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"Nicht zwangsläufig förderlich"Helikoptereltern landen nun auch an den Unis

Eltern werden deutlich präsenter, wenn ihr Nachwuchs an den Universitäten zu studieren beginnt: Überengagement führt aber zu Verunsicherung junger Erwachsener, warnen Experten. In Graz und Kärnten gibt es bereits eigene Eltern-Infoveranstaltungen.

 Nach Kindergarten und Schule sind die Helikoptereltern nun auch an Österreichs Hochschulen gelandet
Nach Kindergarten und Schule sind die Helikoptereltern nun auch an Österreichs Hochschulen gelandet © aleutie - stock.adobe
 

Sie begleiten ihre Kinder zum Informationsabend und zur Inskription oder intervenieren, wenn Probleme auftauchen: Nach Kindergarten und Schule sind die Helikoptereltern nun auch an Österreichs Hochschulen gelandet. Überengagierte Eltern sind laut Unis und Fachhochschulen zwar noch eher eine Randerscheinung, es werden aber stetig mehr. Ihren Kindern tun sie damit nichts Gutes, warnen Experten.

Seit einigen Jahren werden junge Erwachsene im Studium deutlich öfter von Mama und Papa an der Hand genommen, berichten die Unis Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt auf Anfrage der APA. Fachhochschulen (FH) sind laut Fachhochschulkonferenz ebenfalls betroffen, wenn auch wegen des älteren Klientels nicht so stark.

Eigene Infoveranstaltungen

Zu Studieninformationsveranstaltungen kommen mittlerweile viele Maturanten in Begleitung der Eltern, die dann teils mit mehr Elan bei der Sache sind als ihr Nachwuchs. An der FH Krems kennt man auch Anrufe mit der Ansage "Wir sind gerade dabei, uns zu bewerben", bei Studienbeginn werde dann so mancher Studienanfänger von den Eltern bis zum Eingangstor begleitet. Von der Uni Wien wird berichtet, dass Eltern ihre Kinder auch zu Aufnahmeverfahren für Studien mit Platzbeschränkung begleiten. Dort heißt es allerdings ab einem bestimmten Punkt: Einlass nur für Bewerber.

Auch an der Uni Innsbruck sind telefonische Anfragen von Eltern zu Studienangebot und Zulassung keine Seltenheit mehr. Dass diese zu Studienberatung und Einschreibung mitkommen, findet man hier "fast schon normal", vor allem bei Studienanfängern aus Südtirol und Luxemburg. Nach dem Motto "Wir müssen das Ganze schließlich finanzieren" würden diese "viel genauer fragen, genauer zuhören und auch kritisch nachfragen". Auch an der Uni Graz werden die Eltern, bisweilen sogar die Großeltern, zur Einschreibung mitgenommen.

Die Studienabteilung der Uni Salzburg hat mit dem Engagement von Eltern wenig Freude: Die Einschreibung werde durch "das permanente Einmischen und Fragen der Eltern" deutlich verzögert. Dazu kämen viele Telefonate, von Banalitäten bis zur Intervention. Leiter Johann Pinezits hat dafür kein Verständnis, immerhin solle die Uni auch zu einer selbstständigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeit beitragen.

An der Uni Graz hat man auf das gestiegene Interesse der Eltern reagiert und bietet für sie seit mehreren Jahren im Rahmen der "Schnupperuni" im August eine eigene Infoveranstaltung an, genutzt wird sie vor allem von Nicht-Akademikern. In Kärnten gibt es gemeinsame Eltern-Informationsveranstaltungen von Uni, FH und Pädagogischer Hochschule (PH), die sich ebenfalls vor allem an Eltern ohne akademischen Hintergrund richten. Immerhin sei bei diesen der Informationsbedarf am größten, heißt es von der Uni Klagenfurt.

An anderen Unis geht man damit weit zurückhaltender um. An der Uni Innsbruck will man sich erst klar werden, wie weit das Serviceangebot gerade für die Erstsemestrigen gehen soll, immerhin solle der Studieneinstieg auch "ein Schritt in Richtung mehr Selbstständigkeit sein". An Uni Wien und WU sind zumindest vorerst ebenfalls keine Angebote geplant.

Auch nach Studienbeginn engagieren sich einzelne Eltern über die Maßen und versuchen an Uni oder FH für ihre Kinder zu intervenieren, wenn diese eine Frist verpasst haben oder die Noten nicht passen - allerdings ohne Chance auf Erfolg, wie die Hochschulen betonen. "Bei allem, was Beratungscharakter hat, dürfen Eltern dabei sein. Ihre Rechte und Pflichten müssen die Studierenden aber persönlich wahrnehmen", formuliert man es etwa an der Uni Wien. Die FHs verweisen dann auch auf den Ausbildungsvertrag, der zwischen Student und FH abgeschlossen werde und nicht mit den Eltern.

Doch nicht nur die Sorge um den Nachwuchs lässt Eltern zum Telefonhörer greifen: Wenn Studenten keinen Kontakt mehr zu einem Elternteil haben oder um Unterhaltszahlungen gestritten wird, versuchen Eltern auch immer wieder Informationen etwa über den Studienerfolg des Nachwuchses einzuholen.

Bei der Ombudsstelle für Studierende hat man es öfter als früher mit Eltern zu tun, insgesamt sei es aber nur ein kleiner Teil der Kontakte. Anfragen gibt es etwa bei Problemen bei Zulassung und Aufnahmeverfahren oder wenn Studenten der Ausschluss von der Hochschule droht. Teilweise würden Eltern auch ohne Wissen der Studenten anrufen, etwa wenn der Nachwuchs die Studiengebühren nicht eingezahlt oder die Eltern selbst den Zahlschein verloren haben und deshalb kein Weiterstudieren möglich ist. "Den Kindern ist das dann oft etwas peinlich", schildert Leiter Josef Leidenfrost im APA-Gespräch. Andere statten wiederum die Eltern mit einer Vollmacht aus und lassen sie überhaupt allein ihre Interessen vertreten. Das spiele sich allerdings im Promillebereich ab.

Einen Gefallen tun überfürsorgliche Eltern ihren Kindern mit alldem nicht, betonen Experten im Gespräch mit der APA. Bei der Studienwahl sei ihr Einsatz "nicht zwangsläufig förderlich", drückt es Wolfgang Kaltenbrunner diplomatisch aus. Er hat in seiner Bachelorarbeit im Bereich Wirtschaftspsychologie an der FH Krems gezeigt: Je stärker Eltern ihre Kinder kontrollieren und in ihrer Autonomie einschränken, umso mehr Stress empfinden diese bei der Studienwahl. Auch im späteren Studienverlauf tun sich diese jungen Erwachsenen schwerer, selbstständige Entscheidungen zu treffen.

"Gewisse Grundunsicherheit da"

Jugendliche werden heute vor allem in bildungsnahen Milieus bei Lebensentscheidungen viel später selbstständig, betont Beate Großegger, wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Jugendkulturforschung, im APA-Gespräch. Zusätzlich gebe es überfürsorgliche Eltern, die große Hoffnungen in die Bildung ihrer Kinder setzen und diese damit schon während der Schulzeit überfordern. "Diese Eltern müssen dann ihre Kinder beim Inskribieren an der Uni unterstützen, weil eine gewisse Grundunsicherheit da ist."

Dazu komme eine generelle Überforderung durch die Vielzahl an Studien und die Sorge, ob das gewählte Fach auch wirklich für den Arbeitsmarkt der Zukunft vorbereitet und zu einem passt. Auch danach bleibt der Druck laut Großegger hoch: Nach ein bis zwei Probesemestern das Fach zu wechseln, sei früher keine Krise gewesen. "Heute herrscht hier viel mehr Druck, die sozialen Erwartungen sind hoch."

Kommentare (15)

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UHBP
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Da das Problem ja ein Marginales zu sein scheint

könnte man für die wenigen Eltern ja einen Hort einrichten, wo sie in der Zwischenzeit von qualifizierten Menschen beaufsichtigt werden.

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CuiBono
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Zu einseitige Sichtweisen

erkenne ich aus den Kommentaren hier.
Oder zumindest eine Ansammlung von Kritikern einer Minderheit.
So sehe ICH das.

Die im Artikel benannten Helikoptereltern sind doch eine Minderheit, und zwar eine ganz kleine.
Wenn Heranwachsende noch in AHS/BHS von Eltern unter der "Fuchtel" sind, stimmt was wesentliches nicht. Und an der Uni/FH hört sich der Spass doch sowieso auf. Diese jungen Leute, die sich das "gefallen" lassen, kannst doch wohl eh nie und nimmer gebrauchen.

Der weit überwiegende Großteil der Jugendlichen hat absolut nichts dergleichen vorzuweisen und kämpft sich eigenständig durch die Berufsausbildung inklusive vorgeschriebenen (sehr oft ausbeuterischen) Ferialpraktiken und damit ins praktische Leben. Zusätzlich begleitende Nebenbeijobs zur Finanzierung des Studiums inkludiert.

Bitte damit aufhören, sich an Nischenproblemen, die so gut wie nichts zu bedeuten haben, aufzuhängen.

Die Jugend ist besser und eigenständiger als man denkt.
Wie gesagt, so sehe ICH das.

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Hieronymus01
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Mit 18 ein Auto eine Wohnug usw.

und sponsern sollen es die Eltern.
Ferienjob, was ist das?
Wenn dann max. 4 Wochen einen Bürjob wo man nicht gefordert sondern, wenn geht, gefördert wird.

Ich sehe für einen Großteil der österreichischen Jugend Schwarz.

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sev57
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So wie die Generation

vor Ihnen für sie schwarz gesehen hat? Und die Generation davor für ebenjene?

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brosinor
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Schlimm...!

Diese unselbständigen verhätschelten Weicheier sind die kommende Elite die angeblich unser aller Schicksal beeinflussen soll.....na servas, rette sich wer kann!

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calcit
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Ich war froh als ich mit 18 so viel Kilometer wie möglich...

...zwischen meine Eltern und mich brachte und von Tirol in die Steiermark gegangen bin 😁

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erstdenkendannsprechen
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meine eltern wären gar nie auf die idee gekommen.

so nach dem motto: deine sache nun, wenn du das alleine schaffst, wird es das richtige sein, ansosnten sollst du vielleicht was anderes angehen. damit einher ging aber ein absolut wunderbares gefühl von freiheit und selbstverantwortung. mit 19 bin ich mir wirklich erwachsen vorgekommen.

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eleasar
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Es wäre noch besser, wenn die Eltern auch die Prüfungen für ...

... ihre Kinder ablegen. Und am besten wäre es, wenn sie überhaupt das Leben ihrer Kinder leben. Nur so kann man sicher sein, dass diese keine Fehler machen und so an Lebenserfahrung und Stärke im Umgang mit schwierigen Situationen gewinnen.

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asbachuralt
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Spätestens mit der Matura...

...wird es Zeit, die Kinder "abzunabeln". Dies ist umso schwieriger, je unselbstständiger man sie erzogen hat - übertriebene "Bemutterung" ist für Heranwachsende ganz sicher nicht gut!

Das hat jetzt überhaupt nichts damit zu tun, dass man seinen Kinder zur Seite steht, wenn sie Hilfe benötigen. Ganz schlecht ist jedoch, wenn man ihnen sämtliche Entscheidungen abnimmt und sie immer und überall bevormundet!

Ab einem gewissen Alter sollten Eltern sich hauptsächlich auf beratende Funktion beschränken, Entscheidungen jedoch dem Nachwuchs überlassen. Wenn "Kinder" bereits studieren, sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein!

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cockpit
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Lasst eure Kinder los und ihre eigenen Erfahrungen sammeln!

Kinder müssen lernen, selbständig zu sein. Als Eltern hat man nur die Pflicht sie ein Stück weit ihres Weges zu begleiten und dann loszulassen. Die Kinder werden es dann von selbst ihren Eltern danken! Es gibt nichts schlimmeres als dieses überbehütet sein.

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habatech
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Wir wollen studieren.....

Das hatte ich schon vor über 20 Jahren. Ich saß auf der ÖH bei der Inskriptionsberatung und plötzlich stand ein älterer Herr vor mir mit den Worten: 'Wir wollen studieren...'. Gemeint war nur sein Sohn hinter ihm. Der war dann zwar sehr schnell im Studium, aber für das tägliche Leben kaum zu brauchen......

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cockpit
2
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ja, davon gibt es leider immer mehr; als Mitarbeiter unbrauchbar

!

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kropfrob
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Ich warte schon darauf ...

... dass sich so einer in meinem Büro bewirbt. Immerhin bekomme ich dann Zwei (Sohn und Vater) zum Preis von Einem </ironie>

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wassi
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Zu meiner Zeit

völlig undenkbar....ich hätte mich in grund und boden geschämt, wenn meine eltern beim inskribieren etc. mitgegangen wären. und für meine eltern wäre es auch undenkbar gewesen, dass sie auf die uni mitgehen....

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erstdenkendannsprechen
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ja - daran kann ich mich genau erinnern:

mit 18 bewarb ich mich für einen sommerjob. weil ich kein auto hatte und der arbeitsort mit öffentlichen verkehrsmitteln nicht zu erreichen war, hat mich meine mutter hingebracht. ich habe ihr gesagt, sie soll mich außer sichtweite rauslassen. nicht, weil sie mir peinlich war - aber weil es mir sehr unangenehm gewesen wäre, bei der bewerbung von der mutter begleitet werden zu müssen.

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