WhatsApp – seit Jahren der dominierende Messenger weltweit – steht offenbar vor einer der größten Änderungen seiner Geschichte. Mehrere Beta-Versionen und Leaks deuten darauf hin, dass Meta plant, künftig auf individuelle Usernamen statt auf Telefonnummern als primären Identifikator zu setzen. Ergänzt werden sollen diese fundamentalen Änderungen durch ein Bündel weiterer Neuerungen: bewegte Fotos, KI-gestützte Chatdesigns, smarte Suchfunktionen und mehr.
Benutzername statt Telefonnummer
Der aktuell diskutierte Umbau betrifft die Art und Weise, wie man auf WhatsApp gefunden werden kann. Bisher ist das nur über die Telefonnummer möglich. Laut Berichten aus Beta-Versionen soll das künftig optional sein: Man wählt einen Benutzernamen (Username), und Nutzer können selbst entscheiden, wer ihre Telefonnummer sehen darf. Wer nicht, sieht lediglich den Namen – ähnlich wie etwa bei Telegram.
Damit würde WhatsApp eine Ebene zusätzlicher Privatsphäre und Anonymität einführen – insbesondere bei Chats mit bislang unbekannten Personen oder in großen Gruppen. Gespräche könnten auf Wunsch geführt werden, ohne die persönliche Nummer preiszugeben.
Derzeit ist das Feature noch nicht offiziell gestartet – es erscheint in iOS- und Android-Betas, und auch WhatsApp Web wird eine Komponente sein, über die man prüfen kann, ob ein Username verfügbar ist, bevor man ihn sich sichert.
Die geplanten Regeln für Usernamen
Aus den entdeckten Versionen lassen sich bereits einige Regeln ableiten:
- Kleinbuchstaben (a–z), Ziffern (0–9), Punkte (.) und Unterstriche (_) sind erlaubt.
- Es muss mindestens ein Buchstabe enthalten sein – reine Zahlen oder nur Sonderzeichen sind ausgeschlossen.
- Namen dürfen nicht mit „www.“ beginnen und auch nicht wie eine Webadresse enden (z. B. „.com“) – wohl um Missbrauch und Verwirrung zu verhindern.
- Einige Versionen verbieten, dass der Username mit einem Punkt beginnt oder endet oder zwei Punkte hintereinander haben darf.
- Die Länge liegt laut Leaks zwischen 3 und 30 Zeichen.
- Wenn ein Username erfolgreich gesetzt wird, soll eine Bestätigungsanimation mit Konfetti erscheinen – eine Art optischer „Meilenstein“ in der App.
Eine Änderung des Usernamens soll automatisch in Chats angezeigt werden, ähnlich wie man heute über Profilbild- oder Nummernwechsel benachrichtigt wird.
Warum der Wechsel bedeutsam ist
1. Mehr Kontrolle über Privatsphäre: Indem man nicht mehr zwingend die Telefonnummer teilt, erhält der Nutzer mehr Kontrolle, wer welche persönlichen Daten sieht. Für viele ist die Nummer ein sensibler Identifikator – und nicht immer möchte man sie mit Fremden teilen.
2. Schutz vor Spam und unerwünschten Kontakten: Spam, unerwünschte Anrufe oder unerwünschte Chats basieren oft auf bekanntem Nummernmaterial. Wenn nur der Username sichtbar ist, könnte die Rate solche unerwünschten Kontakte sinken.
3. Schritt zur Plattformidentität: Ein Username-System verleiht WhatsApp eine zusätzliche Identitätsschicht – weg von der reinen „Telefonnummer-App“, hin zu einer Plattform, auf der man auch über Handles sichtbar ist – ähnlich wie soziale Netzwerke oder andere Messenger. Einige Leaks deuten darauf hin, dass WhatsApp auch in Richtung „Kontaktverwaltung innerhalb von WhatsApp“ arbeitet (statt über das Telefonadressbuch).
4. Herausforderungen & Risiken: Natürlich ist nicht alles nur Vorteile. Manche Punkte, auf die WhatsApp achten muss:
- Identitätsmissbrauch / Impersonation: Wenn Nutzer sehr ähnliche Handles wählen oder jemand ein bekannter Name „klaut“, könnte es Verwirrung geben.
- Namensvergabe-Kampf: Bei begehrten Handles (z. B. „max“, „anna“) dürfte ein Wettlauf entstehen. Die Möglichkeit zur Reservierung vor dem Rollout deutet darauf hin, dass WhatsApp genau das antizipiert.
- Übergangsphase und Kompatibilität: Während einer Übergangsphase existieren sowohl Telefonnummer-basierte als auch Username-basierte Zugänge. Die App muss sauber zwischen beiden Welten vermitteln.
- Sicherheitsmechanismen: Ob es zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen (etwa ein PIN für Nachrichten von Fremdkontakten) geben wird, ist in manchen Leaks angedeutet.
Weitere Neuerungen im Überblick
Parallel zur Umstellung auf Usernamen bringt WhatsApp bereits heute zahlreiche neue Features, die das Chat-Erlebnis persönlicher und vielfältiger machen. Diese Neuerungen stammen direkt von Meta bzw. aus offiziellen Ankündigungen.
- Live Photos (iOS) / Motion Photos (Android): Fotos werden mit Ton und Bewegung eingefangen und können vollständig so geteilt werden, dass Empfänger sie abspielen können.
- KI-generierte Chatdesigns & Hintergründe: Über Meta AI können Nutzer individualisierte Chat-Hintergründe oder Videoanruf-Kulissen erzeugen – nach Stil, Textprompt oder Stimmung.
- Neue Sticker-Sets: Unter anderem „Fearless Bird“, „Schultage“ und „Urlaub“.
- Verbesserte Gruppensuche: Wer den Namen einer Gemeinschaft vergessen hat, kann einfach eine Person suchen und sich alle gemeinsamen Gruppen anzeigen lassen.
- Dokumentenscanner (Android): Direkt in WhatsApp können Dokumente gescannt, zugeschnitten und gesendet werden (iPhone hatte diese Funktion bereits früher).
- KI-gestützte Übersetzungen, Chatfilter, etc.: In einigen Leaks wurde darüber berichtet, dass automatische Übersetzungen im Chat sowie smarte Filterfunktionen in Planung sind.