StudieDeutlich mehr Schadstoffe bei Tempo 140

Verkehrsminister Norbert Hofer denkt über neue Tempolimits nach und Umweltministerin Elisabeth Köstinger meinte, die Schadstoffemissionen würde sich bei Tempo 140 „in Grenzen“ halten. Messungen zeigen aber: Der Schadstoffausstoß stiege kräftig.

Blockabfertigung von Lastwagen auf der A93
© APA/dpa/Peter Kneffel
 

Der neue Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) denkt über höhere Tempolimits nach, für die neue Landwirtschafts-und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) würden sich die Schadstoffemissionen bei 140 km/h noch in Grenzen halten. Dem widerspricht eine aktuelle Studie, die mir Messtools der Technischen Universität (TU) Graz erstellt wurde:  Diese ergab, dass die Schadstoffemissionen gegenüber 130 km/h bereits um 20 Prozent steigen.

Tempo 140 seien demnach "eine Gefahr für die Klimaziele", sagte der ehemalige Verkehrsminister, Jörg Leichtfried (SPÖ), dem "Kurier" (Freitagsausgabe). Die Geschwindigkeitserhöhung sei definitiv "der falsche Weg", bekräftigte Leichtfried am Freitag auch im Gespräch mit der APA. Außerdem würde es sämtlichen Maßnahmen zur Senkung der Zahl der Verkehrstoten der vergangenen Jahren widersprechen. Ohne Stau und Baustellen ergebe sich bei durchgehender Fahrt zwischen Graz und Wien durch 140 km/h beispielsweise lediglich "eine Zeitersparnis von sechs Minuten, zulasten der Umwelt und der Gesundheit der Österreicher", sagte Leichtfried.

Mit "Klimaschutz gegen die Wand"

Kritik kam auch von Greenpeace. Mit Tempo 140 "fährt die Regierung Klimaschutz an die Wand", hieß es in einer Aussendung. "Wir schauen uns die Studie an und werden die Zahlen überprüfen", sagte ein Sprecher von Köstinger am Freitag der APA.

Mit dem "NEMO - Network Emission Model" der TU-Graz wurde berechnet, dass Tempo 140 bei Pkw den Schadstoffausstoß von Stickoxiden (NOx) um 21 Prozent gegenüber Tempo 130 und sogar um über 50 Prozent gegenüber Tempo 100 steigern würde. Wegen andauernder Überschreitungen des EU-Grenzwerts für Stickstoffdioxid hat die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet.

Neben den Stickoxiden würden bei einer Erhöhung der Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Feinstaubemissionen um 20 Prozent zunehmen, ergab die Analyse. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) würde um zwölf Prozent zunehmen. Hochgerechnet auf rund elf Millionen Fahrkilometer für Leichtverkehr im Jahr würde damit der Schadstoffausstoß von Stickoxiden um 1.000 Tonnen, jener von Feinstaub um 20 Tonnen und der Kohlendioxid-Ausstoß gar um 200.000 Tonnen steigen.

Schadstoffe und mehr Unfälle?

Greenpeace verwies auch auf den Air Quality Report 2017 der Europäischen Umweltagentur. Demnach sind Schadstoffe wie Feinstaub, Stickoxide und Ozon bereits jetzt für über 8.500 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Österreich verantwortlich. "Tempo 140 birgt damit eine doppelte Gefahr: Es führt zu mehr Verkehrsunfällen auf unseren Autobahnen und sorgt für einen dramatischen Anstieg der gesundheitsschädlichen Schadstoffe", betonte Adam Pawloff, Klima-Sprecher bei Greenpeace in Österreich.

Eine flächendeckende Freigabe von Tempo 140 sei ohnedies nicht angedacht, sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Die Tempoerhöhung könne es auch nur bei Strecken mit Verkehrsbeeinflussungsanlage geben. Und das nur, wenn alle Parameter, wie Wetter- und Sichtverhältnisse, stimmen. "Das Ziel ist es, ein Konzept für ein Pilotprojekt aufzusetzen", sagte der Sprecher.

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Danke für Ihr Verständnis.

ffld
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sofort absetzen...

die Umweltministerin gehört sofort abgesetzt.
Wer so eine Aussage macht, ist nicht geeignet für das Umweltamt !!!
Keine Ahnung, nur Geld kassieren !!!
TYPISCH FP !!!

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helga.zuschrott
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ob mehr co2 oder nicht ....

..... ist diesen (un)verantwortlichen doch völliog egal - sie wollen doch da und dort stimmen einfangen => siehe auch aufhebung der nichtraucherregelung.

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isogs
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Wie sagte er

Sie werden sich noch wundern was ich alles kann, oder so ähnlich .....
Allerdings wäre ein bisschen Hausverstand gefragt, aber Intelligenz ist nicht mehr gefragt, sogar unser Bundespräsident hat bei der Angelobung auf die Titelnennung verzichtet, obwohl es in der Regierung wenige zu nennen gibt.....

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raspel
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140 anstatt 130, ..

.. das sieht mir sehr nach Aktionismus aus, weil es absolut nichts bringt.

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zuagraster
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es bringt doch etwas

mehr feinstaub...

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tannenbaum
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Deutlich

mehr Schadstoff ist dieser Regierung Wurscht! Siehe Rauchergesetz! Angeblich haben wir ja sogar einen eigenen Raucherminister!

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huckg
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Vielleicht vorher etwas schlau machen?

"Wir schauen uns die Studie an und werden die Zahlen überprüfen", sagte ein Sprecher von Köstinger am Freitag der APA.

Das es zu vielen Themen bereits fertige Studien und entsprechende Kenntnisse gibt sollte sich auch zu unseren Politikern herumgesprochen haben. Gibt genug Menschen (auch in den diversen Ministerien) die sich seit Jahren mit der Thematik beschäftigt haben, also bitte nicht glauben es muss jetzt Alles neu erfunden werden.

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wjs13
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Zweifel sind angebracht

die Mehrheit die heute 100-120 fährt wird auch bei 140 nicht schneller fahren und die paar die exakt 130 ausnützen fallen nicht ins Gewicht. Der Rest fährt heute schon schneller und wird es auch in Zukunft tun.

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Mein Graz
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@wjs

Schlechtes Argument.
Wer heute 140 fährt ist 10 km/h über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit.
Diese Leute fahren, wenn 140 erlaubt sind, dann halt 150!

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Reipsi
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Irgendwann

hört das alles auf, dann wird " Gebeamt " .

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UHBP
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Falsche Studie.

Es sollte sich in der Bundesregierung langsam rumsprechen, dass nur der Aslan Studien auf Maturaniveau erstellt.
Das hätte dann den Vorteil, dass die Studien auch von den Bundesministern verstanden werden.

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Butterkeks
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...

Und wie viel Schadstoffe produziert der viel zu dichte Luftverkehr? Oder in der schweren Schifffahrt? Wird da etwas dagegen unternommen? Sollen wir in Zukunft unsere Autos über die Autobahn schieben um zur Arbeit zu kommen?

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Prutschw
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Luftfahrt und Schifffahrt

sind sicher nicht zu vernachlässigen.
Aber wenn wir atmen sind wir meistens nicht in 11 km Höhe und Hamburg ist auch ziemlich weit weg...

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isogs
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Ich weiß nicht

aber vielleicht wollten manche doch öfter an die frische Luft, soll gut für die grauen Zellen sein.....

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bestmensch
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für Dich würd ich die leichte Schifffahrt vorschlagen ...

... um zur Arbeit zu kommen!

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Mein Graz
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@Butterkeks

Whataboutism.
Der Karli hat sein Zuckerlpapierl auch aufn Bodn gschmissn, also darf ichs a.

Es steht nicht zur Debatte das Auto zu schieben sondern die Sinnhaftigkeit einer Erhöhung des Tempolimits.

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crey3myxiouok07e708t9ttwn8lc2vkq
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Zeitersparnis und Stressfaktor

Wie sehr gut dargestellt, ist die Zeitersparnis bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn oft viel geringer als geglaubt. Hinzu kommt, das diese Zeitersparnis bei den durch ein höheres Tempolimit entstehenden noch ungleicheren Geschwindigkeiten der Verkehrsteilnehmer nicht unbedingt zunimmt, dafür aber der Stress. Gutes Beispiel ist der Autobahnverkehr in Deutschland. Wer dort mittlere Geschwindigkeit (zwischen 110 und 130 km/h) fährt, hat oft Stress, zwischen den langsameren LKW und den schnellen PKW (bis 180 km/h) zu überholen. Die Schnellen wiederum sind gestresst, weil sie langsamere auf der Überholspur haben und lassen die Überholenden oft nicht einscheren.

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tomtitan
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Schnellfahren bringt absolut NIX,

außer mehr Risiko, Verbrauch und Schadstoffe - gottseidank wird niemand gezwungen so zu rasen.

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