot bei Schulschließungen stärker einschränken.

Negative Folgen gibt es außerdem für Zulieferbetriebe - also etwa Betreiber von Fahrtendiensten, Bäckereien oder Gastro-Betriebe, die Schulessen bereitstellen. Langfristige ökonomische Effekte würden für Unternehmen bzw. die Gesellschaft auch entstehen, wenn der Anteil von Schülern mit unzureichenden Basiskompetenzen weiter steigt - das habe Konsequenzen auf das Angebot an Fachkräften wie für Innovationen.

Kommentare (6)
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christakind71
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Dann sollen's die Schulen offen lassen ...

... aber BITTE in den Schulen auch normal weitermachen. Was da derzeit abgeht ist schlimm: auf Grund der Angst vor einer Schulschließung und um - damit verbunden - jetzt noch schnell einige Noten von den Kindern zu bekommen folgt ein Test auf den anderen, dazu noch Schularbeiten. Beispiel (4.Klasse AHS): Mi vor den Herbstferien Chemietest, am Do Geschichte und Mathetest, Fr Englisch-SA, nach den Ferien (die übrigens durchgelernt wurden) Mi Deutsch-SA, Do Mathetest, Fr Geotest, Mo darauf Wh. vom Chemietest (weil so super ausgefallen 😒), Di Mathe-SA...
Es hagelt duch die ganze Unterstufe durch 5er, mein Kind ist zwar überall knapp positiv - schläft aber seit neuestem schlecht und ist beim Lernen nach kurzer Zeit komplett fertig und beginnt zu weinen vor lauter "ich kann nicht mehr". Bitte, wenn das der Sinn einer geöffneten Schule ist, dann verzichte ich gerne darauf!!!
Bei beinahe den gleichen Lehrenden war das übrigens vor 3 Jahren noch nicht so...da gab es die Schularbeiten und max. 1 Test pro Semester pro weiterem Fach...und es wurde die Mitarbeit bewertet...

AAltausseer
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Ach, um die Kosten geht‘s!

Ich dachte, zuerst geht’s ums (Über)leben! Um das Eindämmen der Pandemie!
Das wird mit Fortsetzung der völlig willkürlichen Altersdifferenzierungen halt leider nicht funktionieren, und uns Alle noch viel teurer zu stehen kommen!

BernddasBrot
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Der Intensiv Mediziner Wernisch ,

wir Ärzte arbeiten mit Masken und Einhaltung aller Regeln . Lehrer sollten ebenso danach arbeiten , dann funktioniert es....

AloisSteindl
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Das ist die eine Seite

Aber welche Kosten entstehen, wenn die Schulen auf Teufel komm raus offengehalten werden? Wieviele Kranke oder Tote werden dadurch in Kauf genommen? Wie rechnet man eine frühzeitig verstorbene Oma gegen das steigende Bruttosozialprodukt um?

Waren die Kosten im Sommer kein Thema? Die rechtzeitige Ausstattung der Schulen und zum Beispiel Anmietung sonst eh leer stehender Gebäude ist natürlich unfinanzierbar.
Jammern, dass die Schließung ein Vermögen kostet, aber aus Kostengründen nicht bereit sein, etwas rechtzeitig dagegen zu unternehmen, ist eigentlich ziemlich einfältig.

UHBP
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Schulschließungen ziehen aus ökonomischer Sicht "hohe individuelle und gesellschaftliche Kosten nach sich"

No na ned!
Trotzdem, glaube keiner Studie die du nicht geschrieben hast und überlege dir wer der Auftraggeber ist.

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"In Österreich haben rund 31 Prozent der Beschäftigten

Kinder unter 15 Jahren in ihrem Haushalt und rund 25 Prozent keine potenzielle Betreuungsperson, also keine erwachsene Person ohne Beschäftigung, im gleichen Haushalt."

Das dürfte sich ja bald angesichts steigender Arbeitslosenzahlen ändern.