Es ist Wahlkampf in Wien und die Stadt hat ihren alle zehn Jahre rund erneuerten Stadtentwicklungsplan vorgestellt. Die Kernbotschaft des verschlankten Papiers: Trotz weiterem Bevölkerungswachstum wird es keine weiteren Neubaugebiete geben. Die geplanten Erweiterungen in der Seestadt, in Rothneusiedl oder am Nordwestbahnhof werden wohl die letzten Gebiete sein, die die Stadt noch entwickeln kann.

Laut Planungsdirektor Thomas Madreiter trifft man Vorsorge für ein Bevölkerungswachstum auf 2,2 Millionen Einwohner, also für ein Plus von rund 200.000 Menschen. Sollte das Wachstum größer ausfallen, würde man noch 50.000 weitere berücksichtigen können, hieß es. Der Anteil an Grünraum wird mit mindestens 50 Prozent fixiert.

Ambitionierte Ziele

Wien hat eines der dichtesten Öffi-Netze weltweit. Dennoch verursacht der Autoverkehr einen großen Anteil am CO2-Ausstoß – und benötigt dafür zwei Drittel des gesamten Straßenraums. Die Klimaziele der Stadt sind ambitioniert, sehen die Halbierung des Einzugsverkehrs an der Stadtgrenze sowie nur 250 private Pkw pro 1.000 Einwohner bis zum Jahr 2030 vor. Das heißt, nur jeder vierte Wiener soll ein Auto besitzen. Die Realität sieht freilich noch anders aus, die Kleine Zeitung berichtete.

Beim Radverkehr hat Wien trotz Investitionsoffensive noch immer Aufholbedarf. In den meisten Landeshauptstädten ist der Radanteil größer als in der Bundeshauptstadt. In Salzburg liegt er bei 22 Prozent, knapp gefolgt von Innsbruck (21) und Graz (20). In Wien sind es aktuell nur neun Prozent.

Verkehrs- und Planungsstadträtin Ulli Sima sieht Versäumnisse in der Vergangenheit. „Von sieben oder acht Millionen Euro jährlich aus früherer Zeit wurde das Budget für den Ausbau der Radinfrastruktur im Vorjahr auf 53 Millionen Euro erhöht, 100 Kilometer neue Radwege geschaffen. Wir sind noch nicht fertig“, sagte Sima bei der Vorstellung des Zukunftsplans.

Keine neuen Hochhäuser

Bürgermeister Ludwig verwies unter anderem darauf, dass man weiterhin vorschreibe, dass bei neu gewidmeten Wohnflächen zwei Drittel der Objekte im geförderten Segment errichtet werden müssten. Dass Wien aufgrund von Platzmangel höher wachsen werde, verneint Planungsdirektor Madreiter, weil es auch eine Frage der Kosten sei. Neue Hochhausprojekte seien keine geplant.

Sima beteuerte, dass das Bauen auf der grünen Wiese ein erklärtes „Nicht-Ziel“ gewesen sei. NEOS-Mandatarin Arapovic verwies weiters darauf, dass das Konzept auch Planungssicherheit für neue Investitionen bieten solle.