Um genau sechs Minuten Mysteriös: Radiowecker, Backofenuhren und Co gehen derzeit falsch

Gleich mehrere Uhren im Haushalt zeigen derzeit die falsche Uhrzeit an - das ist auch bereits einigen Steirern aufgefallen. Doch es gibt eine Erklärung.

Viele Backofenuhren gehen derzeit falsch
Viele Backofenuhren gehen derzeit falsch © Pilch
 

Wer hat an der Uhr gedreht? Das fragen sich derzeit einige Leser der Kleinen Zeitung. Ihnen fiel auf, dass gleich mehrere Geräte im Haushalt bis sechs Minuten nachgehen würden. Und das ist tatsächlich kein eigenartiger Zufall.

Seit ein paar Wochen ist zu beobachten, dass Uhren, die am Stromnetz hängen, bis zu sechs Minuten nachgehen. Dies ist aber kein Grund, sie zu entsorgen. Die Ursache liegt in einer Energieknappheit im europäischen Stromnetz, erklärt die Neue Zürcher Zeitung. Denn auch in der Schweiz ist dieses Problem vielen Leute aufgefallen.

 

Warum ist das so?

UMFRAGE

Gehen bei Ihnen auch die Uhren falsch?

Zu beobachten ist das Phänomen bei Uhren, die an das Stromnetz angebunden sind. Sie verfügen nicht über eigene Taktgeber, die sie auf Kurs halten. Sie beziehen die Impulse, wann eine Sekunde um ist, aus dem Stromnetz. 50 Hertz - also 50 Schwingungen des Wechselstroms pro Sekunde - beträgt die Standardfrequenz im elektrischen Netz Europas. Diese Frequenz muss so stabil wie möglich gehalten werden: Denn liegt die Frequenz über längere Zeit über oder unter 50 Hertz, zeigen Uhren in Elektrogeräten eine falsche Zeit an. 

Die Abweichung der Netzzeit von UTC zeigt, wie viele Schwingungen durch Frequenzabweichungen gegenüber 50,000 Hz fehlen. Bei einer Frequenz von z.B. 50,050 Hz dauert es 20 Sekunden, bis das Netz eine Schwingung voraus eilt. Nach 1000  Sekunden mit dieser Frequenz ist das Netz 50 Schwingungen voraus eilend, dies entspricht bei 50 Hz einer Sekunde.

Im bisherigen Betrieb (Juli 2011 bis 2017) traten Netzzeitabweichungen von ±160  Sekunden auf (Juni 2013). Doch seit 3. Januar 2018 sinkt die Netzzeitabweichung kontinuierlich.

Seit Mitte Jänner aber kommt es laut der Neuen Züricher Zeitung im europäischen Stromnetz allerdings zu einem Defizit, das stetig angestiegen sei und gegenwärtig bei 350 Sekunden liegt - das sind die rund sechs Minuten,  wie man auch auf der Homepage von Swissgrid sehen kann.

Swissgrid spricht von einem Verbundnetzpartner, welcher Probleme mit der Fahrplantreue hat. Das Problem sei bekannt und werde in Zusammenarbeit mit allen Verbundnetzbetreiber gelöst. Allerdings sei keine schnelle Lösung zu erwarten.

Dazu gekommen sei es, weil in Europa derzeit Stromknappheit herrsche. Wird plötzlich mehr Strom benötigt, fällt die Frequenz auf unter 50 Hertz. Die Uhrzeit stimmt dann nicht mehr. Dass diese Uhren inzwischen mehrere Minuten nachgehen, liegt begründet in einer Energieknappheit seit Mitte Jänner, wie  auch der Verband der Übertragungsnetzbetreiber  ENTSO-E auf seiner Webseite mitteilt. 

In Österreich auch?

Bei der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control weiß man derzeit von diesem Phänomen nichts. Auch der Energie Steiermark ist dieses Problem nicht bekannt, erklärt Pressesprecher Urs Harnik-Lauris. Dies sei auch nur bei älteren Geräten möglich. Durch den steigenden Anteil an erneuerbaren Energiequellen, werde es zunehmend schwieriger, die Frequenz stabil zu halten. Eine größere Abweichung würde aber vor allem den Hochtechnologie-Konzernen in der Steiermark sofort auffallen. Bisher habe man dazu keine Meldung. So manchem Steirer ist das Phänomen aber schon aufgefallen: "Meine Kinder haben vergangene Woche sogar den Schulbus verpasst, weil die Uhr um einige Minuten nachgegangen ist", so ein Oststeirer.

Kommentare (2)

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gonde
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Ganz Europa rätselt. Dabei ist es ganz einfach:

Diese Regulierungsbehörde, welche Europa weit für ausgeglichene Versorgung der Netze sorgen soll, kann nicht mehr liefern. Es herrscht eklatanter Mangel an Nachschub, sodaß die Netzfrequenz permanent unter 50Hz ist und in Summe an den synchronen Uhren, die Minuten fehlen. :-)
Aufholen können sie erst, wenn das Verbrauchshoch weg ist, sprich wenn es endlich wärmer wird.
Siehe u.a.:https://www.netzfrequenz.info/regelleistung

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gonde
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Im Klartext: Das Netz pfeift aus dem letzten Loch!

Aber ja, wir können ruhig noch ein paar Jahre dahinwursteln, bis....
der erste längere großräumige Netzausfall auch die Blödesten aufwecken wird!

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