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29-Jährige totNach Gasexplosion: Vermisste Person war im Spital

Nach der Gasexplosion in Wien suchen die Helfer nach einer vermissten Person. Eine 29-Jährige wurde tot geborgen.

© APA
 

Eine der zwei Personen, die nach der Gasexplosion in Wien-Wieden zuletzt als vermisst gegolten hatten, ist wieder aufgetaucht. Sie hatte sich in einem Krankenhaus befunden, teilte die Wiener Berufsfeuerwehr Donnerstagmittag am Unglücksort mit.

Bei der betreffenden Person handelt es sich um jene, die sich zum Zeitpunkt der Detonation in jenem Stiegenhaus befunden haben soll, das aufgrund der Erschütterung eingestürzt war. Damit wurde am frühen Donnerstagnachmittag noch eine Person vermisst, nach der seit mehreren Stunden im Schutt vor bzw. am fünfgeschoßigen Gebäude an der Ecke Preßgasse - Schäffergasse gegraben wird. Es wird befürchtet, dass sie von Trümmern verschüttet wurde.

"Absolute Ruhe" für Einsatz

Auf der Suche nach möglicherweise Verschütteten hat die Berufsfeuerwehr ein Team zur Schallortung in die Ruine beordert. Eine Grundvoraussetzung für diese Technik sei "absolute Ruhe an der Einsatzstelle", erläuterte Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf im APA-Gespräch. Nicht zuletzt deshalb wurden großräumige Absperrungen verfügt.

Die Methode sei "am besten vergleichbar mit dem Stethoskop, das ein Arzt verwendet. Es geht darum, eine Verlängerung zu haben, um Geräusche, wie hier zum Beispiel aus dem Inneren eines Schuttkegels, besser hören zu können", sagte Schimpf. Gesucht wird nach "Bewegungen oder Lebenszeichen einer möglicherweise verschütteten Person" - "Wir sprechen hier von Atemgeräuschen, Kratzgeräuschen, Klopfgeräuschen und ähnlichem."

"Für diese Methode werden alle anderen Arbeiten an der Einsatzstelle eingestellt", erläuterte der Fachmann das Vorgehen. "Dann kommt das Team der Schallortung vor Ort mit den Messgeräten. Das sind längere Stangen mit sehr sensiblen Mikrofonen." Über Kopfhörer, die die Ohren ganz abschließen, forschen die Feuerwehrleute damit den Geräuschen nach.

"Man darf sich aber nicht vorstellen, dass das eine 100-prozentige Variante ist", wies Schimpf auf die Schwierigkeiten hin. "Es gibt sehr viele Dinge, die Geräusche verursachen, sei es von elektrischen Geräten, sei es von Versorgungsleitungen, sei es von Wasserleitungen, wo man es rauschen hört. All diese Dinge übertragen Schall auf andere Bauteile, und es ist wirklich eine Erfahrungssache, hier herauszuhören, was sind Lebenszeichen einer Person und was sind die normalerweise immer vorhandenen Geräusche, die ein Gebäude von sich gibt."

Im konkreten Fall nach dem teilweisen Gebäudeeinsturz könne man sich das so vorstellen: "Schutt, Sand rieseln im Inneren noch immer herum, und man braucht ein sehr feines Gehör, um die richtigen Informationen herausfiltern zu können", sagte Schimpf.

Erfolgreich eingesetzt werde die Technik von der Berufsfeuerwehr Wien schon lange. "Wir haben auch immer Leute, die damit ausgebildet sind. Wenn man zurückdenkt an die Gasexplosion an der äußeren Mariahilfer Straße, die schon einige Jahre zurückliegt (im April 2014, Anm.), da ist diese Technik zum Einsatz gekommen und hat uns damals auch zu einer verschütteten Person geführt."

Zur Anwendung komme die Methode "überall dort, wo mit Verschütteten gerechnet wird". Der Anlass sei nicht immer derart folgenschwer und spektakulär, beispielsweise auch ein einzelner Deckeneinsturz durch Bauschaden oder ein Unfall auf einer Baustelle. Die Gruppe werde daher mehrmals im Jahr alarmiert und sei regelmäßig im Einsatz. Geräte gibt es ausreichend, um mehrere Trupps auszustatten. Es könnten aber nur zwei bis drei Spezialisten gleichzeitig damit vorgehen, "weil ja auch die Suchenden Selbstgeräusche verursachen", sagte Schimpf.

Ebenfalls im Einsatz standen Suchhunde der Rettungshundestaffel der Berufsfeuerwehr. Die Tiere seien "ganz besonders in der Trümmersuche ausgebildet, weil das unser häufigster Anwendungsfall ist". Sie seien "sehr, sehr gut ausgebildet" und erzielen auch bei internationalen Bewerben regelmäßig Topplätze.

Schutt händisch abgetragen

Donnerstagmittag hatten die Einsatzkräfte bereits große Mengen an Schutt händisch abgetragen. Parallel dazu wurde technisches Gerät vorbereitet, um das Material wegzuschaffen. Am teileingestürzten Gebäude selbst begann die Feuerwehr damit, Geschoßdecken, die aufgrund der Explosion übereinanderzuliegen gekommen waren, von oben schrittweise abzutragen. Die Arbeiten am Gebäude würden so lange fortgeführt, bis dieses als gesichert gilt und nicht mehr einsturzgefährdet ist, teilte Feuerwehr-Sprecher Gerald Schimpf mit. Die Instandsetzungsarbeiten sollen dann sukzessive an Baufirmen vergeben werden.

Die unmittelbaren Nachbargebäude und angrenzende Häuser, an denen bedingt durch die heftige Detonation Schäden an der Bausubstanz und durch Glasbruch aufgetreten sind, sind nicht einsturzgefährdet, hieß es seitens der Feuerwehr. Die aus Sicherheitsgründen evakuierten Bewohner könnten "vermutlich in absehbarer Zeit in ihre Wohnungen zurückkehren", hieß es an Ort und Stelle gegenüber der APA.

Instabil

"Man kann nur händisch nach der verschütteten Person suchen, um diese nicht zu gefährden", erklärte Feuerwehr-Sprecher Gerald Schimpf an Ort und Stelle vor Journalisten. Die Tätigkeit der Feuerwehr wurde insofern erschwert, weil immer wieder Teile des Daches in die Tiefe stürzten und Schutt nachrutschte. "Das Gebäude ist in einem instabilen Zustand. Die Feuerwehr bleibt jedenfalls so lange vor Ort, bis Klarheit über die vermisste Person herrscht und das Gebäude komplett abgesichert ist", betonte Schimpf.

 

Bis auf Weiteres können die betroffenen Hausbewohner die Anlage aus Sicherheitsgründen nicht betreten. In dem Gemeindebau aus den frühen 1950er-Jahren gibt es 30 Wohnungen, 22 Wohnungen mit 42 dort gemeldeten Personen waren von der Detonation unmittelbar betroffen

Nach dem Unglück hatten zunächst drei Personen als vermisst gegolten. Zwei Schwerverletzte waren in den Nachtstunden in zwei verschiedenen Spitälern behandelt wurden, ihr Zustand hat sich inzwischen stabilisiert. Zwölf weitere Verletzte - darunter ein Kind - waren ebenfalls - zumindest vorübergehend - in stationärer Behandlung. Sie hatten Schnittwunden, Verbrennungen oder Prellungen erlitten bzw. über Atembeschwerden geklagt.

Wien: Wohnhaus nach Explosion teilweise eingestürzt

Die verheerende Detonation - die Einsatzkräfte gehen von einer Gasexplosion aus - in einem Gemeindebau in Wien-Wieden hat zumindest ein, wahrscheinlich zwei Todesopfer gefordert.

In der Nacht auf Donnerstag wurde in der Trümmern des Hauses Ecke Preßgasse - Schäffergasse eine weibliche Leiche geborgen. In einem weiteren Hohlraum ortete man eine weitere Person, die keine Lebenszeichen gab. Lesen Sie mehr hier!

 

Mehr Bilder von den Schäden und dem Einsatz vor Ort!

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29-Jährige tot geborgen

Eine 29 Jahre alte Frau  konnte nur mehr tot aus den Trümmern geborgen werden. Von den Leichtverletzten befanden sich am Donnerstagvormittag nur mehr drei Personen in Spitalsbehandlung. "Die restlichen Patienten konnten in häusliche Pflege entlassen werden", teilte Christoph Mierau vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) mit.

Feuerwehrmann verletzt

Ein Feuerwehrmann hat sich bei den Bergungsarbeiten verletzt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Es dürfte sich zum Glück um keine lebensbedrohliche Verletzung handeln.

Gasexplosion in Wien
Gasexplosion in Wien Foto © (c) APA

In unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle befinden sich eine Volksschule und eine Neue Mittelschule. Wie ein Anrainer der APA mitteilte, sollen sich 30 bis 40 Minuten vor dem Unglück noch Kinder und Eltern, die ihre Kleinen von der Nachmittagsbetreuung abholten, auf der Straße befunden haben. Später wurden die Schulen vorübergehend geöffnet, wo evakuierte Bewohner und besorgte Angehörige gelabt wurden.

Wiener Netze: Hausleitung nicht undicht

Die Ursache der Gasexplosion muss erst geklärt werden. Gerhard Fida, Geschäftsführer der Wiener Netze, schloss am Donnerstag allerdings eine Undichtheit in der Hausleitung aus. Das hätten Messungen der Gaskonzentration im Keller des betroffenen Gebäudes in der Preßgasse ergeben, sagte Fida der APA.

"Es besteht keine unmittelbare Gefahr. Wir haben alle Leitungen in den benachbarten Straßen überprüft", betonte der Geschäftsführer. Das teilweise eingestürzte Gebäude wurde ebenso von der Strom- und Gasversorgung genommen wie einige benachbarte Häuser. Das sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme". Letztere sollten im Laufe des Tages wieder mit Gas und Strom versorgt werden.

Das Wiener Gasnetz hat eine Länge von rund 4.400 Kilometern. "Wir haben eine eigene Truppe, die das Netz regelmäßig begeht und kontrolliert", meinte Fida und betonte, dass "Gas eine sehr sichere Energieversorgung" sei.

Nach Abschluss der Rettungsmaßnahmen und der Sicherung des Gebäudes wird das Landeskriminalamt (LKA) mit der Ursachenforschung beginnen. "Wir stehen mit Expertisen zur Verfügung", so Fida.

Ersatzquartiere für Hausbewohner stehen bereit

Die Stadt Wien hat Ersatzquartiere für sämtliche betroffene Bewohner der einsturzgefährdeten Wohnhausanlage organisiert. Die Detonation hatte ein riesiges Loch in das Gebäude gerissen, zwischen dem zweiten und vierten Stock, in dem sich 22 Wohneinheiten befanden, klafft eine weithin sichtbare Lücke.

Am Donnerstagvormittag stand am Unglücksort ein Bus des Stadtservice Wien bereit, um Interessenten die Notquartiere zu vermitteln. In Koordination mit der Gruppe Sofortmaßnahmen hatte man in kurzer Zeit ein entsprechendes Angebot geschaffen. "Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet", berichtete Florian Weis, der Sprecher des Stadtservice. Die betroffenen Bewohner dürften die vergangene Nacht bei Freunden, Verwandten oder Bekannten verbracht haben.

Bierlein übermittelte "tief empfundene Anteilnahme"

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein hat gegenüber den Angehörigen des Todesopfers der Gasexplosion in Wien-Wieden ihre "tief empfundene Anteilnahme" zum Ausdruck gebracht. "Ich wünsche allen Verletzten rasche Genesung. Den vielen Einsatzkräften gilt mein herzlichster Dank und mein großer Respekt", sagte Bierlein am Donnerstag.

Hausexplosion fordert ein Todesopfer

 

 

 

 

 

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