Der Gruppendynamik sei (Un-)Dank, am Abend nur die letzten 15 Minuten der Fast-Sensation der Salzburger Ballesterer gegen die großen Bayern gesehen. Größter Wow-Effekt waren wohl die fast 30.000 Fans im Stadion – an solche Menschenmassen muss man sich selbst vor dem TV erst wieder gewöhnen. Aber jetzt kommt ja das Frühlingserwachen, der Freedom Day, Licht am Ende des Corona-Tunnels. Suchen Sie sich einfach eine rhetorische Verrenkung aus. Wetten, dass die Impfpflicht ab 15. März nicht geahndet wird, obwohl das Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Abend in der ZiB2 noch versicherte?
Aber zurück zur Gruppe. Statt fußballerische Königsklasse RTL-Primetime mit dem „Bachelor“. Selbst da stört anfangs die Causa prima. 15 Minuten Nachrichten-Sondersendung unter dem Titel „Weniger Regeln, mehr Freiheit“. Auch Deutschland öffnet - der Frühling beginnt dort aber erst zwei Wochen später. In der Schweiz beginnt er schon heute. In Mexiko gibt’s indes schon rund um die Uhr Frühlingsgefühle für „Bachelor“ Dominik (30 Jahre alt, IT-Spezialist, blondiertes Haar, Bleaching-Lächeln). Er will in der Show eine Frau finden, „mit der ich vor den Traualtar treten und hinterher eine mega geile Party feiern“ kann.
Von anfangs 22 Bewunderinnen, die gemeinsam in eine Villa einzogen, sind nach einigen Folgen noch geschätzte 15 übrig. Eine ging gestern freiwillig, sie sieht Dominik „eher so als Bro“. Überhaupt ist da viel „denglisch“ zu hören. „Irgendwie ist es heute ein bisschen awkward“, meint eine der Damen. Soll so viel heißen wie unangenehm. „Was ist deine love language?“, „Sie war schon sehr offensiv beim flirt game“, „Er ist einfach mein soulmate“. Und Dominik? „Ich komme in eine Phase, wo ich anfange, für die eine oder andere Gefühle zu entwickeln.“ Der Mann sollte Bundeskanzler werden.
Aber vorerst fliegt er lieber mit dem Hubschrauber, spielt mit den Damen Tischtennis, lässt sie Spagat und Purzelbaum vorführen, trinkt Champagner am Strand und verteilt Rosen. „Sorry, aber what was that?”, fragt eine der Damen. Habe ich mich beim Zuschauen auch gefragt, lässt sich aber wissenschaftlich erklären. „Ablenkung, Zeitvertreib, Sensationslust, sich in realitätsferne Positionen begeben“, sagt die Medienwissenschafterin Christina Peter über die Einschaltgründe. „Man freut sich ja ein wenig, wenn die Damen zum Streiten beginnen.“ Die Show bekomme Quizcharakter, es wird gerätselt, wer weiterkommt. „Passt die Sendung in eine feministische Welt? Nein. Aber das Format zählt noch zu den harmloseren Shows“, meint die Expertin. Pro Folge schauen durchschnittlich zwei Millionen Menschen zu.
Einen sorgenfreien Donnerstag wünscht
Der Bachelor
Dominik und der Frühling
Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.