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Laut Gutacherin Rot-Kreuz-Mitarbeiter und Altbauern getötet: Verdächtiger zurechnungsfähig

Laut Gutachterin liegt Wahnerkrankung vor, diese sei aber nicht Ursache für die Bluttaten gewesen. Kein Antrag auf Einweisung in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher zu erwarten.

in Afghane, der im Oktober 2019 im Mühlviertel einen Rot-Kreuz-Mitarbeiter und einen Altbauern getötet haben soll, ist laut psychiatrischer Gutachterin Adelheid Kastner zu beiden Tatzeitpunkten zurechnungsfähig gewesen
in Afghane, der im Oktober 2019 im Mühlviertel einen Rot-Kreuz-Mitarbeiter und einen Altbauern getötet haben soll, ist laut psychiatrischer Gutachterin Adelheid Kastner zu beiden Tatzeitpunkten zurechnungsfähig gewesen © APA/LAUMAT.AT / MARIO KIENBERGER
 

Ein Afghane, der im Oktober 2019 im Mühlviertel einen Rot-Kreuz-Mitarbeiter und einen Altbauern getötet haben soll, ist laut psychiatrischer Gutachterin Adelheid Kastner zu beiden Tatzeitpunkten zurechnungsfähig gewesen. Er habe eine Wahnerkrankung, die aber nicht Ursache für die Tötungsdelikte gewesen sei, zitierte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz aus der Zusammenfassung des Gutachtens.

Laut Staatsanwaltschaft gebe es daher keinen Grund für einen Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Portal "oe24.at" hat am Dienstag über die Expertise berichtet.

Mordanklage

Nach Auskunft von Verteidigerin Astrid Wagner sei die Wahnstörung, unter der ihr Mandant leide, religiös gefärbt. Er habe seine Person erhöht, um "eine Kompensation einer defizitären Lebenssituation" zu erreichen. Allerdings sei der Wahn nicht handlungsbestimmend gewesen. Ihr Mandant leide auch an keiner durchgehenden höhergradigen geistigen Abnormität, daher bestehe "kein Substrat" für eine Einweisung in eine Anstalt.

Wagner und ihr Kollege Wolfgang Blaschitz rechnen daher mit einer "normalen Mordanklage" in ein oder zwei Monaten, die Erkrankung des Beschuldigten könnte sich aber in der Strafbemessung auswirken. Sie wollen noch einmal hinterfragen, ob der Wahn wirklich gar keine Rolle gespielt haben soll, erläuterte Wagner der APA die Verteidigungsstrategie.

Der 33-jährige Asylwerber war am 14. Oktober mit einem 32-jährigen Flüchtlingsbetreuer in einer Unterkunft in Wullowitz (Bezirk Freistadt) in Streit geraten. Hintergrund dürften Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit einem Arbeitsplatz gewesen sein. Der Afghane soll den Rot-Kreuz-Mitarbeiter mit einem Messer attackiert und versucht haben, ihm die Kehle aufzuschneiden. Andere Asylwerber gingen dazwischen und es gelang ihnen zunächst, den Angreifer von seinem Opfer wegzuzerren. Der Afghane riss sich aber wieder los und stieß dem Betreuer das Messer in die Brust. Dann flüchtete er mit einem gestohlenen Fahrrad. Kurz darauf soll der Flüchtige bei einem nahegelegenen Bauernhof einen 63-Jährigen erstochen haben, um an dessen Auto zu gelangen. Mit dem Fahrzeug setzte er die Flucht fort. Er kam bis Linz, wo er festgenommen wurde. Der Flüchtlingsbetreuer erlag wenige tage später seinen Verletzungen.

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